Der Weg – Tag 8: In den Schluchten des Dades

Mittwoch, 31.10.2001: Als ich am Morgen aufwache ist mir gar nicht gut – der Salat ist mir offensichtlich nicht bekommen, obwohl ich eigentlich einen sehr stabilen Verdauungstrakt habe.  Das große Gepäck habe ich gestern an der Rezeption abgegeben, so dass ich meine kleine Rundreise zu den Schluchten von Dades und Todra sowie zu den Oasen im Osten unbeschwert antreten kann. Am Busbahnhof kämpfe ich schon mit meiner Übelkeit. In einer knappen halben Stunde ist das Grande Taxi abfahrbereit, obwohl nicht jeder Sitzplatz besetzt ist. Kurz vor Skoura beginnt die wunderschöne Oase von Dades. Ich lasse mich absetzen. Im Hotel der ehemaligen Kasbah Ben Moro wird mir ein Tee serviert. Durch fruchtbares Land auf trockenem Boden gehe ich zum ausgetrockneten Flussbett. Majestätisch liegt auf der anderen Seite die Kasbah Amerhidil – bekannt von vielen Postkartenmotiven.

Hier sprechen mich ausnahmsweise zwei Mädels im Alter von vielleicht 14 Jahren auf Arabisch an. Ich lege die Hand ans Herz und begrüße sie mit Sabah El Cher (guten Morgen). Im Palmenhain muss ich mich übergeben, dann geht es mir allmählich  besser. Ich laufe die zwei Kilometer nach Skoira zurück  – und schon sitze ich im Sammeltaxi nach El Kelaâ am Rande des Tals der Rosen, erkennbar an den vielen Parfümgeschäften. Hier bekomme ich auch gleich Anschluss in die Kleinstadt Boumalne. Dort ist Markt und geschäftliches Treiben. Die Allradbusse werden randvoll mit Bauern aus dem Dades Tal gepackt, sie fahren zurück in ihre Bergdörfer. Ein Mann kümmert sich um meinen Weitertransport. Ich kann gerade noch eine Cola trinken, dann habe ich schon eine Fahrgelegenheit, im Sammeltaxi sind auch zwei Französinnen. Wir fahren ca. 20 Kilometer in das rotbraune Dadestal hinauf, passieren malerische Ksars (Dörfer) und Kasbahs (Wehrburgen). Unten im Tal schimmern grün die Oasen. Das Kasbah-Hotel im pittoresken Ait Arbi, eingebettet zwischen Gebirge und Oasen, macht einen guten Eindruck auf mich und ich entschließe mich die Nacht hier zu verbringen. Für umgerechnet 20 Mark habe ich ein geräumiges sauberes Zimmer mit eigener Dusche und WC.

Obwohl ich nichts gegessen habe, mache ich mich zu einer Wanderung durch eine kleine Schlucht auf. Ein Bub zeigt mir den Weg.

Manchmal muss ich richtig klettern – bin auf seine Hilfe angewiesen. Ich werde durch einmalige Ausblicke belohnt. Kinder fischen in einem Bach

Ich denke an meine Kindheit und gebe meinem kleinen Helfer ein fürstliches Trinkgeld. Sogar in diesem einsamen Ort gibt es eine Telefon-Boutique und ich kann meine liebe Frau daheim anrufen. Abends genehmige ich mir dann doch eine Suppe. Die zwei Brüder vom Hotelpersonal unterhalten mich mit ihren Trommeln, die sie zwischen die Beine geklemmt haben. Ich fühle mich wieder bärenstark. Auch meine Rückenschmerzen haben sich verabschiedet.

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