Die Italienische Reise – Teil IX: Von Lipari über Catania zurück nach München

Am Abend vor unserer Abreise von Lipari nehmen wir unser Abendessen auf der Terrasse vom “Sfiziusa“, unserem Lieblingslokal, ein. Am Nachbartisch sitzt ein junges Paar auf Hochzeitsreise aus Landshut. Wir unterhalten uns bei scharfen Spagetti (Vulcano),  Miesmuscheln und frittierten Meeresfrüchten ausgezeichnet. Die beiden deuten auf den Nachbartisch und meinen,  auch sie hätten Probleme mit Leuten, die nur noch vor ihren Tablets und Smartphones  sitzen. Das Personal verabschiedet uns wie alte Freunde.

Am nächsten Morgen frühstücken wir zum letzten Mal bei unserer Gastgerberin Diana auf der Terrasse. Dann kommt der schlagende Beweis für das Gespräch von gestern Abend hereinspaziert. Ein Englisch sprechendes Pärchen um die Dreißig setzt sich grußlos an den Nachbartisch. Kaum haben die beiden Platz genommen, hat schon jeder sein Smartphone in der Hand und wortlos beginnt der Tag. Als Diana nach den Getränken fragt, wollen sie Soya-Milch – und das in Italien. Sie müssen sich mit warmem Wasser zufrieden geben. Nach diesem kurzem Wortwechsel sind Augen und Hände schon wieder bei den Handys. Als wir uns mit „Bon Giorno“ verabschieden, werden wir keines Blickes gewürdigt. Schließlich laufen wir hinunter zum Hafen, das Tragflügelboot hat eine halbe Stunde Verspätung. Dann geht es aber flott. Wir halten kurz in Vulcano, man riecht den Schwefel. Die Fahrtzeit nach Milazzo auf Sizilien beträgt gerade mal eine gute Stunde. Von dort geht es mit dem Linienbus in knapp zwei Stunden zum Flughafen von Catania und mit dem Stadtbus, den wir noch einmal wechseln müssen, zum vorgebuchten Hotel.

Die Straßen von Catania © Wolfgang Stoephasius

Die Straßen von Catania © Wolfgang Stoephasius

Auf Empfehlung der freundlichen Dame von der Rezeption essen wir vorzüglich in einem nahegelegenen Lokal. Anschließend genehmigen wir uns einige riesigen Gläser „Sambucco“ in einer Bar gegenüber. Die Armverletzung vom jungen Besitzer stammt von einer Messerstecherei, erzählt er uns. Wir unterhalten uns lange mit ihm und dem einzigen Gast außer uns, einem Tunesier, der gut Englisch spricht und ein Loblied auf Deutschland singt. Der Preis ist überaus fair, hier knöpft man Touris keine zusätzlichen Euro ab.

Am nächsten Morgen schlendern wir durch den gepflegten Park „Villa Bellini“.

Park „Villa Bellini“ © Wolfgang Stoephasius

Park „Villa Bellini“ © Wolfgang Stoephasius

Die Villa Bellini © Wolfgang Stoephasius

Die Villa Bellini © Wolfgang Stoephasius

Strelizien im Park © Wolfgang Stoephasius

Strelizien im Park © Wolfgang Stoephasius

Der Markt mit seinem reichhaltigen und preiswerten Angebot an Meeresfrüchten, Obst, Gemüse, Fleisch und Wurstwaren ist eine Herausforderung für alle Sinne. Wir decken uns für das Mittagessen ein. Auf dem Rückweg kaufen wir in einem Kramerladen noch eine Flasche Wasser. Die alte Dame ist ein ausgesprochener Münchenfan und spricht einige Worte Deutsch. Sie war als fünfzehnjährige in München. Sie umarmt uns Wasserkäufer beim Verabschieden. Nach Brotzeit auf dem Balkon und langer Siesta machen wir uns auf den Weg und schlendern die „Plebiscito“ mit den maroden Häusern, den Tante-Emma-Läden und dem typischen sizilianischen Leben hinunter.

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

Straßenszenen in der Plebiscito © Wolfgang Stoephasius

In der Nähe unseres Hotels gibt es an der Straße zahlreiche Grilllokale, hier probieren wir gegrilltes Pferdesteak, das schmeckt so etwas von gut.

Der letzte Tag unserer Italienreise ist angebrochen. Wir nehmen ein Taxi zum Flughafen und sind nach knapp zweistündigen Flug mit dem Airbus 320 wieder in München.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

 

