Der Weg – Tag 9: Die Todra-Schlucht

Donnerstag, 1.11.2001: Am Morgen fühle ich mich wieder pudelwohl, alle Zipperlein sind vergessen. Ich genieße erst noch einmal den Blick auf die mächtige Kasbah Ait Arbi und genehmige mir ein kleines Frühstück mit Pfefferminztee und Fladenbrot. Punkt 8 Uhr hält ein klappriger Bus, der mich nach kurzer Fahrt in die Oasenstadt Tinerhir bringt. Ein kleiner Spaziergang führt mich zum Hotel Tombuctu und ich erkundige mich dort nach dem Preis für die Miete eines Fahrrades. Der Typ an der Rezeption nennt mir einen utopischen Preis, der mir gleich die Lust auf einen fairen Handel nimmt. Auf dem Weg zur verfallenen Kasbah über der Stadt spricht mich ein junger Mann an und bietet mir ein funktionsfähiges Mountainbike zu einem fairen Preis an, da erübrigt sich das Feilschen und ich schlage gleich zu. Ich radle zunächst ein Stück oberhalb der Todra-Oase und genieße vom Ksar Taourirt einen umwerfenden Blick auf die weite Oase unter mir, den mittleren Atlas vor mir, hinter mir die breite flache Ebene, abgeschlossen durch den unwirklich in der Sonne flimmernden Gebirgsstock Jebel Sarhro.

Bevor ich ins Tal abfahre, unterhalte ich mich eine Weile mit dem Berber, der hier mit seinem Dromedar steht, ich soll ihn unbedingt mit nach Timbuktu nehmen. Die Fahrt durch die Oase ist ungemein abwechslungsreich. Frauen waschen in einem Bachlauf, Männer reiten auf Eseln, Gemüsefelder dehnen sich unter dem Dach der Dattelpalmen. Jenseits des Tales schiebe ich das Rad zu einem Lehmweiler hinauf und radle auf staubiger Piste durch kahle Dörfer unter einer gnadenlosen Sonne. Schließlich durchfahre ich die Oase nochmals und erreiche die Straße wieder beim Ausganspunkt. Ich gebe das Rad zurück und treffe dort einen jungen Mann, der recht gut Deutsch spricht. Er lädt mich in das Restaurant in welchem er Koch ist auf ein Glas Tee ein. Ich muss nicht lange auf ein Grande Taxi warten und bald bin ich am Eingang der tief in den Berg geschnittenen Todra Schlucht, der Todgha Gorges.

Ich miete mich für die Nacht im Hotel Etoile ein. Ein Spaziergang führt durch die gespenstisch enge Schlucht. Das Ende der Schlucht öffnet sich zu einer unendlichen kargen sonnendurchfluteten Landschaft. Ich klettere ein Stück auf einer fast senkrechten  Wand mit guten Haltegriffen im Gestein und mache mich schließlich auf den Rückweg. Den Tag beschließe ich mit einer schmackhaften vegetarischen Tajine, dem typischen Eintopf serviert im Tongefäß.

Der Weg – Tag 5: Ein Führer, ein Kamel und ich

Sonntag, 28.10. 2001: Trotz des halb offenen Zeltes schlafe ich himmlisch und werde nur kurz vom Ruf des Muezzins geweckt, schlummere weiter. Nach 6:30 Uhr schäle ich mich aus dem Schlafsack, mache am Brunnen Morgentoilette und packe den Bedarf für die nächsten Tage in den kleinen Rucksack. In der Nacht habe ich zwei Nachbarn bekommen, Franzosen mit einem Allradfahrzeug. Sie wollen sich in Agadir mit einer Gruppe treffen und weiter nach Mauretanien. In dem kleinen Cafe an der Straßenkreuzung nehme ich ein kleines Frühstück mit Baguette, Butter, Marmelade und Milchkaffee. Der große Rucksack bleibt im Souvenirladen. Die Leute vom Laden halten ein Grand Taxi an und schicken mich auf den Weg nach M’hamid, eine kleine etwa 100 km entfernte Oasenstadt. Bei einem Stopp in dem Städtchen Tagounite kaufe ich mir eine Palette Wasser. Der Fahrer füllt auf archaische Art aus einem Fass Öl nach. War ich zunächst alleine im Fahrzeug, kommen nun weitere Fahrgäste hinzu, einige im westlichen Outfit, andere in der Djellaba, dem Nationalgewand der Berber. Der Mercedes  wird durch Kurzschließen der Kabel gestartet. Kurz vor M’hamid ist ein Kamelcamp.

