Der Weg – Tag 2: Marrakesch – Tor nach Afrika

25. Oktober 2001: Eigentlich habe ich in dem fensterlosen Raum recht gut geschlafen. Wegen des Zeitunterschiedes bin ich aber ziemlich zeitig wach. Am frühen Morgen spaziere ich durch den noch leeren Souk. In einer Bäckerei hole ich mir warme Schoko-Croissants und setzte mich in ein Straßencafe, bestelle Milchkaffee. In der Morgensonne leuchtet das Minarett der Koutoubia-Moschee, das wohl perfekteste islamische Bauwerk in Afrika.

Bettler sind etliche anzutreffen, sie halten sich aber bescheiden zurück. Überhaupt ist die Armut spürbar: Zigaretten werden stückweise verkauft, ein Gradmesser wie es um die Armut in einem Land bestellt ist. Eine alte Frau sucht in Abfallresten nach Essbarem. Die Frauen, welchen ich begegne, zeigen sich im verschiedensten Outfit: von tief verschleiert bis sexy in hautengen Jeans. Ein Land im Umbruch!

Auf dem Weg zu den Saaditegräbern trinke ich einen hervorragenden Pfefferminztee, das marokkanische Nationalgetränk. Ich führe Smalltalks mit freundlichen Nachbarn und habe überhaupt das Gefühl, dass die Menschen dem Fremden aufgeschlossen begegnen. Sie wirken ruhig und aufgeräumt, in sich selbst ruhend. Auch der Verkehr läuft geruhsam, es wird kaum gehupt.  Auf einem Bab – einem der zahlreichen Türme – sitzen Störche.

Bei den historischen Saaditengräbern treffe ich zwei bayerische Burschen.

Die jungen Männer haben in Agadir einen Wagen gemietet und nehmen mich freundlicherweise mit zu den Gerbern am Rande der Stadt. Unvorstellbar unter  welch unwürdigen Bedingungen die Männer in der Chemiekloake werkeln.

Im angesagten Terrassenlokal Toubkal mit grandiosem Blick  auf die Media esse ich mittags nur Joghurt mit Brot und spaziere dann durch den  inzwischen betriebsamen Souk. Ich traue mich in das luxuriöse Hotel La Mamounia und raste im dortigen Garten unter alten Ölbäumen.

Nun kenne ich die Preise und habe kein Problem, ein Taxi zum Jardin Menara zu nehmen. In dem  für die Öffentlichkeit zugänglichen wunderschönen Park gruppieren sich um einen großen künstlichen See Olivenhaine. Leider liegen die Gipfel des Atlas, die man von hier aus sehen könnte, im Dunst.

Zurück in der Stadt beobachte ich, wie am Platz der Gaukler die Essenstände aufgebaut werden.

Hier ein Blick in mein Buch:

„Als die Lunge der Stadt“ bezeichnen die Bewohner den „Place Djeema El Fna“ am Rande der Altstadt – ein zunächst irreführender Begriff. Düfte, Dünste, Rauch und Qualm von Grillfeuern. Trommeln und Lauten, der durchdringende Klang der Mizmar, einem Holzblasinstrument, begleitet das Spiel von Gauklern und Schaustellern. Schlangenbeschwörer locken Kobras aus Bastkörben, schlafwandlerisch drehen sich die Tiere zum Klang der Flöten. Erzähler lassen die Märchen des Maghreb lebendig werden. Dies ist genau der richtige Ort, um dem Neuankömmling die ersten Eindrücke vom Zauber Afrikas zu vermitteln. War ich wirklich vor zwei Tagen noch im Münchner Hofbräuhaus?“ ©2016 Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin.

Den Sonnenuntergang erlebe ich von der Terrasse der angesagten Brasserie du Glacier.

Nach einem wohlschmeckenden Coscous im Toubkal mache ich mich auf zu einem abendlichen Spaziergang durch die Medina mit den vielen hart arbeitenden Handwerkern. Anschließend besuche ich noch einen Barbier und lasse mich rasieren. Als ich aus dem Laden heraustrete, spricht mich ein Typ auf Englisch an. Er habe mich im Hotel „Sowieso“ getroffen und freue sich, mich wieder zusehen.  Es ist einer der üblichen Anmachetricks und ich erkläre ihm in ruhigem Ton, dass ich ihn nicht kenne und auch nicht kennenlernen möchte. Als ich mich abwende, murmelt er mir irgendetwas von „Rassist“ hinterher.

Ich träume dem nächsten Morgen entgegen: Es geht weiter in Richtung Süden.

