Pegida und die deutsche Geschichte

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Ein Reisefreund aus Dresden, mit dem ich in regem Kontakt stehe, hat sich zu Pegida und dem Phänomen des rechten Populismus lesenswerte Gedanken gemacht, die ich hier gerne wiedergebe.                                                           

1945: Die Rest-Deutschen:

(Aus „Kalte Heimat“, Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, A.Kossert)

Sachsen über Schlesier: „Flüchtlingsschweine, Polacken, Rucksackdeutsche, 40-kg-Zigeuner“. „feige“, „nicht sesshaft“, „herumzigeunernd“, „entwurzelt“, „heimatlose Gesellen“ oder einfach „asozial“, „faul und arbeitsscheu“, „dreckig“, „verlaust“ und „voller Flöhe“.

„Dass wir Niederdeutschen und Schleswig-Holsteiner ein eigenes Leben führen, das in keiner Weise sich von der Mulattenzucht ergreifen lassen will, die der Ostpreuße nun einmal im Völkergemisch getrieben hat. In die Nordsee mit dat Schiet!“

 Rheinland: „Ihr Flüchtlinge gehört alle nach Auschwitz in den Kasten!“.

Bayern: „Dreckzeug, elendes aus dem Osten, Leben auf unsere Kosten. Wir haben schon geopfert Tag um Tag, noch und noch. Bei uns ist selber schon ein Loch. Wenn wir wollen unser Leben, müssen die anderen eben gegen Himmel schweben.“

1989: Die Westdeutschen:

Meine Tante: Ihr in Ostdeutschland habt doch alle nicht das Arbeiten gelernt.

Einige Jahre später: „Unsere neuen Nachbarn aus Halle sind so tüchtig. Sie renovieren ihr Haus ganz allein und die Kinder sind in der Schule so fleißig.“

Auf einer Reise beschimpft mich eine Rumänien-Deutsche als „Ossi“. Sie lebt seit 1988 in der BRD! So schnell können sich die Positionen wandeln.

2015: Die Dresdener von PEGIDA:

Über die Asylbewerber aus dem Wortschatz von Lutz Bachmann:

„Dreckspack, Viehzeug und Gelumpe“

Facit:

70 Jahre nach dem 2.Weltkrieg hat ein beachtlicher Teil der Deutschen immer noch nichts aus unserer deutschen Geschichte gelernt!

München Wiederentdeckt

Auf Initiative der Münchner Abendzeitung waren wir am heutigen Sonntag zur Matinee im Münchner ARRI-Kino. Es wurde die neue DVD aus der Reihe „Historische Fimschätze“ vorgestellt, die in das vergangene München von 1912 bis 1970 führt.

http://www.historische-filmschaetze.de/muenchen.php

 

München: Leben und leben lassen

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Als wir heute den vielleicht letzten halbwegs warmen Tag in diesem Jahr nutzten und auf dem Weg zum Viktualienmarkt den Marienplatz querten, überraschten uns Transparente  von schrecklich malträtierten Tieren: Eine Demo unter dem Motto Weihnachten Vegan 2016.

Interessiert bummelten wir herum und fanden einen fleißig umlagerten Bratwurststand, wohl das Gegenteil von „Vegan“.

„Habt ihr die Genehmigung vom Veranstalter, weil das Produkt passt ja nicht zum Thema“, fragte ich den freundlichen dunkelhaarigen Verkäufer.

„Ja“, antwortete er kurz.

„Sind eure Würstel vom Schwein?“

„Ja“

„Sind eure Würstel vom Rind?“

„Ja“

„Oder sind eure Würstel aus Tofu?“

„Ja“

Meine bessere Hälfte tippte mich an und meinte: “ Du kannst den guten Menschen fragen was du willst, er wird immer mit Ja antworten, der kann nämlich so gut wie überhaupt kein Deutsch“ und erinnerte mich an den wunderbaren Film „Broken Silence“ aus dem Jahr 1995. In der Geschichte geht es um die abenteuerliche Reise eines Kartäusermönches mit einer amerikanischen Aussteigerin durch Indien.

Hier ist der Trailer:

Der Kartäuser Fried Adelphi und seine Begleiterin Ashaela lassen sich vom Taxi durch die staubtrockene Wüste  fahren und Fried will immer wieder vom Taxi-Wallah wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind, permanent bekommt er die Antwort „Yes, Sir“ begleitet vom uns unverständlichen Kopfschütteln, welches Ja bedeutet. Ashaela ist misstrauisch und sagt fragend zum Taxler: „Terrible this Rain?“ (ein fürchterlicher Regen). „Yes, Madam“ bekommt sie zur Antwort.

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Verschwörungstheoretiker

Hier ein Blog Beitrag von Rudi mit einem Interview mit einem Verschwörungstheoretiker den man sich unbedingt anhören sollte.