Dort steige ich aus dem Wagen und werde von Barik, meinem  freundlichen 24-jährigen Führer für die kommenden Tage erwartet. Er spricht ganz gut französisch und „In Schallah“. Ab heute heiße ich Ali.

Hassan, der Kamelbulle wird beladen, meine Uhr verschwindet im Rucksack, nun lebe ich nach dem Stand der Sonne. Unter leichtem Protest erhebt sich Hassan und wir ziehen los.

Nach vielleicht eineinhalb stündiger Wanderung rasten wir im Schatten einer Düne. Rasch ist Hassan abgeladen. Barik geht übrigens sehr einfühlsam mit dem Tier um. Zum Lunch gibt es einen schmackhaften Salat aus Oliven, Paprika. Gurken und Tomaten, dazu Fladenbrot und Pfefferminztee, der mehrmals zwischen Kanne und Tasse hin und her geschüttet wird. Nach einer längeren Siesta wird Hassan wieder beladen und gibt beim Aufstehen durch beleidigtes Grunzen zu verstehen, dass er eigentlich gar keine Lust hat weiterzuziehen. Die Sonne wirft schon lange Schatten, als wir weiter durch die einsame Dünenlandschaft wandern. Zweimal begegnen wir Beduinen auf ihren Kamelen. Barik läuft barfuß auf dem steinigen Boden. Ich bin froh, dass ich die festen Turnschuhe anhabe. Zwischen Dünen wird das Nachtlager aufgeschlagen. Zum Sonnenuntergang steige ich auf eine Düne. Die Sonne verschwindet völlig unromantisch als gleißende Scheibe im Dunst des Horizontes. Inzwischen bereitet Barik auf dem Gaskocher den traditionellen Tee zu und summt als ich zurück bin mit erstaunlich guter Stimme „Ali wird Inschallah gut in Timbuktu ankommen“. Er serviert schmackhaften Couscous, isst selbst sehr wenig. Den Rest des Mahles bekommt Hassan. Ich rolle mich bald in meinen Schlafsack, schlafe wie ein Baby auf der kuscheligen Matratze, welche zu Hassans Gepäck gehört, unter einem strahlenden Sternenhimmel, so wie ihn nur die Nächte der Wüste kennen.

Der Weg ist das Ziel

Liebe Follower, nach einer längeren Blogabstinenz melde ich mich zurück und will euch mein neues Projekt vorstellen. Alle meine Reisen standen immer unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Im meinem  Buch „In 70 Jahren um die Welt“ (Ullstein) gibt es ein Kapitel „Der Weg nach Timbuktu“ (S. 72 ff). Diesen Weg wollen wir nun gemeinsam gehen.

Im Alter von vielleicht zehn Jahren  fiel mir ein Sammelbildchen in die Hände, welches mich mein gesamtes Globetrotterleben lang nicht loslassen sollte. Es zeigte kamelreitende Männer mit Turbanen auf dem Kopf und die Inschrift lautete: „52 Tage nach Timbuktu“. Ich nahm meinen Schulatlas zur Hand und suchte diese geheimnisvolle Stadt. Sie lag irgendwo in Afrika. Mein kleiner Zeigefinger glitt über die Karte und sondierte den günstigsten Weg nach dem Schwarzen Kontinent – bei der Straße von Gibraltar verharrte er. Das musste doch zu machen sein – per Anhalter oder mit dem Fahrrad versteht sich. Es sollte noch lange dauern, bis meine Füße die Sandstraßen der Wüstenstadt betraten. Als am 1. September 2001 mein Pensionistendasein begann, fing ich an zu planen. Am 24. Oktober sollte es losgehen aber dann kam der 11. September. Sollten meine Pläne zerplatzen?

Die USA hatten die muslimische Welt zum Feind erklärt und meine Reise führte durch islamische Länder.

Ratet mal, ob ich die Reise angetreten habe?