Die Italienische Reise – Teil VIII: Inspirationen von den Liparischen Inseln

Blick von der Burg auf Lipari © Wolfgang Stoephasius

Blick von der Burg auf Lipari © Wolfgang Stoephasius

Alte Kirche in Lipari © Wolfgang Stoephasius

Alte Kirche in Lipari © Wolfgang Stoephasius

Hafen und Altstadt von Lipari © Wolfgang Stoephasius

Hafen und Altstadt von Lipari © Wolfgang Stoephasius

Kiesstrand vor glasklarem Wasser bei Canetto auf Lipari © Wolfgang Stoephasius

Kiesstrand vor glasklarem Wasser bei Canetto auf Lipari © Wolfgang Stoephasius

Mahnung an Frauchen oder Herrchen © Wolfgang Stoephasius

Mahnung an Frauchen oder Herrchen © Wolfgang Stoephasius

Der Vulkan Stromboli © Wolfgang Stoephasius

Der Vulkan Stromboli © Wolfgang Stoephasius

In den Gassen des Städtchens Stromboli © Wolfgang Stoephasius

In den Gassen des Städtchens Stromboli © Wolfgang Stoephasius

Die Feigen sind reif © Wolfgang Stoephasius

Die Feigen sind reif © Wolfgang Stoephasius

Die Insel Vulcano © Wolfgang Stoephasius

Die Insel Vulcano © Wolfgang Stoephasius

Bad im heißen Schlamm auf Vulcano © Wolfgang Stoephasius

Bad im heißen Schlamm auf Vulcano © Wolfgang Stoephasius

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil VII: Von Salerno über Sizilien auf die Liparischen Inseln

Der Zug in Richtung Sizilien rollt am Bahnhof von Salerno mit einer knappen Verspätung ein. Unsere reservierten Plätz liegen dieses Mal nicht in einem Großraumwagen, wir müssen uns zu unserem Abteil durch Trauben von Menschen zwängen, welche den Gang blockieren. Dort angekommen, sitzt eine junge Tussi auf dem einen reservierten Platz und belegt den anderen mit ihrem Gepäck. Es entwickelt sich eine längere Diskussion mit dem Mädel, welches ein geschmerztes Gesicht zieht, bis wir uns endlich setzen können. In Villa San Giovanni wird der Zug auf die Fähre verladen. Anfangs sitzen wir an der Reling, bis ein Sturm aufkommt und wir in den Innenraum flüchten. Gegen 16 Uhr läuft das Schiff in den Hafen vom Messina ein.

Einfahrt nach Messina © Wolfgang Stoephasius

Einfahrt nach Messina © Wolfgang Stoephasius

Wir beziehen unser Hotel für die eine Nacht. Ab und zu ziehen Wolken auf, aber es regnet nicht. Wir laufen zum Dom. Die romanische Kathedrale, die mehrmals erneut aufgebaut werden musste, wegen Bränden und Erdbeben, zuletzt wegen einer Brandbombe im 2. Weltkrieg,  ist ein beeindruckendes Bauwerk.

Die Kathedrale von Messina © Wolfgang Stoephasius

Die Kathedrale von Messina © Wolfgang Stoephasius

Auf dem Platz davor stehen mächtige historische Holzfiguren auf Rädern.

Skulpturen vor der Kathedrale © Wolfgang Stoephasius

Skulpturen vor der Kathedrale © Wolfgang Stoephasius

Die Auswahl an Restaurants ist arg limitiert. Stehimbisse gibt es genügend. Schließlich finden wir dann doch eine Pizzeria unter einer Plane im Freien. Die Pizza ist hervorragend, dazu ein preiswertes Messina-Bier, welches durchaus trinkbar ist.

Wir haben am nächsten Morgen viel Zeit und genießen das üppige Frühstück im Hotel. Bei unserem kleinen Spaziergang stoßen wir auf einen Banyanbaum, den wir in Europa nicht vermutet hätten.

Banyanbaum in Messina © Wolfgang Stoephasius

Banyanbaum in Messina © Wolfgang Stoephasius

Beim Auschecken im Hotel unterhalten wir uns noch eine Weile mit der netten Dame von der Rezeption. Am Hafen gibt es ein Selbstbedienungslokal, wir lassen uns Nudeln mit kleinen Scampi zubereiten bevor wir an Bord des Schnellbootes nach Lipari gehen. Erstaunt sehen wir in der Abfertigungshalle ein gigantisches Fresko zu Ehren von Mussolini, der Faschismus lässt grüßen.

Fresko am Hafen von Messina © Wolfgang Stoephasius

Fresko am Hafen von Messina © Wolfgang Stoephasius

Zum Glück ist die See ruhig, so dass wir die gut zwei Stunden Fahrt mit Unterbrechung in Salina gut überstehen. Vom Hafen von Lipari  laufen wir in knapp zehn Minuten zu unserem Domizil für die nächsten Tage. Es liegt in  einer engen Gasse und wir bekommen ein wunderschönes Zimmer mit kleinem Balkon. Als es kühler wird, brechen wir zu einem kleinen Spaziergang durch den netten Ort auf.