Verschwörungstheoretiker

 

Allerseelen

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Bereits im vierten Jahrhundert gab es so viele Heilige, dass daran gedacht wurde, einen gemeinsamen Feiertag für alle Heiligen zu installieren. Seit dem Jahre 835 wird dieses Fest am  1. November gefeiert.

Am Allerseelentag wird der Armen Seelen im Fegefeuer gedacht, der eigentliche Totengedenktag. In den Ländern, in denen Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag ist, also auch in Bayern, hat es sich eingebürgert, bereits am Nachmittag des 1. November die Gräbersegnung vorzunehmen und gleichzeitig der verstorbenen Angehörigen zu gedenken.

Krasser könnte der Wetterunterschied nicht sein. Am gestrigen Allerheiligentag zeigte sich ein strahlendblauer Himmel über den Münchner Friedhöfen. Am heutigen Allerseelentag war es grau und es regnete ununterbrochen, Gelegenheit zum Nachdenken über Sinn von Religion, Angst vor dem Sterben oder Angst vor dem Tod? Ich musste an die Sterbestunde meiner Mutter denken, die Sylvesternacht von 2000 auf 2001. Mit 96 Jahren hauchte sie in meinen Armen ihr Leben aus, ein Leben voller Höhen und Tiefen, ein Leben durchdrungen voller Liebe und Zuversicht. In ihren Augen war es ein Abschied für immer. Im Moment des Todes erstrahlten ihre Augen, Augen einer jungen Frau blickten mich an, bevor sie brachen. Sie war nie aus der katholischen Kirche ausgetreten, obwohl sie mir in ihren letzten Lebensjahren in langen Gesprächen versichert hatte, dass sie nicht wisse, ob sie an Gott glauben solle, ein Leben nach dem Tode könne sie sich nicht vorstellen.

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Der fröhliche Friedhof von Sapanta

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An Allerheiligen und Allerseelen gedenken wir unserer Verstorbenen. Wie in anderen Ländern mit dem Tod umgegangen wird, beschreibe ich in meinem Buch „In 70 Jahren um die Welt“ an einem Beispiel aus Rumänien.

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Nach dem Besuch anderer wunderschöner Moldauklöster geht es weiter in die Maramures mit den prächtigen Holzkirchen. Auf elendiglich schlechter Straße erreichen wir den Ort Sapanta im Nordwesten Rumäniens, unmittelbar an der ukrainischen Grenze, mit seinem ≫lustigen≪ Friedhof, wo hunderte bunt bemalter Holzkreuze in lebendigen Bildern und derben Sprüchen vom Leben der Verstorbenen berichten. Im Jahre 1932 kam Patras, von Beruf Zimmermann, auf die Idee, für einen Verwandten ein Kreuz mit einem fröhlichen Nachruf zu schnitzen. Plötzlich wollte jeder Dorfbewohner für seinen verstorbenen Angehörigen ein solches Kreuz haben. Von jetzt an baute der Zimmermann keine Holzhäuschen mehr. Als Patras im Jahre 1977 starb, trat sein ehemaliger Lehrling Dumitru Pop in seine Fußstapfen. Inzwischen, wir schreiben das Jahr 2010, werden es an die 800 dieser blauen Holzkreuze geworden sein. Dem Künstler redet bei der Gestaltung niemand drein, nicht einmal der orthodoxe Priester. Erst bei der Beerdigung wird das Geheimnis gelüftet. Unter dem Spitzdach des Holzkreuzes ist jeweils eine typische Szene aus dem Leben des Dahingegangenen geschnitzt und in der Ausdrucksweise naiver Bildkunst bunt bemalt. ≫Ich werde euch erzählen, wie gut ich lebte. Ich habe gearbeitet, wie ich konnte, und natürlich auch mal ein Gläschen getrunken. So verging mein Leben in der Kneipe, und ich lebte, bis der Tod mich 1978 fand≪, heißt es über einen Verblichenen. ≫Ich liebte es in der Kneipe mit den Frauen anderer zu sitzen. Ich bedaure sehr die Welt, denn ich bin zu früh gestorben≪, über einen anderen. Das Bild auf einem dritten Kreuz zeigt, wie eine Schlange einen Mann am Fuß erwischt: ≫Der Schnaps ist eine Schlange, die uns Trauer und Mühsal bringt. Wem der Schnaps gut schmeckt, dem wird es so ergehen wie mir.≪ Und zur Zeit der Schreckensherrschaft von Ceausescu, wo jegliche Regimekritik unweigerlich im Arbeitslager endete, reimte der Künstler für ein Ehepaar folgenden Spruch: ≫Solange wir auf der Welt waren, pflanzten wir schöne Obstbäume. Die Alte hat immer den Faden gesponnen und ich erntete die Äpfel. Ich habe viel geerntet, aber viele Äpfel haben wir nicht gegessen, weil wir sie der LPG liefern mussten.≪

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