Mauretanien „Meine” UN-Staaten – zum 106ten

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Auf meiner Reise 2001 von Marokko nach Timbuktu hatte ich in der Stadt Dakhla in der Westsahara nette Holländer getroffen, die mich über die Grenze nach Mauretanien mitgenommen haben, dort gab es nämlich keine öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Konvoi ging es durch das minenverseuchte Grenzgebiet und nach oberflächlicher aber langwieriger Kontrolle kamen wir schließlich nach Mauretanien.

Piste in Mauretanien © Wolfgang Stoephasius

Piste in Mauretanien © Wolfgang Stoephasius

In der Hafenstadt  Nouadhibou verabschiede ich mich von meinen freundlichen Niederländern. Von dort fährt der längste Güterzug der Welt in das Erzgebiet des Landes. Ich hatte eine neue Reisegefährtin kennengelernt, Rosaluna aus Sizilien. Mit ihr gemeinsam fanden wir einen Platz in dem einzigen Passagierwagen des Zuges und es ging in aufregender Fahrt in das Adrargebirge.

Im längsten Zug der Welt © Wolfgang Stoephasius

Im längsten Zug der Welt © Wolfgang Stoephasius

Vom Städtchen Atar suchte ich mir eine Mitfahrgelegenheit in einem Sammeltaxi, welches allerdings nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab.

Panne in der Wüste © Wolfgang Stoephasius

Panne in der Wüste © Wolfgang Stoephasius

Per Handy wurde ein Ersatzfahrzeug, ein uralter Mercedes 300 geordert. Es war der erste Tag von Ramadan, gläubige Muslime dürfen tagsüber weder essen noch trinken. Das traf den Fahrer hart und schließlich übernahm ich das Steuer und in den späten Abendstunden kamen wir in Nouakchott, der Hauptstadt von Mauretanien an.

Moschee in Nouakchott © Wolfgang Stoephasius

Moschee in Nouakchott © Wolfgang Stoephasius

Dort fand ich einen neuen temporären Reisegefährten, einen jungen Mann von der Elfenbeinküste, und wir reisten mit dem Sammeltaxi gemeinsam an die Grenze zum Senegal.

Reisende mit dem Sammeltaxi © Wolfgang Stoephasius

Reisende mit dem Sammeltaxi © Wolfgang Stoephasius

Schließlich kamen wir an den Senegal-River und mit der Fähre ging es hinüber in das gleichnamige Land.

Schließlich kamen wir an den Senegal-River und mit der Fähre ging es hinüber in das gleichnamige Land.

Fähre von Mauretanien in den Senegal © Wolfgang Stoephasius

Mauretanien ist ein Staat im nordwestlichen Afrika am Atlantik. Die Präsidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und Südosten, Senegal im Südwesten sowie im Bereich der Halbinsel von Nouadhibou an das von Marokko besetzte Territorium der Westsahara und im Nordwesten an den Landesstreifen, der von der Frente Polisario zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara ausgerufen wurde. Hauptstadt ist Nouakchott, Amtssprache Arabisch und die Währung der Ouguiya. Auf 1.030.700 km² leben 3.597.000 Menschen, das entspricht 3 Einwohner pro km² (Deutschland 227).