Lipari © Wolfgang Stoephasius

Lipari © Wolfgang Stoephasius

 

Es beginnt zu regnen und wir können den in Salerno erstandenen Schirm recht gut brauchen. Am kleinen Hafen „Marina Corto“ essen wir im „El Pescatore“ ein ausgezeichnetes Fischmenü, der  Liter Weißwein dazu ist fast ein wenig zu viel. Eine große deutsche Gruppe sitzt nebenan und blockiert vor leeren Gläsern die Tische.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil VI: Amalfiküste

Wir genießen das ausgiebige Frühstück auf der Terrasse über der Bucht von Sorrento. Gleich neben dem Hotel hält der Bus nach Amalfi, er ist bummvoll und wir müssen anfangs stehen, auf der kurvenreichen Straße gar nicht so angenehm. In Positano steigen viele Touris aus und wir finden einen Platz. Die in den Fels geschlagene Straße ist ein Meisterwerk der Baukunst. Tief unter uns liegt das Meer, in die steile Felslandschaft schmiegen sich die malerischen Ortschaften. Die enge Fahrbahn ist eine Herausforderung für den Busfahrer. In Amalfi bleibt uns gerade noch so viel Zeit, um unser eingepacktes Schinkenbrot (der Rest von gestern abend) zu verzehren, bis der Anschlussbus nach Salerno kommt. Dort ist unser Stützpunkt für die nächsten Tage. Nach kurzer Siesta sitzen wir wieder im Bus in Richtung Amalfi, steigen aber kurz vorher in Atrani aus, ein  netter kleiner Ort, so eine Art Mini-Amalfi. Am Strand setzen wir uns auf die Terrasse der kleinen Bar „Nettuno“ und genehmigen uns einen Campari-Soda.

Atrani © Wolfgang Stoephasius

Atrani © Wolfgang Stoephasius

Der Fußweg nach Amalfi ist nicht weit und wir bewundern zunächst den beeindruckenden Dom mit der vergoldeten Fassade.

Dom von Amalfi © Wolfgang Stoephasius

Dom von Amalfi © Wolfgang Stoephasius

Wir schlendern durch die engen Gassen und stellen uns in der „Trattoria San Giuseppe“ ein schönes Fischmenü zusammen. Die Tische sind direkt auf der verwinkelten Gasse platziert und die Vorübergehenden schauen uns auf den Teller.

Auf der Rückfahrt hält der Bus  nicht am Bahnhof von Salerno, dort wo unser Hotel liegt. Also drehen wir eine größere Runde, sozusagen ein Rundfahrt „Salerno bei Nacht“,  und müssen ein gutes Stück zurück laufen.

Der Bus bringt uns am nächsten Morgen wieder nach Amalfi. An der ungünstigsten Stelle begegnet uns ein anderer Bus und es beginnt eine elende Rangiererei, einige Pkw-Fahrer sind auch nicht sonderlich kooperativ. Irgendwann kommen wir dann doch nach Amalfi und steigen um in den Bus nach Ravello. Durch das Valle del Dragone geht es zwischen hoch aufragenden Bergen und schroffen Schluchten hinauf in den Ort, der schon so manchem Prominenten als Domizil gedient hat, auch die Szene Hollywoods ist hier vertreten. Wir müssen durch ein Gassengewirr steigen, bis wir Ausblick auf die Küste haben und staunen: das Dorf hängt wie ein Balkon über der Amalfiküste. In einem Terrassenlokal werden wir von mehreren Obern, die nichts zu tun haben und in ihre Gespräche vertieft sind, erfolgreich ignoriert, bis wir das Weite suchen.

Ravello © Wolfgang Stoephasius

Ravello © Wolfgang Stoephasius

Auf der Rückfahrt steigen wir in Atrani aus und setzen uns in ein Lokal auf der Piazza, es gibt einen seltsamen Griechischen Salat, unter anderem mit braunen Bohnen, der aber gar nicht schlecht schmeckt. Schließlich nehmen wir von Amalfi den Bus ins berühmte Positano. Der Ort wächst steil vom Meer hinauf in die Berge. Wir laufen hinunter ins Zentrum mit dem weißen Dom, in welchem eine Hochzeit stattfindet.

Positano Dom © Wolfgang Stoephasius

Positano Dom © Wolfgang Stoephasius

Das englischsprachige Brautpaar ist mit den Trauzeugen alleine, der Pfarrer ein Schwarzer. Der Strand wird durch einen Wehrturm geteilt. Ein in den Fels geschlagener Pfad verbindet die beiden Teile.

Pfad in Positano © Wolfgang Stoephasius

Pfad in Positano © Wolfgang Stoephasius

Wir laufen hinüber zum weniger bevölkerten „Spiaggia del Fornillo“ und freuen uns über den Ausblick auf das Meer. Auf der Terrasse des Strandhotels „Pupetto“ gibt es einen Aperol Spritz. Zurück im Ort blicken wir auf den Hauptstrand, dort ist allerhand los.

Strand von Positano © Wolfgang Stoephasius

Strand von Positano © Wolfgang Stoephasius

Wir steigen gemütlich hinauf zur Seta-Bushaltestelle, freuen uns über den Blick auf das Städtchen und nehmen den Bus zurück in Richtung Amalfi.

Blick auf Positano © Wolfgang Stoephasius

Blick auf Positano © Wolfgang Stoephasius

Wieder in Atrani fragen wir die Wirtsleute vom „Nettuno“, ob wir am nächsten Tag Schirm und Liegestühle haben könnten. Wir bräuchten nur etwas zu verzehren, wird uns versichert, Gebühren würden keine anfallen. Der Wirt unterhält sich ein wenig mit uns, meint die Schimpferei auf die Merkel finde er unangemessen, er bewundere die gerade Art der Deutschen. Wir bekommen den Rest der Fischsuppe, die von Mittag noch übrig ist, die schmeckt aber vorzüglich, billig ist sie nicht. Quittung bekommen wir keine – das zur Bewunderung der Geradlinigkeit der Deutschen.

