Syrien: „Meine” UN-Staaten – zum 166sten

SyrienFahne

Gestern traf ich zufällig nach längerer Zeit meinen Spetzl Manfred. Er ist vor vielen Jahren als christlicher Pilger gewandert. Einer seiner Wege führte ihn von München nach Jerusalem, alles auf Schusters Rappen. Er schilderte mir den Tränen nahe, wie freundlich er von den Menschen in Syrien aufgenommen worden war, in Moscheen übernachten durfte, dort verpflegt wurde. Was ist heute aus diesem Land geworden?

Beduine in Palmyra © Wolfgang Stoephasius

Beduine in Palmyra © Wolfgang Stoephasius

1988 führte ich eine Gruppe durch Jordanien und Syrien. Damals war noch Hafiz al-Assad, der Vater des heutigen Herrschers, an der Macht. Man hörte von Menschenrechtsverletzungen. So weit so gut. Aber es war ein säkularer Staat, jegliche Religion konnte sich entfalten, Frauenrechte wurden geachtet. Im Folgenden will ich versuchen, die Situation von damals mit der von  heute zu vergleichen. Da ich als Reiseleiter damals sehr wenig fotografiert habe, muss ich leider auf frei zugängliche Bilder aus dem Internet zurückgreifen.

Nach unserer Rundreise durch Jordanien, die uns bis an den Golf von Aqaba geführt hatte, kamen wir in die syrische Hauptstadt Damaskus. Unter anderem besuchten wir die Ananias Kapelle, das Haus des Sankt Ananias im alten Christenviertel.  Es gilt als das Haus, wo Hananias Saul taufte und dieser zum Apostel Paulus wurde. (Quelle: Wikipedia). Die Christen konnten ungehindert ihrer Religion nachgehen.

Ananias Kapelle

Ananias Kapelle

Wir besuchten die  Kreuzritterburg  Krak des Chevaliers,

seit 2006 auf der Welterbeliste der Unesco. Bei der Belagerung durch Assad-Truppen wurde die Festung schwer beschädigt.

Krak des Chevaliers

Krak des Chevaliers

Homs war damals eine friedliche Handelsstadt. Und dann kam der Krieg. Homs wurde zur Ruinenstadt. Anfang Dezember 2015 wurde das letzte gehaltene Viertel von den Rebellen nach einer Vereinbarung mit der Regierung zum freien Geleit in Rebellengebiete und Einstellung der Angriffe geräumt. Die endgültige Aufgabe der Stadt, die lange Zeit als Hauptstadt der Rebellen galt, wurde in den Medien als verheerender Schlag für die Rebellen betitelt. Im Februar 2016 kehrten die ersten hundert Einwohner wieder in ihre zerstörten Häuser zurück.

Das zerstörte Homs

Das zerstörte Homs

Wir besuchten Maalula, die Stadt aramäischen Christen, aramäisch ist die Sprache von Jesus Christus. Die Christen lebten hier in Frieden mit ihren muslimischen Nachbarn.

SyrienTown_of_Maaloula

Die Stadt Maalula

Maalula ist ein aramäisches Wort und bedeutet „Eingang“. In dem Ort am Fuße einer tiefen Schlucht und im Schutz hoher Felswände hat die Sprache Jesu 2.000 Jahre überlebt. Am 4. September 2013 griffen Kämpfer der überwiegend sunnitischen „Freien Syrischen Armee“ und der Nusra-Front an.  Erst drei Tage später konnten die Einwohner fliehen, wie sich Rita Haddad erinnert. Die Mutter von vier Kindern hatte sich bei dem Angriff in eine der Höhlen geflüchtet, die in den steilen Felswänden liegen. Sie floh nach Damaskus. In Maalula verschanzten sich die Kämpfer in den Kirchen und Wohnhäusern, übernahmen das Kloster der heiligen Thekla, aus dem sie kurz vor Weihnachten die Oberin, zwölf Ordensfrauen und zwei Hausangestellte entführten , um Gefangene freizupressen. Täglich kam es zu Kämpfen mit der Armee; die Verwüstung begann.  Eineinhalb Jahre später: Der Ort ist verlassen. Häuser liegen in Trümmern, Fenster sind aus den Rahmen gesprungen, Wände und Türen verkohlt. Kaum eine der zahlreichen Kirchen hat noch ein Kreuz. Statuen sind zertrümmert, Ikonen und alte Kulturschätze geraubt oder verbrannt. Als die syrischen Streitkräfte im März 2014 die Kampfverbände aus den Qalamoun-Bergen an der Grenze zum Libanon zurückdrängen konnten, war der Weg zum Felsplateau über Maalula frei. Geholfen hatte auch die schiitische Hisbollah, deren Fahne neben einem Kreuz im Wind flattert. (Quelle: Katholisch.de). Anmerkung vom Autor: Nach der Lesart des Westens sind die Kombattanten von der  „Freien Syrischen Armee“ Freiheitskämpfer, die von der Hisbollah islamistische Terroristen?