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Das Land ist fast dreimal so groß wie Deutschland und besteht mit Ausnahme einer Dornbuschsavannenzone von der Hauptstadt Nouakchott entlang der Südgrenze aus Wüste. In Mauretanien treffen arabische, berberische und schwarzafrikanische Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung sprechen Hassania. Sie gehören zu den arabisch-berberischen Mauren. Alleinige Amtssprache ist heute das Arabische, das während der Kolonialzeit offiziell gesprochene Französisch hat sich als Arbeits-, Handels- und Bildungssprache erhalten. Französisch ist neben Arabisch Unterrichtssprache. Inzwischen sind annähernd 100 Prozent der Bevölkerung sunnitische Muslime, die der malikitischen Rechtsschule angehören. Die winzige Minderheit der mauretanischen Christen, vorwiegend Katholiken, spielt im öffentlichen Leben keine Rolle. Die Elite der weißen Mauren hatte lange die meiste politische Macht inne, während schätzungsweise Hunderttausende schwarze Mauren bis heute in Sklaverei leben und dieSoudans unterdrückt wurden. Konflikte zwischen weißen Mauren und Soudans gipfelten 1989, als nach Übergriffen zehntausende Soudans über die Grenze nach Senegal flohen. 2007 unterzeichnete die neue Regierung Mauretaniens ein Abkommen mit Senegal, um die Rückkehr dieser Flüchtlinge zu ermöglichen. Die Sklaverei in Mauretanien besteht trotz ihrer mehrmaligen offiziellen Abschaffung in Mauretanien – zuletzt 2007 – weiter fort und betrifft die Nachfahren von vor Generationen versklavten und bis heute nicht freigelassenen Menschen. Die Zahl der Sklaven im Land wird auf die Größenordnung von Hunderttausenden geschätzt. Der Anteil von Sklaven an der Gesamtbevölkerung ist der höchste der Welt. Der Islam ist Staatsreligion. Es gilt islamisches Recht (Schari’a). Ein Muslim, der zu einer anderen Religion übertritt, wird nach Artikel 306 des Strafrechts wegen Glaubensabfall (Ridda) mit der Todesstrafe bedroht, die bislang aber nicht verhängt wurde. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weist in ihrem Jahresbericht 2010 besonders auf unverhältnismäßige Gewalt und systematische Folter gegen Demonstranten, Häftlinge und die Zivilbevölkerung hin. Bei Amnesty International gingen auch 2009 Berichte über harte und willkürlich verhängte Strafmaßnahmen ein. Die Gefängnisse sind überfüllt. Quelle: Wikipedia.

Marokko „Meine” UN-Staaten – zum 104ten

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1985 war ich das erste Mal in Marokko. Von Agadir aus besuchte ich Casablanca, die Königsstädte Rabat, Fes sowie  Meknès und das sagenumwobene  Marrakesch.

Am Stadtrand von  Meknès erlebte ich eine Fantasia, eines dieser archaischen tempogeladenen Reiterspiele:

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Fantasia © Wolfgang Stoephasius

Im Oktober 2001 startete ich in Marokko mit meiner langen Tour nach Timbuktu. Damals reiste ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit vielen Zwischenstopps gemächlich Richtung Süden und hatte viele eindrückliche Erlebnisse und freundschaftliche Begegnungen in diesem muslimischen Land kurz nach den Anschlägen in New York vom 11. September.

Von Marrakesch aus kam ich nach Zagora. Dort steht vor der Polizeistation das berühmte Bild, welches mich zu der Reise in das sagenumwobene Timbuktu inspiriert hat.

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52 Tage nach Timbuktu © Wolfgang Stoephasius

Von dort aus unternahm ich mit Führer und Kamel einen mehrtägigen Ausflug in die Wüste, um eine klein Wenig von der Faszination der Einsamkeit zu spüren.

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Wüstentrip © Wolfgang Stoephasius

Über die von Marokko okkupierte Westsahara kam ich an die Grenze zu Mauretanien. Das Grenzgebiet war durch den Krieg mit den Polisario, den Aufständischen aus der ehemaligen spanischen Kolonie,  vermint und ich musste mir eine Mitfahrgelegenheit suchen, um im vorgeschriebenen Konvoi, der zweimal in der Woche zusammengestellt wurde, suchen.

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Konvoi an der Grenze zu Mauretanien © Wolfgang Stoephasius

2007 war ich mit Renate noch einmal im Land. Neben Fes und Marrakesch, welches bei einem Besuch in diesem Land ganz einfach zum Pflichtprogamm gehört,  besuchten wir die Küstenstadt Essaouira, die Drogenhochburg Tetouan und die heilige Stadt Chefchaouen, welche bis vor wenigen Jahren für Ausländer gesperrt war. Von Tanger gelangten wir in die spanische Enklave Ceuta, wo wir selbst sehen konnten, mit welch massivem Grenzzaun die afrikanischen Flüchtlinge von Europa abgeschirmt werden. Von dort ging es mit der Fähre hinüber nach Spanien.