Eigentlich wollen wir ja am nächsten nach Atrani zum Baden fahren. Nachdem wir die Stadt Vietri sul Mare passiert haben, beschließen wir auszusteigen und finden einen steilen Weg durch die Felsen hinunter zum Strand. Für 17 Euro (Nachsaisonpreis) bekommen wir zwei Liegen und einen Schirm. Wir genießen den Tag mit dem sauberen Wasser, es geht gemächlich hinein, die Wellen plätschern nur und der Kies ist klein und angenehm.

Strand von Vietri sul Mare © Wolfgang Stoephasius

Strand von Vietri sul Mare © Wolfgang Stoephasius

Nach 17 Uhr wird es langsam leer am Strand, es weht eine angenehme Brise und wir steigen steil hinauf in den Ort, genehmigen uns unterwegs ein kleines Eis.

Vietri sul Mare © Wolfgang Stoephasius

Vietri sul Mare © Wolfgang Stoephasius

Auf einem Platz lassen wir uns auf einen Aperol Spritz nieder. Als ich bezahlen will, geht mir wegen des unverschämten Preises der Hut hoch. Renate ist wegen meines Wutausbruchs auch noch sauer auf mich. Der Bus ist ebenfalls weg. So spazieren wir noch etwas durch die Gassen. Der nächste  Bus geht in einer Stunde, hat dann auch noch fünfzehn Minuten Verspätung. Das nächste Mal werde ich mich wohl wieder vor der Bestellung nach dem Preis erkundigen, aber bestimmt am falschen Ort.

DSCF4828Aperol Spritz

Teurer Aperol Spritz © Wolfgang Stoephasius

Zurück in Salerno laufen wir ein Stück zu einer angesagten Osteria und essen dort sehr gut. Am Nachbartisch sitzt ein italienisches Ehepaar mit zwei Töchtern, die heftig mit dem Kellner am Flirten sind. Am nächsten Tag werden wir die vier am Bahnhof treffen, da ist von der guten Laune nichts mehr zu spüren. Es beginnt zu schütten, ein Gewitter steht über uns. Wir kaufen für sage und schreibe lediglich 5 Euro einen Schirm bei einem Inder, der wie gerufen mit einem Bündel Regenschirme vor der Tür steht und kommen so halbwegs trocken zurück ins Hotel.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil V: Von Rom über Neapel nach Sorrento

Begegnung mit Taschendieben

Wir marschieren  frühmorgens in Rom zum Bahnhof, der ja ganz in der Nähe von unserer Unterkunft liegt. Der  IC ist pünktlich und voll. Zum Glück haben wir reservierte Plätze, die  übrigens bei der online-Ticket-Bestellung im Preis inbegriffen waren. In gut zwei Stunden sind wir am Hauptbahnhof von Neapel, müssen einige hundert Meter durch ein Tunnel zum „Circumvesuviana“, dem Bahnhof für den „Vesuv-Zug“, einen Vorortzug laufen und dort eine Weile warten. Beim einfahrenden Zug handelt es sich um  eine Ansammlung rappelnder Uraltwaggons. Als wir mit unseren Rucksäcken  einsteigen, macht sich ein gut gekleideter Herr in den Fünfzigern vor der Tür vom Gang zum Abteil mit den Sitzplätzen breit. Eigentlich müssten bei mir die Alarmglocken läuten, tun sie aber nicht, sondern Renate und ich drängeln uns an ihm vorbei und setzen uns auf die einzigen beiden freien Sitzplätze. Der Zug rumpelt dahin und als er nach einer Weile bei einer Station hält, sehe ich einen Mann in abgerissener Kleidung, der mir am Bahnsteig in Neapel schon aufgefallen ist, im Gang stehen und er hält ein Ledertäschchen in Händen, schaut es prüfend an. Dieses Etui sieht aus wie ein länglicher Geldbeutel und gehört mir, es ist aber kein Geld drin, sondern nur eine billige Sonnenbrille. Der Gutgekleidete hat das Täschchen ganz  offensichtlich bei der provozierten Drängelei aus meiner mit Klettverschluss geschlossenen Außentasche der Hose gezogen und seinem Komplizen zugespielt. Das Duo hat  ganz  augenscheinlich deshalb so ein unterschiedliches Outfit, damit man keinen Zusammenhang zwischen den beiden herstellt. Ich stehe von meinem Platz auf, gehe auf den Typen zu und nehme das Täschchen aus seiner Hand. Er protestiert heftig, so quasi, was ich von ihm wolle und trollt sich bei der nächsten Station aus dem Zug, der „Gentleman“ hat sich schon davon gemacht.

