Nordkorea „Meine” UN-Staaten – zum 84sten

NordoreaFahne

Eigentlich bin ich ein komischer Typ. Ich organisiere und begleite von Zeit zu Zeit Gruppenreise, hasse es aber, selbst bei einer solchen Reise mitzufahren. Ab und zu bleibt mir aber auf meiner Ländersammeltour nichts anderes übrig. So war es 2007, als ich in das Land hinter dem Bambusvorhang, nach Nordkorea, wollte. Rein theoretisch hätte ich diese Tour auch alleine durchführen können – und zwar über einen nordkoreanischen Reiseveranstalter. Dann hätte ich aber die Kosten für zwei Reisebegleiter, einer muss auf den anderen aufpassen, und das Auto mit Fahrer alleine aufbringen müssen. So habe ich mich einer Reisegruppe von insgesamt elf Leuten angeschlossen, da waren die Reisekosten überschaubar. Ich hatte vorher die Münchner Patenstadt Sapporo im nördlichen Japan besucht, war dann quer durch das Land gereist und bin schließlich mit dem Fährschiff vom südlichen Shimonoseki nach Qingdao, die ehemalige deutsche Kolonie in China gereist. In Peking habe ich schließlich die Reisegruppe getroffen mit welcher es mit dem Zug in das verschlossene Land ging. Eine hochinteressante Reise, auf welcher ich immer wieder versucht habe, auch hinter die Kulissen zu schauen und dabei feststellen konnte, unter welchen grausamen Bedingungen gerade die Landbevölkerung leidet.

Eine Farce ist, dass man gezwungen ist, sich vor einer Skulptur, dem Ewigen Präsidenten Kim Il-sung († 8. Juli 1994), zu verbeugen. Durch einen geschickt getimten Toilettenbesuch konnte ich dieser lächerlichen Geste entgehen. Heute steht auch noch die Figur seines Sohnes, dem Vater des tolpatschigen grausamen Kim Jong-un, daneben:

Prunkpaläste in der Hauptstadt Pjöngjang können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande, unter fürchterlichen Bedingungen leben muss:

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Die Bibliothek in Pjöngjang © Wolfgang Stoephasius

Bereits die Kindergartenkinder werden zum angeblichen Geburtshaus des Staatsgründers Kim Il-sung gebracht, damit beginnt die Indoktrinierung in diesem Staat, der alle Bereiche des Lebens umfasst:

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Kleinkinder in Pjöngjang © Wolfgang Stoephasius

Von der Ferne wirkt die Hauptstadt, wie eine moderne Stadt, geschaffen aus Beton. Schaut man näher hin, kann man leicht feststellen, dass die Bausubstanz meist marode ist:

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Pjöngjang © Wolfgang Stoephasius

Fernab der Hauptstadt kann man in den Myonyang-Sun-Bergen wunderschön wandern und dabei vergessen, dass man in einem menschenverachtenden System unterwegs ist:

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Rast bei einer Wanderung in den Myohyang-Sun-Bergen © Wolfgang Stoephasius

Am Rande der Demarkationslinie bei Panmunjeom  erklärt ein Offizier in dem Gebäude, in welchem am 27. Juli 1953 der Waffenstillstand geschlossen wurde, den Verlauf des Koreakrieges, natürlich geprägt im Sinne der Diktatur. Mit keinem Wort wird dabei erwähnt, dass der Einsatz der chinesischen Volksarmee die entscheidende Wende im Krieg erzielte:

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Panmunjeom © Wolfgang Stoephasius

An der Demarkationslinie stehen sich zwei Systeme gnadenlos gegenüber. Die ehemaligen Verhandlungsbaracken stehen genau auf der Demarkationslinie. Abwechselnd besuchen Touristen aus Nord- und Südkorea diese Baracken. Ländersammler, welche den Sinn des Reisen nicht begriffen haben, nutzen einen Besuch hier, wenn sie von der südkoreanischen Seite kommen, einmal um den Schreibtisch herumzulaufen und anschließend zu verkünden, dass sie in Nordkorea waren:

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Demarkationslinie bei Panmunjeom © Wolfgang Stoephasius

Irgendwie war ich froh, als ich diesen eigenartigen Staat wieder verlassen konnte:

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Letzter Tag in Pjöngjang © Wolfgang Stoephasius

Die Demokratische Volksrepublik Korea, besser bekannt als Nordkorea, ist ein Staat in Ostasien. Er wurde am 26. August 1948 proklamiert und umfasst den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel. Nordkorea, obwohl offiziell demokratisch, wird diktatorisch regiert und gilt als das weltweit restriktivste politische Systemder Gegenwart. Im Norden grenzt Nordkorea an die Volksrepublik China, im äußersten Nordosten an Russland. Nordkoreas Westgrenze bildet das Gelbe Meer, im Osten umgibt das Japanische Meer das Land. Im Süden bildet die Militärische Demarkationslinie in der Mitte der demilitarisierten Zone die faktische Grenze zu Südkorea (Republik Korea). Hauptstadt ist Pjöngjang, Währung der wertlose Nordkoreanische Won und Amtssprache ist Koreanisch. Auf 120.538 km² leben 24,9 Millionen Menschen.