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Dachcafe über den Mauern der Königsstadt Fes © Wolfgang Stoephasius

Das Königreich Marokko, ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Er ist durch die Straße von Gibraltar vom europäischen Kontinent getrennt. Hauptstadt ist Rabat, Währung der Marokkanische Dirham und die Amtssprache ist Arabisch. Als westlichstes der fünf (mit Westsahara sechs) Maghrebländer grenzt es im Norden an das Mittelmeer, im Westen an den Atlantischen Ozean und im Osten an Algerien. Das nordafrikanische Land ist seit 1956 unabhängig und gemäß Verfassung von 1992 eine konstitutionelle Monarchie. Marokkos Südgrenze ist wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines UN-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten. Das Land hat ohne Westsahara 33.500.000 Einwohner, die auf 446.550 km² leben.

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Etwa 80 % der Bevölkerung sind Berber, davon knapp 60 % arabisierte Berber. Sie sind heute zumeist sesshafte Bauern, nur eine Minderheit lebt noch als Nomaden oder halbnomadisch in abgelegenen Gebieten des Mittleren Atlas oder auf den Hochplateaus im Osten des Landes. Rund 20 % der Marokkaner sind arabischstämmig. Nordmarokko mit der alten Metropole Fès ist eher arabisch (34 % der Bevölkerung Araber, 25 % arabisierte Berber), Südmarokko und dessen Metropole Marrakesch eher berberisch (30 % der Bevölkerung Berber) geprägt. Zudem leben rund 60.000 Ausländer im Land, darunter vor allem Franzosen, Spanier, Italiener, Tunesier und Algerier. Die offiziellen Sprachen Marokkos sind das Arabische und das Mazirische (eine Berbesprache). Französisch wird im gesamten Land als Handels-, Bildungs- und zweite Amtssprache benutzt. Englisch gewinnt als Sprache der gebildeten Jugend an Bedeutung. Staatsreligion ist der Islam. Rund 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Sunniten malikitischer Richtung. 1,1 % der Einwohner bekennen sich zum Christentum(meist Katholiken) und 0,2 % zum Judentum. In der Volksreligion ist der Glaube an Geister – als Erbe der vorislamischen Berber – tief verwurzelt. Mit der wachsenden Wirtschaftskraft des Königreichs wandern immer weniger Marokkaner in andere Staaten aus. Dafür steigt die illegale Zuwanderung von Schwarzafrikanern. Marokko liegt beim Pro-Kopf-Einkommen in der höheren Gruppe der afrikanischen Staaten. Die Sozialversicherung umfasst Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten. Auch Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft sowie Familienbeihilfen werden gewährt. Versichert sind allerdings nur Arbeitnehmer in Industrie und Handel, beziehungsweise Genossenschaftsmitglieder. Gemäß der Verfassung von 1992, zuletzt geändert 1996, ist Marokko eine konstitutionelle Monarchie, deren derzeitiges Staatsoberhaupt seit dem 24. Juli 1999 König Mohammed VI. ist, der der Dynastie der Alawiden angehört. Amnesty International sieht die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit im Zusammenhang mit der staatlichen Sicherheit stark eingeschränkt. Die Regierung reagiert teilweise sehr intolerant auf Meinungen oder Informationen, die als Angriff auf die Monarchie gewertet werden. So wurden Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und weitere Personen strafrechtlich verfolgt, weil sie Korruption angeprangert und die Behörden kritisiert hatten.  Laut Genfer Weltwirtschaftsforum rangiert Marokko bei den Frauenrechten auf Platz 133 von 142.  Der Schulbesuch ist seit 1963 für 5- bis 13-Jährige obligatorisch und wurde 2002 auf die bis zu 15-Jährigen erweitert. Die Einschulungsquote beträgt 92 %, von den 15-Jährigen besucht jedoch nur noch die Hälfte die Schule. So sind noch etwa knapp 30 (so die offizielle Schätzung) bis 45 % der über 15-Jährigen vor allem in ländlichen Regionen Analphabeten, darunter weitaus mehr Frauen als Männer. Quelle: Wikipedia.

Mali „Meine” UN-Staaten – zum 102ten

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Im Jahr 2001 kann ich endlich meinen Traum verwirklichen. Ich will von Marokko aus auf dem Landweg nach Timbuktu. Seit meiner Kindheit habe ich ein Bild im Kopf.