Der Zug hält sozusagen bei jeder Milchkanne und wir brauchen eineinhalb Stunden bis Sorrento. Von dort geht es mit dem Linienbus zum Hotel Il Nido, welches erhaben hoch über dem Meer liegt. Wir haben ein helles Zimmer mit Balkon und herrlichem  Blick auf die Bucht von Sorrento.

Blick auf den Vesuv und den Golf von Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Blick auf den Vesuv und den Golf von Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Nachdem wir es uns bequem gemacht haben, geht es mit dem Hotel-Shuttle in die Stadt. Kurze Orientierung, und es gibt Pasta in einem angesagten Terrassenlokal mit uniformierten Kellnern. Der Preis ist für das Ambiente in Ordnung. Wir laufen steil hinunter zum Hafen und genießen die Seebriese.

Der Hafen von Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Der Hafen von Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Die Klippen hinauf fahren wir mit dem Aufzug. Im Kreuzgang des Franziskanerklosters findet eine Hochzeit statt und eine Harfenspielerin begleitet die Feierlichkeiten.

Franziskanerkloster in Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Franziskanerkloster in Sorrento © Wolfgang Stoephasius

Für das Abendessen kaufen wir Wein, Brot, Käse und Schinken in einem Supermarkt. Mit dem Shuttle geht es zurück ins Hotel. Der billige Chianti korkt leicht, deswegen war er wohl im Sonderangebot. Trotzdem genießen  wir unser Dinner an dem lauen Sommerabend hoch über der Bucht.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil IV: Rom und Albaner Berge

Frühstück gibt es in einer kleinen  Bar am Corso Cavour mit Internet. Es nieselt und der Kellner erzählt uns,  dass es in Padua und Umgebung am Tag nach unserer Abreise schwere Unwetter gegeben hat, sogar mit Verletzten und einem Toten. Unser Vermieter David bringt uns mit seinem Fiat Marke „Uralt und Rostlaube“ zum Bahnhof. Das Schlitzohr stellt uns keine Quittung aus. Am alten Schlendrian scheint sich nichts geändert zu haben, obwohl die Regierung wegen der Wirtschaftskrise strenge Maßnahmen gegen Steuersünder angekündigt hat und Touristen bestraft werden können, wenn sie keine Quittung vorlegen können. Wir schreiben das Jahr 2012. Ich kaufe das Bahnticket nach Rom. Der Regionalzug ist ziemlich leer.

In eineinhalb Stunden sind wir in Roma Termini und haben lediglich knapp  zehn Minuten Fußweg zum gebuchten kleinen Hotel. In der Nähe vom Bahnhof suchen wir nach einer preiswerten Kneipe, essen Pasta mit Salat. Nach der üblichen Siesta spazieren wir vorbei an der mächtigen Kirche „Santa Maria Maggiore“ zum kleinen Vittorio-Park.  Auf unappetitlichen Plakaten wird gegen die deutsche Kanzlerin gehetzt, als habe sie die Wirtschaftskrise in Italien zu verantworten.

Anti-Merkel-Plakat © Wolfgang Stoephasius

Anti-Merkel-Plakat © Wolfgang Stoephasius

Mit der U-Bahn fahren wir zur Spanische Treppe, es wimmelt von Touristen.

Spanische Treppe © Wolfgang Stoephasius

Spanische Treppe © Wolfgang Stoephasius

In Rom  kennen wir uns gut aus, wir waren ja schon mehrmals in der Stadt, vor einigen Jahren sogar für einen ganzen Monat. So finden wir den Weg zur „Fontana de Trevi“ problemlos. Von „Dolce Vita“ ist nichts zu spüren, Anita Eckbergs Badeszene ist Vergangenheit.

Fontana de Trevi © Wolfgang Stoephasius

Fontana de Trevi © Wolfgang Stoephasius

Mit den italienischen Essgewohnheiten sind wir bestens vertraut und mit meinen marginalen Italienischkenntnissen ist es mir ein Leichtes, für uns beide ein fünfgängiges Menü zu bestellen, welches wir uns teilen. In dem kleinen  Restaurant neben dem Hotel wird uns im Patio das hervorragend Dinner in jeweils halben Portionen serviert. Es ist eine laue Sommernacht, der Wein aus den Albaner Bergen zum Essen mundet hervorragend und der indische Ober ist aufmerksam. Was will man mehr.

Am nächsten Morgen  laufen wir zum Bahnhof und  besorgen uns ein Tagesticket. Der direkte Zug nach Frascati geht erst in knapp zwei Stunden. So fahren wir mit der U-Bahn zur Endhaltestelle. Dort verpassen wir prompt den Bus und müssen nochmals eine ganze Weile warten, bis es hinauf in die Albaner Berge geht. In Frascati spazieren wir durch den von Weinbergen umgebenen Ort und trinken in einer einfachen Cantina ein Glas Weißwein, essen später Pasta und gebratenes Gemüse, welches nach Fisch schmeckt.

Frascati © Wolfgang Stoephasius

Frascati © Wolfgang Stoephasius

Mit dem Zug geht es zurück nach Rom. Am späten Nachmittag  nehmen wir den Bus nach Trastevere, spazieren durch die Gassen, schauen in die Kirche „Santa Maria“, essen an einem kleinen Platz recht gute Pizza mit Salat, werden nett bedient, wieder von einem indischen Kellner. Ein Schild vor dem Lokal verkündet: „We hate war and tourist menues“.