Damals kamen wir auch in  die friedliche Hafenstadt Latakia.

Heute sind mehr als tausend russische Soldaten auf der Militärbasis Chmeimim im Nordwesten Syriens stationiert. Moskaus Flugzeuge bombardieren nicht nur Rebellen, Krankenhäuser und gelegentlich auch Stellungen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Die Soldaten geben in der Hafenstadt Latakia, an deren Rand der Luftwaffenstützpunkt liegt, auch jede Menge Geld aus. (Quelle: Spiegel).

Noch heute sind mir die Farben, das Gedränge, die Düfte, das bunte Treiben im Bazar von Aleppo, einem der größten des Orients, im Gedächtnis, als wäre ich erst vergangenes Jahr dort gewesen: es war wie ein Traum aus 1000undEiner Nacht.

Bazar von Aleppo

Bazar von Aleppo

In der nordsyrischen Provinz Aleppo werden die Fronten unübersichtlicher – das Gebiet wird immer mehr zum Brennpunkt des Krieges in Syrien: Die Türkei fliegt Luftangriffe gegen kurdische Stellungen im Norden des Gebiets, die Truppen von Machthaber Assad rücken rund um die Großstadt Aleppo vor, unterstützt von russischen Bomben. (Quelle: Spiegel).

Aleppo heute

Aleppo heute

In Raqqa wohnten wir in einem einfachen Hotel. Wir wurden freundlich empfangen. Nicht weit entfernt liegt der Irak. Heute ist dort das Hauptquartier der Verbrecherbande vom sogenannten „Islamischen Staat“.

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Banditen – Die verblendeten selbsternannten Hüter des wahren Islam

Dazu ein Link

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/hauptstadt-des-is-raqqa-die-gekidnappte-stadt/11016382.html

Die letzte Nacht vor unserer Heimreise verbrachten wir in Palmyra. Der Sonnenuntergang vor den Ruinen, Erbe der Menschheit, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. In unserem Hotel übernachtete auch eine russische Touristengruppe. Ich hatte ihnen einige Dosen Kaviar abgekauft, im Hotel Baguette und etliche Flaschen Champagner organisiert und wir saßen vor der Ruinenlandschaft welche in das Licht des Vollmondes getaucht war. Besser kann man den Abschied von einem Land, in welches man auf Anhieb verliebt war, nicht feiern.

Die römische Stadt Palmyra

Die römische Stadt Palmyra

Knapp dreißig Jahre später zerstört eine wild gewordene Bande von Wahnsinnigen dieses Erbe der Menschheit. Dazu ein Link:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-in-palmyra-terrormiliz-sprengt-offenbar-triumphbogen-a-1056142.html

SyrienKarte

Syrien, arabisch الجمهورية العربية السورية al-Dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya, ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek.  Hauptstadt ist Damaskus. Nachbarländer sind  Türkei, Irak, Israel, Libanon und Jordanien. Amtssprache ist Arabisch. Quelle: Wikipedia.

Allgemeine Infos unter

https://de.wikipedia.org/wiki/Syrien

Hier noch ein Link zum Krieg in Syrien

http://www.zeit.de/thema/syrien

Zum Schluss zwei Fragen: Was hindert den Friedensnobelpreisträger Europa mit 500 Millionen Einwohnern daran, vier oder fünf Millionen traumatisierte Menschen aus diesem Land aufzunehmen, die vor Krieg und Zerstörung und vor den Wahnsinnigen des IS fliehen, wenn im kleinen Libanon mit vier Millionen Einwohnern 1,5 Millionen Geflüchtete willkommen geheißen werden? Was geht in den Köpfen von deutschen Bürgern vor, die diese Menschen bedrohen und ihre Unterkünfte anzünden oder an den Grenzen auf sie schießen lassen wollen?

 

 

11 Gedanken zu „Syrien: „Meine” UN-Staaten – zum 166sten

  1. Pingback: Reblog: Syrien: „Meine” UN-Staaten – zum 166sten | Meine Erlebnisse im Altenheim

  2. Danke für diesen wunderbaren Artikel.
    Was mich so beschämt ist die Tatsache, dass ich die Araber in Damaskus und Homs (damals waren beide Städte noch intakt) mit solch einer Gastfreundschaft erlebt habe. Und wir Europäer machen die Grenzen dicht und überlassen die Leute sich selbst, besonders in Griechenland und Mazedonien, in Lagern, die mich immer mehr an Konzentrationslager erinnern?
    Das kann ich nicht begreifen!

    Gefällt 1 Person

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