 

Der Weg – Tag 1: München – Marrakesch

24. Oktober 2001: Mein Rucksack wiegt 18 kg. Die Reise kann beginnen. Trotz der erhöhten Sicherheitslage sind die Kontrollen in München und Brüssel nicht schärfer als zuvor. Mit einem durch Meilensammeln erworbenem Freiflugticket von Sabena geht es von München über Brüssel nach Casablanca. Der Flieger von Belgien nach Marokko ist schwach besetzt. Die Uhr wird zwei Stunden zurück gestellt und um 11 Uhr bin ich am Ziel. Nach der lockeren Einreisekontrolle finde ich gleich den Vorortzug zum Bahnhof Casa-Voyageurs. Dort besorge ich mir die Fahrkarte nach Marrakesch und setze mich bis zur Abfahrt des Zuges in den Schatten des offenen Bahnhofs-Cafés und lasse mir den ersten Whiskey Marocaine, den süßen Pfefferminztee, schmecken. Um 14 Uhr verlässt der Zug den Bahnhof und ich teile mir das geräumige Abteil mit einer vornehmen Dame in einer kunstvoll gearbeiteten braunen „djellaba marocaine“, dem langen Gewand mit Kapuze. Sie trägt kein Kopftuch. Der Zug verlässt die Ebene und diese geht in braunes Hügelland über, durchquert von Zeit zu Zeit kleine Oasen mit Olivenbäumen, Gemüsefeldern, Kakteen und Palmenhainen. In einem Kaff, welches an eine Kleinstadt im Wilden Westen erinnert, bleibt der Express länger stehen. Im Dunst ist in der Ferne das Atlas-Gebirge zu erkennen. Wie so oft am Beginn einer Reise falle ich am Bahnhof von Marrakesch einem dieser auf der ganzen Welt anzutreffenden Taxi-Mafiosi in die Hände und bezahle für die Fahrt in die Altstadt umgerechnet 30 DM. Dafür kostet die Übernachtung im sauberen und ruhigen Hotel Medina lediglich 10 Mark. Die Unterkunft liegt ganz in der Nähe der „Place Djeema El Faa“  mit den Gauklern, Schlangenbeschwörern, Akrobaten und Märchenerzählern, genau der richtige Ort, um dem Neuankömmling die ersten Eindrücke vom Zauber Afrikas zu vermitteln. Nirgends auf der Welt gibt es einen besseren frisch gepressten Orangensaft.

Es ist immer noch unfassbar, wie schnell dank moderner Technik der Körper von einem Kulturkreis in den anderen transportiert wird. Ich spaziere bis tief in die Nacht durch die Gassen der Medina, bis ich todmüde in das Hotelbett falle.

Landshuter Hochzeit

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Kurz vor Jahresende waren wir zur Hochzeit eines befreundeten Paares eingeladen…

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Es war nicht die Landshuter Fürstenhochzeit, nein, es war eine wunderschöne Multikulti-Hochzeit mit einem schönen Bräutigam und einer bildhübschen Braut….

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Stefan kommt aus Niederbayern, Hind aus Marokko….

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Beim Standesamt „Westlich“….

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Bei der Feier maghrebinisch….

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begleitet von der Familie aus Marrakesch…

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Aber auch die Bayern durften nicht fehlen….

Viel Glück!

Marokko „Meine” UN-Staaten – zum 104ten

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1985 war ich das erste Mal in Marokko. Von Agadir aus besuchte ich Casablanca, die Königsstädte Rabat, Fes sowie  Meknès und das sagenumwobene  Marrakesch.

Am Stadtrand von  Meknès erlebte ich eine Fantasia, eines dieser archaischen tempogeladenen Reiterspiele:

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Fantasia © Wolfgang Stoephasius

Im Oktober 2001 startete ich in Marokko mit meiner langen Tour nach Timbuktu. Damals reiste ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit vielen Zwischenstopps gemächlich Richtung Süden und hatte viele eindrückliche Erlebnisse und freundschaftliche Begegnungen in diesem muslimischen Land kurz nach den Anschlägen in New York vom 11. September.

Von Marrakesch aus kam ich nach Zagora. Dort steht vor der Polizeistation das berühmte Bild, welches mich zu der Reise in das sagenumwobene Timbuktu inspiriert hat.

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52 Tage nach Timbuktu © Wolfgang Stoephasius

Von dort aus unternahm ich mit Führer und Kamel einen mehrtägigen Ausflug in die Wüste, um eine klein Wenig von der Faszination der Einsamkeit zu spüren.

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Wüstentrip © Wolfgang Stoephasius

Über die von Marokko okkupierte Westsahara kam ich an die Grenze zu Mauretanien. Das Grenzgebiet war durch den Krieg mit den Polisario, den Aufständischen aus der ehemaligen spanischen Kolonie,  vermint und ich musste mir eine Mitfahrgelegenheit suchen, um im vorgeschriebenen Konvoi, der zweimal in der Woche zusammengestellt wurde, suchen.