Santa Maria de Trastevere © Wolfgang Stoephasius

Santa Maria de Trastevere © Wolfgang Stoephasius

Unser Kurzaufenthalt  in Rom endet mit einem kleinen  Spaziergang um die  Piazza Venezia. Wir schauen hinauf zum Kapitol mit dem Reiterstandbild von Marc Aurel und unterhalten uns mit  zwei netten Mädels aus Belgrad.

Marc Aurel © Wolfgang Stoephasius

Marc Aurel © Wolfgang Stoephasius

Ein letzter Blick in der lauen Sommernacht auf das Monumento Vittorio Emanuele II und der Bus bringt uns zurück zum Bahnhof.

Monumento Vittorio Emanuele II © Wolfgang Stoephasius

Monumento Vittorio Emanuele II © Wolfgang Stoephasius

Wir beschließen den Tag mit einem Glas teuren aber wunderbar kühlen Fassbiers auf einem kleinen Platz in der Nähe des Hotels, das Lokal ist fest in chinesischer Hand.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil III: Orvieto

Unsere nächste Etappe ist das mittelalterliche Städtchen Orvieto. Nach fünfeinhalbstündiger Reise hält der Zug am Bahnhof im Tal. Wir haben ein Zimmer in einer Pension bestellt und der Besitzer holt uns ab. Er redet unentwegt, bis wir das B&B inmitten des Ortes erreichen und erhalten eine Liste in welcher aufgeführt ist, was wir alles nicht dürfen und was extra zu bezahlen wäre. Nebenan ist die „Blue Bar“ mit dem freundlichen französischen Besitzer. Wir bekommen für wenig Geld Cappuccino  und Brioche. Wir spazieren durch die mittelalterliche Stadt, es ist heiß und wir suchen den Schatten. Beim Anblick des Doms verschlägt es uns die Sprache.

Der Dom von Orvieto © Wolfgang Stoephasius

Der Dom von Orvieto © Wolfgang Stoephasius

Wir nehmen einen Campari und später einige Gläschen Orvieto Classico in der gemütlichen Kneipe „Clan Destino“, dazu werden praktisch   unbegrenzt Tapas und kleine Gerichte gereicht. Die Beilagen sind so reichlich, dass wir uns das Abendessen sparen.

Frühstück gibt es in der Blue Bar, unser B&B heißt zwar Bed and Breakfast ist aber ohne Frühstück. Wir besuchen den Dom mit der „Capella San Brizio“ mit einem wunderschönen Freskenzyklus von Fra Angelico aus dem Jahre 1447 mit Christus und dem Jüngsten Gericht.

Capella San Brizio © Wolfgang Stoephasius

Capella San Brizio © Wolfgang Stoephasius

Vor der Kirche versammelt sich eine italienisch/österreichische Hochzeitsgesellschaft, ein Hingucker.

Hochzeitsgesellschaft © Wolfgang Stoephasius

Hochzeitsgesellschaft © Wolfgang Stoephasius

Eine freundliche Dame vom „Teatro Mancinelli“ bestellt für uns telefonisch das abendliche Open-Air-Dinner an der „Piazza del Popolo“. Nach einem kleinen Spaziergang nehmen wir an der Tour „Orvieto Untergrund“ teil. Der Guide ist ein junger Deutscher, ursprünglich aus Greifswald. Er macht seine Sache wirklich gut. Orvieto auf einem Fels aus Tuff ist ausgehöhlt wie ein Schweizer Käse. Hie wurden auch Brieftauben gehalten, sozusagen die Vorgänger von E-Mail und Co.

Brieftaubenverschlag im Tuffgestein © Wolfgang Stoephasius

Brieftaubenverschlag im Tuffgestein © Wolfgang Stoephasius

Nach der Siesta unternehmen einen längeren Spaziergang zur Bastion im Osten, weit unter uns liegt der Bahnhof, den man auch mit einem Schrägaufzug erreichen kann. Wir kehren nochmals  im „Clan Destino“ ein und heute ist die Rechnung unerklärlicher Weise doppelt so hoch wie gestern. Wir steigen die 250 Stufen hinauf zum „Torre Morro“ und haben einen unvergleichlichen Blick auf Stadt und Umgebung.

Orvieto von oben © Wolfgang Stoephasius

Orvieto von oben © Wolfgang Stoephasius

Nach einigem Verwirrspiel finden wir unsere Plätze bei der „Folkcena della Terra“ an festlich gedeckten Tischen in einem Eck der Piazza del Popolo. Mit am Tisch ein Ehepaar aus Heilbronn. Es gibt als Vorspeise Pasta mit Entenragout, als Hauptgericht eine Art Goulasch von einer speziellen Rindersorte, die Nachspeise ist ein Himbeermousse, dazu ein leichter Wein aus der Gegend. Die Musik, abwechselnd von zwei Seiten, ist zwar laut,  aber wir erleben dennoch einen wunderbaren Abend bei angenehmen Temperaturen und einem köstlichen Abendessen.

