Der Weg – Tag 6: Die große Freiheit des Nomaden

Montag, 29.10. 2001: Auf der mitgeführten vom Camp zur Verfügung gestellten Matratze und im warmen Schlafsack habe ich hervorragend geschlafen. Mein erster Weg führt auf die nächstgelegene Düne, um den Sonnenaufgang zu schauen, der aber quasi nicht stattfindet. Die weiße Scheibe am Horizont löst sich völlig unspektakulär aus dem Dunst. Ich bin mit Rückenschmerzen und einer hartnäckigen Bronchitis von München losgereist. Gegen die Schmerzen, die einfach nicht weichen wollen, schmeiße ich mir nun eine Diclofenac ein und die trockene Luft hat den Husten förmlich weggeblasen. Nach einer absoluten Katzenwäsche mit Feuchttüchern setzte ich mich zu Barik, der inzwischen das Frühstück zubereitet hat. Er ist zur Freude unseres Dromedarbullen Hasan kaum etwas, denn dieser bekommt das restliche Brot ab. Das Beladen erträgt er kommentarlos, beim Aufstehen kommt dann der Protest in Form des obligatorischen Grunzens.

Begleitet von lästigen Fliegen marschieren wir durch eine flache von Vulkangestein bedeckte Ebene. Schließlich erreichen wir eine Dünenlandschaft über welche jedes Jahr die Rallye Dakar führt. Einige Jahre später, 2008, wird sie wegen Terrorgefahr abgesagt und ab 2009 in Südamerika abgehalten.

Wir bleiben bei einem Kamelgerippe stehen und lassen uns hinter einer Erhebung zur Mittagspause nieder.

Es gibt wieder diesen schmackhaften Salat, den ich schon vom Vortag kenne. Während der Siesta schaue ich einem kleinen schwarzen Vogel mit weißem „Hut“ und weißen Schwanzfedern zu, der um uns herumschwirrt. In einer Palmoase haben Männer in blauen Gewändern ihr Lager aufgeschlagen.

Die Sonne brennt auf uns herab und ich bin froh, dass wir bald unser Lager aufschlagen. Barik bereitet Tajine, das klassische marokkanische Eintopfgericht zu, während ich mich mit dem mitgeführten Mineralwasser dusche und Tagebuch schreibe. Bald nach Sonnenuntergang löscht er die Gaslampe und ein dreiviertel voller  Halbmond erhebt sich über uns. Ich dämmere im Halbschlaf hinüber in das Land der Träume. Als ich mitten in der Nacht aufwache, ist der Mond verschwunden und ein glitzerndes Firmament erhebt sich über mir. Dieser Blick in ein Meer blinkender Sterne ist nur ein winziger Ausschnitt unseres Universums, nach den neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen eines von vielen. Wie viele Planeten, die unserer Erde ähnlich sind, wird es da draußen geben. Ob es dort, entfernt in Millionen von Lichtjahren, noch Leben gibt? Und da draußen soll es einen Gott geben, der sich persönlich um mich kümmert? Für mich erscheint es absurd,   dass unser winziges Menschen-Hirnlein das Wunder von Universum und Schöpfung ergründen kann, dass Religion nur ein Erklärungsversuch sein kann. Ich gebe mich diesen Gedanken hin und dämmere dem Morgen entgegen.

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