NordkoreaKarte

Die Teilung des Landes begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Aufteilung Koreas in eine US-amerikanische und eine sowjetische Besatzungszone, aus denen 1948 infolge der Teilung Koreas zwei unabhängige Staaten hervorgingen. Der Koreakrieg (1950 bis 1953) besiegelte die Spaltung der koreanischen Halbinsel. Nordkorea steht wegen seiner Weitergabe von militärischer Raketentechnik etwa seit dem Jahr 2000 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. 2005 wurde bekannt gegeben, dass ein nordkoreanisches Kernwaffenprogramm existiert. Die Staatsführung steht wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte international in der Kritik. Jeder zwanzigste Nordkoreaner ist Angehöriger des Militärs. Seit Gründung der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ gibt es, angetrieben durch die politischen Repressionen sowie die schlechten Lebensbedingungen, einen seit der Jahrtausendwende stark angewachsenen Flüchtlingsstrom. Die innerkoreanische Landgrenze auf direktem Wege zu überschreiten, ist nahezu unmöglich. Verhältnismäßig wenige nordkoreanische Flüchtlinge passieren die Seegrenze, die meisten überqueren zunächst die vergleichsweise wenig bewachte Grenze zu China. Es wird vermutet, dass sich zwischen 50.000 und 300.000 nordkoreanische Flüchtlinge in China aufhalten, denen es noch nicht gelungen ist, sich nach Südkorea durchzuschlagen, oder die aus anderen Gründen in China geblieben sind. China schiebt die aufgegriffenen Flüchtlinge aus Nordkorea in deren Heimatland ab. Gemäß unbestätigten Berichten von Amnesty International soll es zu Folterungen und auch Hinrichtungen von Flüchtlingen gekommen sein, die von der chinesischen Grenze zurückkommen. In der Zeit der akuten Hungersnot wurde die Grenze relativ schwach bewacht und deren Überqueren mehr oder weniger geduldet; 2008 wurde von einer Verschärfung der Situation berichtet. 1972 nahm Nordkorea eine neue Verfassung an, auf Grund derer Kim Il-sung zum Präsidenten erklärt wurde. Der Kult um seine Person nahm von jetzt an bisher unbekannte Ausmaße an und auch die Familie Kims wurde einbezogen (sowohl Kim Jong-il, sein Nachfolger, als auch seine verstorbene Frau Kim Jong-suk). Die Diktatur des Proletariats entwickelte sich immer mehr zur Herrschaft weniger Familienclans mit der Familie Kims an der Spitze. Neben seinem Sohn wurde auch Kims dritte Frau Kim Song-ae einbezogen, die hohe Posten in Partei und Massenorganisationen einnahm. Kim Il-sung starb 1994. Nach einer staatlich verordneten dreijährigen Trauerzeit übernahm sein Sohn Kim Jong-il den Posten des Generalsekretärs der Partei der Arbeit Koreas. Kim Jong-il starb nach offizieller Verlautbarung am 17. Dezember 2011 während einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt. Noch am Tag der Bekanntgabe des Todes, am 19. Dezember 2011, wurde sein Sohn, Kim Jong-un, von der amtlichen koreanischen Nachrichtenagentur als Nachfolger tituliert. Im März des Jahres 2011 informierte eine Untersuchungsgruppe, die sich aus dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der UNICEF zusammensetzte, die Weltgemeinschaft, dass etwa sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht seien. Das Welternährungsprogramm startete daraufhin eine Notoperation, die 3,5 Millionen Nordkoreaner mit Lebensmitteln versorgen soll. Im Januar 2014 setzte Kim für den 9. März 2014 eine sogenannte Wahl des nordkoreanischen Parlaments an. Dabei sollen 100 Prozent der Wähler in den 687 Wahlbezirken für die jeweils konkurrenzlos angetretenen Kandidaten der Regierungspartei gestimmt haben; die Wahlbeteiligung habe bei 99,97 Prozent gelegen. Aufgrund der Wahlpflicht wurde die Wahl zugleich als Volkszählung gewertet. Nordkorea zählt zu jenen Ländern, in denen die Menschenrechte am wenigsten geachtet werden. Kritik an der Führung wird streng bestraft. Die Medien werden vollständig vom Staat kontrolliert, ungenehmigte Versammlungen sind verboten. Es ist den Nordkoreanern nicht erlaubt, das Land zu verlassen. Auch der Aufenthaltsort im Land wird von den Behörden vorgeschrieben. Zum Tode verurteilte Personen werden oft in der Öffentlichkeit hingerichtet. Menschenrechtsgruppen berichten von mehreren Konzentrations-und Umerziehungslagern im Land, in denen hauptsächlich politische Gefangene sowie Menschen, die aufgrund ihres Glaubens verhaftet wurden, inhaftiert sind. Selbst schwangere Frauen werden in diesen Lagern zu langer und harter Arbeit gezwungen. Die Inhaftierten sind der Willkür der Wärter ausgeliefert, zudem existieren Berichte über Folter. Inhaftierte starben infolge von Folter, Hunger, durch Nahrungsmittelentzug oder wurden aufgrund von geringen Vergehen hingerichtet. Westlichen Hilfsorganisationen zufolge sind rund 200.000 Menschen interniert (Stand 2005), von denen etwa 10 bis 20 Prozent jährlich durch die miserablen Lagerverhältnisse oder Exekutionen zu Tode kommen. Vereinzelte Zeugen (zum Beispiel Kang Chol-hwan oder Lee Soon-ok), denen es gelungen ist, aus den Lagern und aus Nordkorea zu fliehen, berichten zudem über Menschenversuche an Gefangenen mit Gasen oder Viren. Quelle: Wikipedia.