Mittelalterliche Stadt in Rot © Wolfgang Stoephasius

Mittelalterliche Stadt in Rot © Wolfgang Stoephasius

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil II: Padua, Stadt des Heiligen Antonius

In der Touristeninformation müssen wir die Antwort auf unsere Fragen der mürrischen Tante förmlich aus der Nase ziehen. Aber das Positive an der Antwort ist, dass wir die „Capella degli Scrovegni“ (Ahnenkapelle) ohne Voranmeldung besuchen können. Dort wird erst eine informative Videoshow mit Untertiteln in Deutsch gezeigt. Im Innenraum mit den wunderschönen Fresken Giottos dürfen wir exakt eine viertel Stunde bleiben. Giotto war seiner Zeit um vieles voraus, hat er doch während  der Spätgotik schon nahezu die Renaissance vorweggenommen. Die üppig ausgemalte Kapelle mit Motiven aus dem Leben von Maria und Jesus und einem monumentalen „Jüngsten Gericht“ war die Votivgabe eines Wucherers, der hoffte, sich und seinem Vater den Weg ins Paradies zu erkaufen.

Capella degli Scrovegni © Wolfgang Stoephasius

Capella degli Scrovegni © Wolfgang Stoephasius

Wir blicken in die Eremitenkirche mit einer eindrucksvollen Holzdecke und beschließen den Rundgang im gegenüberliegenden „Palazzo Zuckermann“. Dort gibt es viel Schmuck und wertvolles Geschirr zu betrachten. Es handelt sich um eine typische Bürgerresidenz aus dem ausgehenden 19. Jh. Im McDonald essen wir Salat, eigentlich nur deshalb, um dort mit meinem Netbook ins Internet gehen zu können. Sonst ist der Mac nicht das Ziel unserer Wünsche. Pustekuchen: Von mir wird eine italienische persönliche Handy-Nummer verlangt. Wir spazieren durch die engen Gassen der Altstadt zum Botanischen Garten, angeblich der älteste Europas und  ein ruhiges schattiges Plätzchen, hier können wir wunderbar Schutz vor der glühenden Hitze suchen, genau das Richtige für unsere Siesta.

Der botanische Garten von Padua © Wolfgang Stoephasius

Der botanische Garten von Padua © Wolfgang Stoephasius

Wir schleichen unter einer gnadenlosen Sonne über den riesigen ovalen „Prato della Valle“ und landen schließlich in der Basilika des Hl. Antonius.

Der Antonius-Dom zu Padua © Wolfgang Stoephasius

Der Antonius-Dom zu Padua © Wolfgang Stoephasius

Es findet ein Gottesdienst mit einem wunderschönen Frauenchor statt. Viele Fotos und Bittschriften sind am Grab des Heiligen angebracht. Die Grabeskiche lockt enorme Scharen von Pilgern an. Sie beten hier und hoffen, dass ihnen geholfen wird, verlorene wichtige Gegenstände wieder zu bekommen oder Kontakt zu verschollene Menschen herzustellen. Unter den Pilgern sind erstaunlich viele Inder. Vor dem Grab des Heiligen bildet sich eine lange Schlange von Menschen, die geduldig darauf warten, die Grabplatte zu berühren oder sie sogar inbrünstig zu küssen.

Grab des Heiligen Antonius © Wolfgang Stoephasius

Grab des Heiligen Antonius © Wolfgang Stoephasius

Auf der schönen „Piazza die Signori“ werden die Tische aufgestellt. Im westlichen Teil gibt es schon Schatten und wir lassen uns auf einen Aperol-Spritz nieder. Gegen 19:30 Uhr ist es für italienische Verhältnisse noch zeitig für das Abendessen. Wir finden aber eine Pizzeria, wo wir mit anderen Touris im Freien sitzen können. Wir teilen uns Pizza und Salat, schlendern anschließend noch ein wenig durch die Gassen und Plätze der Altstadt und beschließen den Tag mit einem Campari Soda auf der „Piazza delle Erbe“.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Die Italienische Reise – Teil I: Von München nach Padua

Im Spätsommer 2012 machen wir uns von München aus mit dem Zug in Richtung Italien auf den Weg. In Innsbruck müssen wir wegen der Arbeiten am Brennertunnel in Busse umsteigen. Zwei Ostasiatinnen sitzen, Musik-Stöpsel im Ohr, auf ihren Plätzen. Die mehrmaligen Durchsagen – auch in Englisch – haben sie nicht gehört. Ich informiere sie und sie packen ihre Sachen schnell zusammen. Der Weg zu den Schienenersatzbussen ist gut beschildert und die Abwicklung erfolgt rasch. Durch das malerische Wipptal geht es hinauf zum Brenner. Die beiden Mädels interessiert die wunderschöne Bergwelt nicht im Geringsten. Sie glotzen in ihren Laptop und schauen irgendeine chinesische Soap. Auf Frage beim Aussteigen wird meine Vermutung bestätigt, es sind tatsächlich Chinesinnen.

