Liberia „Meine” UN-Staaten – zum 93sten

LiberiaFahne

Im Herbst 2007 scheint die Zeit günstig, die Staaten in Westafrika zu bereisen, welche für viele Jahre in blutige Auseinandersetzungen verwickelt waren. Von der Elfenbeinküste, wo wenige Wochen vorher nach fünfjährigem Bürgerkrieg ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Rebellen und der Regierung geschlossen worden war, reiste ich aus dem von den Insurgenten besetzten Gebiet nach Liberia ein. Der Grenzübertritt klappt problemlos.

Von der Grenze geht es als Sozius auf einem Motorradtaxi auf fürchterlichen Wegen, mein armer Rücken, 50 Kilometer zu einer Straßenkreuzung.

Motorradtaxi © Wolfgang Stoephasius

Motorradtaxi © Wolfgang Stoephasius

An der Kreuzung  hält irgendwann ein Buschtaxi, welches mich in das kleine Dorf Sanquille bringt. Dort finde ich in einem sogenannten Motel ohne Elektrizität und fließendes Wasser für umgerechnet vier Euro Quartier.

Motel in Sanquille © Wolfgang Stoephasius

Motel in Sanquille © Wolfgang Stoephasius

An einer Tankstelle warte ich auf eine Fahrgelegenheit in die Hauptstadt Monrovia.

Tankstelle in Liberia © Wolfgang Stoephasius

Tankstelle in Liberia © Wolfgang Stoephasius

Auf schlechter Straße und nach zwei Reifenpannen erreiche ich am späten Abend die Hauptstadt Monrovia. Dort komme ich in einem einfachen Zimmer in einem christlichen Konvent unter. Am nächsten Morgen treten die Schülerinnen zur Flaggenparade an.

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Flaggenparade in Monrovia © Wolfgang Stoephasius

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Schulmädchen in Monrovia © Wolfgang Stoephasius

Nach einigen Tagen in der wuseligen Stadt, die nach dem Bürgerkrieg vor Lebensfreude vibriert, in welcher andererseits traumatisierte und  zum Teil bein- oder armamputierte ehemalige Kindersoldaten  auf der Straße leben, geht es weiter in Richtung Sierra Leone.

Im Buschtaxi sitze ich bequem neben dem Fahrer (ich habe für zwei Plätze bezahlt).

Buschtaxi © Wolfgang Stoephasius

Buschtaxi © Wolfgang Stoephasius

Der Grenzübertritt nach Sierra Leone, wo ich mir eine neue Fahrgelegenheit suchen muss, ist völlig unproblematisch.

Markt vor der Grenze © Wolfgang Stoephasius

Markt vor der Grenze © Wolfgang Stoephasius

Die Republik Liberia ist ein Staat an der westafrikanischen Atlantikküste und grenzt an Sierra Leone, Guinea und die Elfenbeinküste. Die Hauptstadt ist Monrovia und die Währung der Liberianischer Dollar, aber auch der US-Dollar. Auf 97.079 km² leben 4.092.310 Menschen.  Keine der westafrikanischen Sprachen hat bisher im nationalen Rahmen Liberias eine dominierende Position einnehmen können. Der Staat Liberia benutzt als Amtssprache de facto das Englische, bei dem es sich um das modifizierte liberianische Englisch handelt, das mit zahlreichen Lehnworten aus einheimischen Sprachen durchsetzt ist. Mittlerweile bezeichnen 2,5 Prozent der Bevölkerung – Nachfahren der aus den USA zurückgesiedelten befreiten Sklaven – Englisch als Muttersprache. Im täglichen Leben überwiegt der Gebrauch der Sprachen einzelner Volksgruppen. Liberia zählte seit den 1980er Jahren zu den instabilsten und gefährlichsten Staaten der Welt. Nach dem Bürgerkrieg versucht Liberias Regierung ihre traditionellen Bindungen und Beziehungen zu den USA zu festigen.

LiberiaKarte

Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitälteste unabhängige Staat Afrikas (nach Äthiopien). Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und länger ansässigen Ethnien prägen das Land bis heute. Am 12. April 1980 übernahm Samuel K. Doe nach einem Militärputsch die Macht. Damit begann eine 20-jährige Phase der politischen Instabilität. Doe wurde 1990 abgesetzt, gefoltert und getötet. Es folgte der 14 Jahre währende Bürgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ Präsident Taylor das Land. Seit dem 16. Januar 2006 ist Ellen Johnson-Sirleaf gewählte Präsidentin Liberias. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte. 2011 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Korruption ist immer noch ein Hauptproblem in allen Ebenen des Staatsaufbaus, die Situation hat sich aber unter Ellen Johnson-Sirleaf erheblich verbessert. Liberia war 2007 auf Platz 150 von 175 Ländern auf der Korruptionswahrnehmungsindex. Bis 2010 konnte sich Liberia jedoch bis auf Platz 87 verbessern und liegt damit gleichauf mit Indien und Marokko. Mit einem Mandat der UNO befinden sich seit dem Ende des Bürgerkrieges etwa 15.000 Angehörige der UNMIL-Friedenstruppen und 1100 UNPOL-Offiziere im Land und helfen die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zu gewährleisten. Die liberianische Nationalpolizei (LNP) wird unter Beteiligung der UNPOL umstrukturiert, rekrutiert, geschult und mit modernisierter Technik ausgerüstet. Seit 2004 wurden 3500 LNP Beamte eingesetzt. Die Polizeipräsenz kann aber noch nicht verhindern, dass es zu Fällen von Gewalt und Selbstjustiz kommt. Seit Anfang 2014 breitet sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea das tödliche Ebolavirus massiv aus. Es handelt sich um die größte Ebolafieber-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976. Nach Aussage der dort im Einsatz befindlichen Ärzte ohne Grenzen war die Epidemie seit Juni 2014 außer Kontrolle geraten.  Mittlerweile gilt das Land als eingeschränkt Ebola-frei. Die medizinische Versorgung ist selbst in der Hauptstadt Monrovia auf niedrigstem Niveau. Das Militärkrankenhaus der Vereinten Nationen ist das derzeit einzige Krankenhaus auf europäischem Niveau, Apotheken sind zwar weitverbreitet, die Qualität der angebotenen Medikamente ist jedoch manchmal zweifelhaft.  Quelle: Wikipedia.

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