Der Weg – Tag 1: München – Marrakesch

24. Oktober 2001: Mein Rucksack wiegt 18 kg. Die Reise kann beginnen. Trotz der erhöhten Sicherheitslage sind die Kontrollen in München und Brüssel nicht schärfer als zuvor. Mit einem durch Meilensammeln erworbenem Freiflugticket von Sabena geht es von München über Brüssel nach Casablanca. Der Flieger von Belgien nach Marokko ist schwach besetzt. Die Uhr wird zwei Stunden zurück gestellt und um 11 Uhr bin ich am Ziel. Nach der lockeren Einreisekontrolle finde ich gleich den Vorortzug zum Bahnhof Casa-Voyageurs. Dort besorge ich mir die Fahrkarte nach Marrakesch und setze mich bis zur Abfahrt des Zuges in den Schatten des offenen Bahnhofs-Cafés und lasse mir den ersten Whiskey Marocaine, den süßen Pfefferminztee, schmecken. Um 14 Uhr verlässt der Zug den Bahnhof und ich teile mir das geräumige Abteil mit einer vornehmen Dame in einer kunstvoll gearbeiteten braunen „djellaba marocaine“, dem langen Gewand mit Kapuze. Sie trägt kein Kopftuch. Der Zug verlässt die Ebene und diese geht in braunes Hügelland über, durchquert von Zeit zu Zeit kleine Oasen mit Olivenbäumen, Gemüsefeldern, Kakteen und Palmenhainen. In einem Kaff, welches an eine Kleinstadt im Wilden Westen erinnert, bleibt der Express länger stehen. Im Dunst ist in der Ferne das Atlas-Gebirge zu erkennen. Wie so oft am Beginn einer Reise falle ich am Bahnhof von Marrakesch einem dieser auf der ganzen Welt anzutreffenden Taxi-Mafiosi in die Hände und bezahle für die Fahrt in die Altstadt umgerechnet 30 DM. Dafür kostet die Übernachtung im sauberen und ruhigen Hotel Medina lediglich 10 Mark. Die Unterkunft liegt ganz in der Nähe der „Place Djeema El Faa“  mit den Gauklern, Schlangenbeschwörern, Akrobaten und Märchenerzählern, genau der richtige Ort, um dem Neuankömmling die ersten Eindrücke vom Zauber Afrikas zu vermitteln. Nirgends auf der Welt gibt es einen besseren frisch gepressten Orangensaft.

Es ist immer noch unfassbar, wie schnell dank moderner Technik der Körper von einem Kulturkreis in den anderen transportiert wird. Ich spaziere bis tief in die Nacht durch die Gassen der Medina, bis ich todmüde in das Hotelbett falle.

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