Chinesische Mitreisende © Wolfgang Stoephasius

Chinesische Mitreisende © Wolfgang Stoephasius

Das Umsteigen in den Zug geht flott. Wir haben dieselben reservierten Sitze. Auch im schönen Südtirol schauen die Mädels unentwegt in ihren Laptop.

Südtirol mit dem Schlern © Wolfgang Stoephasius

Südtirol mit dem Schlern © Wolfgang Stoephasius

Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt sind wir nahezu pünktlich in Padua. Im Hotel Arcella, gleich hinter dem Bahnhof, dort wo wir auf unserer Wanderung nach Venedig im vergangenen Jahr voriges Jahr auch gewohnt haben finden wir Quartier. Nach kurzer Pause laufen wir auf bekannten Wegen Richtung Altstadt. In derselben Bar, in welcher wir damals auch einen Aperol-Spritz hatten, steht wieder der Chinese hinter dem Tresen und er erkennt uns gleich wieder.

Der Dom zu Padua © Wolfgang Stoephasius

Der Dom zu Padua © Wolfgang Stoephasius

In der Nähe des Doms kehren wir in der urigen Kneipe „L’Anfora“ ein und genehmigen uns eine Käseplatte sowie Pferdehack in Form kleiner gebundener Härchen, meine Renate ist nicht begeistert. Aber der „Bianco de Costoza“ versöhnt. Auf dem Rückweg setzen wir uns auf einen Kräuterschnaps mit Eis vor ein Lokal und genießen die  laue Sommernacht.

Bis zum nächsten Mal. Bleibt neugierig!

Sinneswandel – Der Weg zum Slow Travel

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Dieser Artikel bezieht sich auf die Blogparade „Slow Travel – Wider den To-Do-Listen!“ von 1 THING TO DO: http://1thingtodo.de/slow-travel-blogparade/

Heiliges Jahr – Rom 2000. Als wir Menschen die „Heilige Stiege“ auf den Knien hinauf rutschen sehen, machen wir uns Gedanken darüber, ob hier vielleicht der eine oder andere seine kleinen Sünden abbüßt, welche er dadurch begangen hat, dass er den einen oder anderen touristischen Pilger oder pilgernden Touristen um einen Teil seiner Habseligkeiten gebracht hat? So hat Religion für jeden etwas Gutes. Der Bestohlene kann sich Trost, der Dieb seine Absolution holen.

Freunde haben uns ihre Wohnung für unseren einmonatigen Aufenthalt überlassen, so leben wir hier fast wie die Römer, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Der Römer, der während seines Urlaubs in der Stadt bleibt, genießt. Er geht in dem einen oder anderen Park spazieren, fährt ans Meer oder in die nahegelegenen Albaner Berge, erholt sich. Wir aber haben als Reiseführer das Standardwerk von „Petrich“ im Gepäck und der steigt tief ein in die Geschichte der Stadt, so tief, dass meine liebe Frau nach vierzehn Tagen das Handtuch wirft und zwar genau in dem Moment, als ich die Hand in den geöffneten „Mund der Wahrheit“ stecke, dem Maul in dem scheibenförmigen Relief in der Vorhalle der Kirche „Santa Maria in Cosmedin“. Ich solle sofort gestehen, ob ich mich dem Besichtigungsstress, dem wir uns seit zwei Wochen unterwerfen, noch weiter beugen  möchte. Das ist die Stunde der Offenbarung, sage ich die Wahrheit, müssen wir aufhören durch die Stadt zu rasen, lüge ich, wird die Hand in dem Maul stecken bleiben – und was mache ich dann? Ich entscheide mich für die Wahrheit, wohl wissend, dass auf der Petrich-Liste noch viele Ziele in Rom stehen, die ich wahrscheinlich nie mehr bewältigen werde.

Die ersten zwei Wochen waren die Hölle. Wir haben nicht nur alle Pilgerkirchen besucht, sondern sind noch in vielen anderen Gotteshäusern gewesen, immer den „Petrich“ mit seinen detailliertesten Detailbeschreibungen in der Hand, haben Rom von den Relikten ihrer Entstehung bis hin in die Gegenwart durchstreift. In der Kirche „San Giovanni in Laterano“ bin ich in der  Kapelle „Sancta Sanctorum“ nahe dran, dem Rom-Syndrom zu unterliegen und  die Heilige Stiege auf Knien von Stufe zu Stufe hinaufzurutschen und auf jeder Stufe ein Vaterunser zu beten, ich als agnostischer Absurdist, ganz offensichtlich dem Wahnsinn nahe, so wie das japanische Pärchen, eigentlich dem Shintoglauben zugetan, welches das tatsächlich tut. Wir verlassen „Santa Maria in Cosmedin“ und von dem Moment an, sehen uns nur noch die Trattorien von Trastevere, der Fischhändler am Markt in der Nähe der Via delle Palme, der Campo de’ Fiori, wir wandern auf der Via Appia, spazieren mit einem Eis in der Hand am Lido de Ostia, genießen dir frische Luft und den Weißwein von Frascati.

Das war vor über fünfzehn Jahren, meine ganz persönliche Slow-Travel-Geburtsstunde.