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52 Tage nach Timbuktu © Skizze von Heid Oel

Timbuktu liegt in Mali und ich reise über die Westsahara, Mauretanien und den Senegal nach Mali. Die Reise beginnt wenige Tage nach dem 11. September und es sind nur ganz wenige Touristen in diesen großteils muslimischen Ländern unterwegs.

Es ist eine lange Reise vom Senegal nach Bamako, die Hauptstadt von Mali. Von dort geht es weiter nach Djenne mit der größten Lehmmoschee der Welt.

Djenne © Wolfgang Stoephasius

Djenne © Wolfgang Stoephasius

Bei Mopti erreiche ich den Niger.

Mopti © Wolfgang Stoephasius

Mopti © Wolfgang Stoephasius

Von dort geht es mit dem Linienschiff nach Timbuktu, eine von Mythen umwobene Stadt, heutzutage nur noch eine von der Desertisierung betroffene Stadt im Sahel, welche allerdings eine der bedeutendsten Bibliotheken Afrikas besitzt.

Timbuktu © Wolfgang Stoephasius

Timbuktu © Wolfgang Stoephasius

Hier schließe ich mich einer Gruppe Tuaregs, den blauen Männern der Wüste, an und reite mit ihnen einige Tage von Dorf zu Dorf.

Kamelreiter © Wolfgang Stoephasius

Kamelreiter © Wolfgang Stoephasius

Heutzutage ist die Gegend um Timbuktu eine No-Go-Aera, radikale Islamisten und Tuareg-Rebellen kämpfen dort gegen die Armee Malis, welche von französischen Truppen unterstützt wird. Deutsche Soldaten sind als Ausbilder im Einsatz.

Terroristen in Timbuktu

Terroristen in Timbuktu

Bevor ich in den Senegal weiterreise, wandere ich im Land der Dogon, einem Volk, welches in der Falaise, einer bizarren Felslandschaft, lebt.

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In der Falaise mit Führer © Wolfgang Stoephasius

Männer vom Volk der Dogon © Wolfgang Stoephasius

Männer vom Volk der Dogon © Wolfgang Stoephasius

Mali ist ein Binnenstaat in . Der 1,24 Millionen km² große Staat wird von 15,3Millionen Menschen bevölkert (12 Einwohner pro km²). Seine Hauptstadt heißt Bamako, Amtssprache ist Französisch und die Währung der CFA-Franc BCEAO.  Nachbarländer sind Algerien, Burkina Faso, Niger, Elfenbeinküste, Mauretanien, Senegal und  Guinea.