5 Gedanken zu „Nordkorea „Meine” UN-Staaten – zum 84sten

  1. Bitte jetzt nicht böse sein. Ich glaube sehr wohl, dass NK sehr interessant sein kann. Aber ein Land in dem Menschen systematisch hingerichtet werden oder in Gulags geboren werden, aus denen sie nie mehr entkommen, zu bereisen finde ich schon ziemlich pervers! Auf der einen Seite prangern wir dss System an, auf der anderen unterstützen wir es, in dem wir unseren Urlaub buchen.
    Ps.: Fand trotzdem die Geschichte mit dem ‚um den Tisch gehen, um die Grenze offiziell zu übertreten‘ age interessant. Habe davon noch nie etwas gehört. Ist es tatsächlich so?
    Nichtsdestotrotz wünsche ich dir schöne Grüße aus Österreich

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    • Danke für die schönen Grüße. Natürlich hast du recht, man sollte nicht in solche Staaten reisen, das sagt mir auch mein humanes Weltbild. Andererseits ist der Mensch, auch ich, ambivalent. Und wenn man alle Länder dieser Welt bereisen will, dieses Ziel habe ich nun auch erreicht, muss man leider so manche Kröte schlucken. Herzliche Grüße aus München

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      • Ich weiß nicht, wie es dir mit dem Gedanken geht, dass man schlussendlich eines der brutalsten Regime unterstützt hat. Aber das muss jeder selbst mit seinem Gewissen entscheiden. Ich bemerkte, dass viele dieser NK Touristen ihren Hohn gegenüber den Ansichten und der ‚Gottähnlichen‘ Verehrung des Führers öffentlich zeigen. Obwohl es in Wirklichkeit nicht viel zu lachen gibt. Die Wissen doch genau, warum auch viele für eine NK Reise interessieren und nutzen dies für sich und deren Propaganda … oder wie siehst du das?

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      • Es sind ja nicht zu viele Touris, die in das Land kommen. Mit Hohn sollte man allerdings sparsam sei, das kann schnell in die Hose gehen. Weil ich keine Lust hatte, mich vor dem Monument des „Ewigen Präsidenten“ zu verbeugen, musste ich einen Toilettengang vortäusche und bin so dem blöden Ritual ausgewichen. In der Reisegruppe war übrigens eine alte Dame, welche die Disziplin im Land über alles lobte. Andere sind so manchen Propagandasprüchen auch auf den Leim gegangen, und haben sich überzeugen lassen, dass das Nuklearprogramm Selbstverteidigung sei, was willst du da machen. Aber ich habe mich bemüht, hinter die Kulissen zu schauen, soweit es möglich war. Meine Motivation der Reise habe ich dir ja geschildert. Ansonsten a staade Zeit, wie wir Bayern sagen!

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      • Naja, es ist ja auch zu einem gewissen Teil eine Selbstverteidigung! Es schreckt sicherlich von einer Intervention ab. Das Nuklearprogramm ist noch immer teilweise unbekannt und keiner weiß so wirklich Wie weit NK im Falle eines Angriffes gehen würde.
        Atomwaffen waren schon immer eine Waffe der Abschreckung!
        Dass manche Leute die Disziplin als Lobenswert betrachten, finde ich glaubwürdig. Ich habe schon oft gehört, dass manche Europäer das Schul- und Arbeitssystem in Südkorea als anstrebenswert sehen. Pisa zeigt zwar die Ergebnisse des Drills, aber nicht die Sinnhaftigkeit dahinter. Dort studiert man auch immerhin 10 Jahre polnisch oder ähnliches um anschließend Mitte 20 ausgebrannt eine Sekretärinnenstelle bekommt …

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