Der Weg – Tag 9: Die Todra-Schlucht

Donnerstag, 1.11.2001: Am Morgen fühle ich mich wieder pudelwohl, alle Zipperlein sind vergessen. Ich genieße erst noch einmal den Blick auf die mächtige Kasbah Ait Arbi und genehmige mir ein kleines Frühstück mit Pfefferminztee und Fladenbrot. Punkt 8 Uhr hält ein klappriger Bus, der mich nach kurzer Fahrt in die Oasenstadt Tinerhir bringt. Ein kleiner Spaziergang führt mich zum Hotel Tombuctu und ich erkundige mich dort nach dem Preis für die Miete eines Fahrrades. Der Typ an der Rezeption nennt mir einen utopischen Preis, der mir gleich die Lust auf einen fairen Handel nimmt. Auf dem Weg zur verfallenen Kasbah über der Stadt spricht mich ein junger Mann an und bietet mir ein funktionsfähiges Mountainbike zu einem fairen Preis an, da erübrigt sich das Feilschen und ich schlage gleich zu. Ich radle zunächst ein Stück oberhalb der Todra-Oase und genieße vom Ksar Taourirt einen umwerfenden Blick auf die weite Oase unter mir, den mittleren Atlas vor mir, hinter mir die breite flache Ebene, abgeschlossen durch den unwirklich in der Sonne flimmernden Gebirgsstock Jebel Sarhro.

Bevor ich ins Tal abfahre, unterhalte ich mich eine Weile mit dem Berber, der hier mit seinem Dromedar steht, ich soll ihn unbedingt mit nach Timbuktu nehmen. Die Fahrt durch die Oase ist ungemein abwechslungsreich. Frauen waschen in einem Bachlauf, Männer reiten auf Eseln, Gemüsefelder dehnen sich unter dem Dach der Dattelpalmen. Jenseits des Tales schiebe ich das Rad zu einem Lehmweiler hinauf und radle auf staubiger Piste durch kahle Dörfer unter einer gnadenlosen Sonne. Schließlich durchfahre ich die Oase nochmals und erreiche die Straße wieder beim Ausganspunkt. Ich gebe das Rad zurück und treffe dort einen jungen Mann, der recht gut Deutsch spricht. Er lädt mich in das Restaurant in welchem er Koch ist auf ein Glas Tee ein. Ich muss nicht lange auf ein Grande Taxi warten und bald bin ich am Eingang der tief in den Berg geschnittenen Todra Schlucht, der Todgha Gorges.

Ich miete mich für die Nacht im Hotel Etoile ein. Ein Spaziergang führt durch die gespenstisch enge Schlucht. Das Ende der Schlucht öffnet sich zu einer unendlichen kargen sonnendurchfluteten Landschaft. Ich klettere ein Stück auf einer fast senkrechten  Wand mit guten Haltegriffen im Gestein und mache mich schließlich auf den Rückweg. Den Tag beschließe ich mit einer schmackhaften vegetarischen Tajine, dem typischen Eintopf serviert im Tongefäß.

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