Der Weg – Tag 5: Ein Führer, ein Kamel und ich

Sonntag, 28.10. 2001: Trotz des halb offenen Zeltes schlafe ich himmlisch und werde nur kurz vom Ruf des Muezzins geweckt, schlummere weiter. Nach 6:30 Uhr schäle ich mich aus dem Schlafsack, mache am Brunnen Morgentoilette und packe den Bedarf für die nächsten Tage in den kleinen Rucksack. In der Nacht habe ich zwei Nachbarn bekommen, Franzosen mit einem Allradfahrzeug. Sie wollen sich in Agadir mit einer Gruppe treffen und weiter nach Mauretanien. In dem kleinen Cafe an der Straßenkreuzung nehme ich ein kleines Frühstück mit Baguette, Butter, Marmelade und Milchkaffee. Der große Rucksack bleibt im Souvenirladen. Die Leute vom Laden halten ein Grand Taxi an und schicken mich auf den Weg nach M’hamid, eine kleine etwa 100 km entfernte Oasenstadt. Bei einem Stopp in dem Städtchen Tagounite kaufe ich mir eine Palette Wasser. Der Fahrer füllt auf archaische Art aus einem Fass Öl nach. War ich zunächst alleine im Fahrzeug, kommen nun weitere Fahrgäste hinzu, einige im westlichen Outfit, andere in der Djellaba, dem Nationalgewand der Berber. Der Mercedes  wird durch Kurzschließen der Kabel gestartet. Kurz vor M’hamid ist ein Kamelcamp.

Dort steige ich aus dem Wagen und werde von Barik, meinem  freundlichen 24-jährigen Führer für die kommenden Tage erwartet. Er spricht ganz gut französisch und „In Schallah“. Ab heute heiße ich Ali.

Hassan, der Kamelbulle wird beladen, meine Uhr verschwindet im Rucksack, nun lebe ich nach dem Stand der Sonne. Unter leichtem Protest erhebt sich Hassan und wir ziehen los.

Nach vielleicht eineinhalb stündiger Wanderung rasten wir im Schatten einer Düne. Rasch ist Hassan abgeladen. Barik geht übrigens sehr einfühlsam mit dem Tier um. Zum Lunch gibt es einen schmackhaften Salat aus Oliven, Paprika. Gurken und Tomaten, dazu Fladenbrot und Pfefferminztee, der mehrmals zwischen Kanne und Tasse hin und her geschüttet wird. Nach einer längeren Siesta wird Hassan wieder beladen und gibt beim Aufstehen durch beleidigtes Grunzen zu verstehen, dass er eigentlich gar keine Lust hat weiterzuziehen. Die Sonne wirft schon lange Schatten, als wir weiter durch die einsame Dünenlandschaft wandern. Zweimal begegnen wir Beduinen auf ihren Kamelen. Barik läuft barfuß auf dem steinigen Boden. Ich bin froh, dass ich die festen Turnschuhe anhabe. Zwischen Dünen wird das Nachtlager aufgeschlagen. Zum Sonnenuntergang steige ich auf eine Düne. Die Sonne verschwindet völlig unromantisch als gleißende Scheibe im Dunst des Horizontes. Inzwischen bereitet Barik auf dem Gaskocher den traditionellen Tee zu und summt als ich zurück bin mit erstaunlich guter Stimme „Ali wird Inschallah gut in Timbuktu ankommen“. Er serviert schmackhaften Couscous, isst selbst sehr wenig. Den Rest des Mahles bekommt Hassan. Ich rolle mich bald in meinen Schlafsack, schlafe wie ein Baby auf der kuscheligen Matratze, welche zu Hassans Gepäck gehört, unter einem strahlenden Sternenhimmel, so wie ihn nur die Nächte der Wüste kennen.

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