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Konvoi an der Grenze zu Mauretanien © Wolfgang Stoephasius

2007 war ich mit Renate noch einmal im Land. Neben Fes und Marrakesch, welches bei einem Besuch in diesem Land ganz einfach zum Pflichtprogamm gehört,  besuchten wir die Küstenstadt Essaouira, die Drogenhochburg Tetouan und die heilige Stadt Chefchaouen, welche bis vor wenigen Jahren für Ausländer gesperrt war. Von Tanger gelangten wir in die spanische Enklave Ceuta, wo wir selbst sehen konnten, mit welch massivem Grenzzaun die afrikanischen Flüchtlinge von Europa abgeschirmt werden. Von dort ging es mit der Fähre hinüber nach Spanien.

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Dachcafe über den Mauern der Königsstadt Fes © Wolfgang Stoephasius

Das Königreich Marokko, ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Er ist durch die Straße von Gibraltar vom europäischen Kontinent getrennt. Hauptstadt ist Rabat, Währung der Marokkanische Dirham und die Amtssprache ist Arabisch. Als westlichstes der fünf (mit Westsahara sechs) Maghrebländer grenzt es im Norden an das Mittelmeer, im Westen an den Atlantischen Ozean und im Osten an Algerien. Das nordafrikanische Land ist seit 1956 unabhängig und gemäß Verfassung von 1992 eine konstitutionelle Monarchie. Marokkos Südgrenze ist wegen des Westsaharakonfliktes bis zum Abhalten eines UN-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten. Das Land hat ohne Westsahara 33.500.000 Einwohner, die auf 446.550 km² leben.

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Etwa 80 % der Bevölkerung sind Berber, davon knapp 60 % arabisierte Berber. Sie sind heute zumeist sesshafte Bauern, nur eine Minderheit lebt noch als Nomaden oder halbnomadisch in abgelegenen Gebieten des Mittleren Atlas oder auf den Hochplateaus im Osten des Landes. Rund 20 % der Marokkaner sind arabischstämmig. Nordmarokko mit der alten Metropole Fès ist eher arabisch (34 % der Bevölkerung Araber, 25 % arabisierte Berber), Südmarokko und dessen Metropole Marrakesch eher berberisch (30 % der Bevölkerung Berber) geprägt. Zudem leben rund 60.000 Ausländer im Land, darunter vor allem Franzosen, Spanier, Italiener, Tunesier und Algerier. Die offiziellen Sprachen Marokkos sind das Arabische und das Mazirische (eine Berbesprache). Französisch wird im gesamten Land als Handels-, Bildungs- und zweite Amtssprache benutzt. Englisch gewinnt als Sprache der gebildeten Jugend an Bedeutung. Staatsreligion ist der Islam. Rund 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Sunniten malikitischer Richtung. 1,1 % der Einwohner bekennen sich zum Christentum(meist Katholiken) und 0,2 % zum Judentum. In der Volksreligion ist der Glaube an Geister – als Erbe der vorislamischen Berber – tief verwurzelt. Mit der wachsenden Wirtschaftskraft des Königreichs wandern immer weniger Marokkaner in andere Staaten aus. Dafür steigt die illegale Zuwanderung von Schwarzafrikanern. Marokko liegt beim Pro-Kopf-Einkommen in der höheren Gruppe der afrikanischen Staaten. Die Sozialversicherung umfasst Alters-, Hinterbliebenen- und Invalidenrenten. Auch Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft sowie Familienbeihilfen werden gewährt. Versichert sind allerdings nur Arbeitnehmer in Industrie und Handel, beziehungsweise Genossenschaftsmitglieder. Gemäß der Verfassung von 1992, zuletzt geändert 1996, ist Marokko eine konstitutionelle Monarchie, deren derzeitiges Staatsoberhaupt seit dem 24. Juli 1999 König Mohammed VI. ist, der der Dynastie der Alawiden angehört. Amnesty International sieht die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit im Zusammenhang mit der staatlichen Sicherheit stark eingeschränkt. Die Regierung reagiert teilweise sehr intolerant auf Meinungen oder Informationen, die als Angriff auf die Monarchie gewertet werden. So wurden Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und weitere Personen strafrechtlich verfolgt, weil sie Korruption angeprangert und die Behörden kritisiert hatten.  Laut Genfer Weltwirtschaftsforum rangiert Marokko bei den Frauenrechten auf Platz 133 von 142.  Der Schulbesuch ist seit 1963 für 5- bis 13-Jährige obligatorisch und wurde 2002 auf die bis zu 15-Jährigen erweitert. Die Einschulungsquote beträgt 92 %, von den 15-Jährigen besucht jedoch nur noch die Hälfte die Schule. So sind noch etwa knapp 30 (so die offizielle Schätzung) bis 45 % der über 15-Jährigen vor allem in ländlichen Regionen Analphabeten, darunter weitaus mehr Frauen als Männer. Quelle: Wikipedia.