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Der größte Teil der Bevölkerung lebt im Südteil des Landes, der von den beiden Strömen Niger und Senegal durchflossen wird. Der Norden erstreckt sich bis tief in die Sahara und ist äußerst dünn besiedelt. In kulturellen Bereichen hat Mali lange Traditionen vorzuweisen. Speziell in Musik, Tanz, Literatur und bildender Kunst führt es ein eigenständiges Kulturleben, das weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist. Das Land liegt im Human Development Index auf dem 176. von 187 Plätzen. Die Bevölkerung Malis setzt sich aus rund 30 verschiedenen Ethnien zusammen. Sie haben verschiedene Sprachen und Kulturen. Mali ist ein muslimisch geprägtes Land. Zwischen 85 % und 90 % der Bevölkerung bekennen sich zur sunnitischen Islammalikitischen Rechtsschule. Die in Westafrika verbreitete, und auf der Gleichheit aller Muslime beharrende Richtung des Islams gelangte spätestens im 11. Jahrhundert zu starkem Einfluss in Mali. Träger dieser Variante der Islamisierung waren berberische Händler, die als Charidschiten mit der Sudan-Zone Handel trieben. Mali gehört zu jenen Staaten, wo die Beschneidung junger Mädchen am weitesten verbreitet ist. Im Jahr 2006 gaben 85 % der Frauen an, beschnitten zu sein. Ebenso viele Frauen gaben an, ihre Töchter beschneiden lassen zu wollen. Die Praxis ist unabhängig von Einkommen, Ausbildungsniveau oder Religion: Zwei Drittel der Frauen christlicher Religion sind beschnitten. Frauen der Tuareg oder Songhai sind zu weniger als einem Drittel beschnitten. Da der Eingriff vor dem 5. Lebensjahr und meist nicht von medizinischem Fachpersonal, sondern von einer traditionellen Beschneiderin durchgeführt wird, sind Komplikationen häufig. Trotzdem ist die Beschneidung so fest in der Tradition der Völker Malis verwurzelt, dass sämtliche Initiativen zur Abschaffung der Beschneidung nur zu einem geringen Rückgang dieser Praxis geführt haben. Korruption kommt in Mali in vielen verschiedenen Formen vor. Von den Bürgern werden regelmäßig Schmiergeldzahlungen für staatliche Leistungen verlangt, die eigentlich kostenlos oder zu festgelegten Preisen erbracht werden sollen. Lukrative Posten in Regierung oder Verwaltung werden routinemäßig verkauft oder an Parteigänger von einflussreichen Politikern vergeben, selbst wenn Kriterien für die Besetzung der betreffenden Posten gröblich verletzt werden. Die Veruntreuung von staatlichen Geldern oder Geldern aus der Entwicklungshilfe grassiert zu einem so schamlosen Ausmaß, dass diverse ausländische Geldgeber ihre Programme vorübergehend auf Eis legten oder beendeten. Die Politik Malis ist mit der organisierten Kriminalität, vor allem dem Schmuggel und der Lösegelderpressung, auf mehrfache Weise verbunden. Der Transsaharahandel mit Nordafrika hat eine jahrhundertelange Tradition, seit den 1960er Jahren wurden in Algerien und Libyen subventionierte Güter aus dem Land sowie Zigaretten und Vieh in das Land geschmuggelt. Seit den frühen 2000er Jahren werden vermehrt Drogen durch Mali transportiert, die auf dem Weg von Südamerika und Marokko nach Europa und in den Nahen Osten sind. Auch Waffen, speziell seit dem Zusammenbruch Libyens, und Menschen, vor allem Frauen, gehören zu den einträglichsten Schmuggelgütern. Die Regierung Malis hat Milizen arabischen Hintergrundes erlaubt, am Schmuggelgeschäft und den damit verbundenen beträchtlichen Gewinnen teilzuhaben, um damit den Kampf gegen Tuareg-Rebellen, die ihrerseits ebenfalls am Schmuggel beteiligt sind, zu finanzieren. Es gibt zahlreiche Indizien dafür, dass auch hochrangige Politiker in Bamako am Schmuggel durch die Sahara verdienen, wenngleich direkte Beweise fehlen. Der Nordmali-Konflikt wurde akut, nachdem zahlreiche schwer bewaffnete Söldner und Islamisten aus dem Krieg in Libyen nach Mali kamen und sich mit den Tuareg-Rebellen verbündeten. Im Januar 2012 griffen Tuareg-Verbände das malische Militär im Nordosten des Landes an, drei Monate später hatten sie den gesamten Norden unter ihre Kontrolle gebracht und erklärten das von ihnen beherrschte Gebiet für unabhängig. Die Armee Malis hatte den Rebellen nichts entgegenzusetzen, immerhin besaß es die Kraft, den Präsidenten aus dem Amt zu putschen. Im März 2012 wurde die Regierung von einer Gruppe niederrangiger Offiziere um Hauptmann Amadou Sanogo für gestürzt und Präsident Amadou Toumani Touré für abgesetzt erklärt. Die Putschisten begründeten ihr Vorgehen mit der Unfähigkeit der Regierung, den seit Mitte Januar 2012 andauernden Aufstand der Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) in der Region Azawad im Norden des Landes unter Kontrolle zu bekommen. Der UN-Sicherheitsrat, die Afrikanische Union und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilten den Staatsstreich und belegten die Militärjunta mit Sanktionen; Entwicklungshilfe wurde vorübergehend eingestellt. Demgegenüber nahm die Bevölkerung den Putsch gelassen hin, es kam sogar zu Solidaritätskundgebungen mit den Putschisten. Unterdessen nahmen die Tuareg-Rebellen der MNLA im Norden des Landes alle Städte der Region Azawad ein und erklärten am 6. April 2012 die einseitige Unabhängigkeit des Azawad. Zwischen Januar und Juli 2012 flüchteten über 250.000 Malier infolge der politischen Instabilität, der unsicheren Lage und des mangelhaften Zugangs zu Nahrungsmitteln und Wasser in die Nachbarländer Burkina Faso, Mauretanien und Niger. Außerdem gab es im selben Zeitraum rund 105.000 Binnenflüchtlinge im Norden und rund 69.000 Binnenflüchtlinge im Süden Malis. Erst im Dezember 2012 stimmten die Vereinten Nationen einer Resolution zu, die den Weg zu einer militärischen Intervention des Westens in Mali frei machte. Als sich die Rebellen im Januar 2013 aufmachten, auch den Süden des Landes zu erobern, bat Übergangspräsident Dioncounda Traoré die frühere Kolonialmacht Frankreich um Hilfe. Mit der Operation Serval konnten die Islamisten schnell besiegt und das Kommando an afrikanische Truppen zurück übertragen werden. Die mehrmals verschobene Präsidentschaftswahl in Mali 2013 gewann der frühere Premierminister Ibrahim Boubacar Keïta; er gilt als Kandidat der Oligarchie, die schon vor dem Putsch die Macht innehatte. Gleichzeitig bleibt die Lage speziell im Norden instabil, es kommt immer wieder zu Anschlägen von islamistischer Seite, während die Minderheiten der Mauren und Tuareg Vergeltung von Seiten der schwarzafrikanischen Bevölkerungsmehrheit ausgesetzt sind. Quelle: Wikipedia.

Gambia – „Meine” UN-Staaten – zum 48sten

FlaggeGambia

Im Jahre 2001/02 war ich über vier Monate in Afrika unterwegs. Nachdem ich mein wichtigstes Ziel, nämlich Timbuktu in Mali erreicht hatte, machte ich mich auf den Weg in Richtung Senegal. Am Gambia-River erholte ich mich für einige Tage von den Strapazen der Reise.

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Affen im Jang Jang Burek Camp © Wolfgang Stoephasius

An Eid, dem Zuckerfest am Ende von Ramadan, wollte ich vom Norden des Landes in Richtung Küste reisen. Das war keine gute Idee, denn die Straßen waren leer, so ähnlich wie bei uns am Heiligen Abend. Schließlich fand ich eine Mitfahrgelegenheit mit Alihai, der nun in Hamburg lebt und zu Besuch in seiner Heimat ist.

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Mit Alihai in einer Autowerkstatt © Wolfgang Stoephasius

Schließlich besuchte ich noch die Landeshauptstadt und es ging mit der Fähre hinüber in den Senegal.

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Banjul © Wolfgang Stoephasius

2007 kam ich noch einmal in das kleine Land, nämlich auf meiner großen Reise durch mehrere westafrikanische Staaten von Ghana bis in den Senegal.

KarteGambia

Gambia ist eine Republik in Westafrika, die an den Ufern des Gambia-Flusses liegt. Mit Ausnahme eines kurzen Küstenabschnittes an der Mündung des Flusses in den Atlantischen Ozean wird Gambia vollständig vom Staat Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern ist das Land der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes. Gambia hat rund 1,7 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Banjul, Amtssprache Englisch und die Währung der Dalasi (GMD). Da in Gambia viele verschiedene Ethnien leben, die sich hauptsächlich durch ihre eigene Sprache definieren, sind die Gambier recht polyglott. Häufig sprechen sie mehrere Sprachen fließend oder können sich zumindest darin verständigen. Neun Sprachen sind hauptsächlich verbreitet, aber über zwanzig verschiedene Sprachen werden in dem kleinen Land gesprochen. Gambias Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch, neun Prozent christlich, und etwa ein Prozent gehört traditionellen indigenen afrikanischen Religionen an. Zwischen allen Religionen herrscht eine ruhige und friedliche Koexistenz. Gambia ist ein weltlicher Staat, der den Respekt vor allen kulturellen und traditionellen Werten fördert. Dieser Zustand garantiert Freiheit für alle, die Religion ihrer Wahl auszuüben. Vor diesem Hintergrund ist es in Gambia traditionell üblich, dass offizielle Veranstaltungen mit Gebeten eines christlichen Priesters und eines muslimischen Imams eröffnet werden. Quelle: Wikipedia.