Russland – Von der Ostsee an das Kaspische und Asowsche Meer (Schluss)

Teil 7: An die Wolga- und Don-Mündungen am Kaspischen und Asowschen Meer.

Unter blauem Himmel geht es in Steppenlandschaft wolgaabwärts.

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Wolgaufer © Wolfgang Stoephasius

Bei einem Vortrag wird uns unter anderen klar, dass die Arbeitslosenunterstützung ca. 20 Euro im Monat beträgt, die Durchschnittsrente unter 200 Euro liegt und ein Arbeiter um die 300 Euro verdient und die Inflation auf 12 Prozent geschätzt wird. Die Landwirtschaft wurde in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Nachts steckt unser Schiff im Nebel fest und wir können erst gegen 8 Uhr wieder Fahrt aufnehmen, das heißt wir werden Astrachan mit Verspätung erreichen. Schließlich kommt die Sonne heraus und es wird richtig warm. Die Rundfahrt durch das „Venedig an der Wolga“ beginnt. Die 500000-Einwohnerstadt ist wie auch die Städte vorher multikulturell, überwiegend natürlich orthodoxe Russen, aber natürlich auch Muslime und ein kleiner Prozentsatz buddhistischer Kalmüken.

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Astrachan: Schulkinder © Wolfgang Stoephasius

Wir spazieren durch den Kreml mit der wunderschönen Maria-Entschlafens-Kathedrale und der kuppelbedachten Dreifaltigkeitskirche.

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Astrachan: Dreifaltigkeitskirche © Wolfgang Stoephasius

Wir besuchen den gut sortierten Fischmarkt, der Kaviar ist allerdings für uns unerschwinglich. Alles ist sauber angerichtet, die Verkäuferinnen sind durchweg freundlich. Auf dem Weg zum daneben liegenden Supermarkt treffen wir auf einige Bettlerinnen. Hier berechnet uns die nette junge Verkäuferin für den köstlichen frischen Melonensaft einen Sonderpreis.

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Astrachan: Fischmarkt © Wolfgang Stoephasius

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Astrachan: Fischmarkt © Wolfgang Stoephasius

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Astrachan: Fischmarkt © Wolfgang Stoephasius

In der Nähe des Anlegers sitzen Fischer. Nach dem kurzen Mittagessen beginnt die Fahrt Richtung Wolgadelta. Der Fahrer verliert die Orientierung und es sieht danach aus, dass wir unverrichteter Dinge zum Schiff zurück müssen. Schließlich geht es dann doch auf miserabler Straße weiter.

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Donaudelta: Miserable Straße © Wolfgang Stoephasius

Wir werden in Sechsergruppen auf kleine Motorboote verteilt und es geht durch schilfbestandene Wasserstraßen.

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Donaudelta: Wasserstraße © Wolfgang Stoephasius

Schließlich kommen wir zu einem großen Lotusfeld, die Kapseln sind noch vorhanden, die Blüten natürlich weg.

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Donaudelta: Abgeblühter Lotus © Wolfgang Stoephasius

Es wird saukalt. Am Anleger werden wir mit Wodka und Gurken begrüßt. Mit einstündiger Verspätung kommen wir zum Schiff, welches gleich ablegt. In der Nacht wird es im Zimmer eisig kalt, draußen tobt der Wind, die Heizung wärmt nur die Füße. Am folgenden Tag folgt unser Schiff nun wieder der Wolga in entgegengesetzter Richtung.

Nach dem Ausflug zum Soldatenfriedhof und dem Besuch des Kellers in welchem Paulus kapitulierte, beginnt die Reise in Richtung Don. Als wir am Morgen aufwachen ist es saukalt unter stahlblauem Himmel und wir befinden uns auf dem 200 km langen Cimljansker Stausee, der zeitweise eine Breite von 30 Kilometern erreicht, wie haben das Gefühl auf dem Meer unterwegs zu sein. Am Ende des Stausees passieren wir ein Atomkraftwerk und das Schiff passiert die erste Schleuse mit einem mächtigen Triumphbogen und die Sonne geht blutrot am Horizont unter.

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Auf der Wolga: Sonnenuntergang © Wolfgang Stoephasius

Schließlich kommen wir in die zweite Schleusenkammer welche von reitenden Kosaken flankiert wird.

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Auf der Wolga: Kosakendenkmal © Wolfgang Stoephasius

Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist dichter Nebel und das Schiff lag eine ganze Weile vor Anker. Die Sonne scheint von einem stahlblauen kalten Himmel, es ist unter 0 Grad. Nach 10 Uhr passieren wir die letzte der insgesamt 33 Schleusen auf dieser Reise. Die „Tschaikowsky“ gleitet über den Stillen Don. Schließlich erfahren wir, dass das Schiff wegen des Nebels sechs Stunden geankert hat und wir erst gegen 20 Uhr in Rostov am Don sein werden. Das schmeißt natürlich das gesamte Ausflugsprogramm durcheinander. Wir machen es uns gemütlich und machen das Beste daraus, schauen auf den ruhigen Fluss vor Steppenlandschaft. Irgendwann geht die Sonne in einem milchigen Himmel unter.

Das Schiff macht dann doch so gegen 19:30 Uhr in Rostov fest. Luftballons künden davon, dass für die Besatzung eine lange Reise zu Ende ist. Das Schiff ist im Frühjahr in Richtung St. Petersburg gestartet, während des Sommers zwischen dem ehemaligen Leningrad und Moskau gependelt. Nun sind sie wieder daheim und werden freudig von ihren Lieben in die Arme genommen.

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Rostov: Empfang der Besatzung © Wolfgang Stoephasius

Gleich nach dem Abendessen gehen wir zu den Bussen zur letzten Stadtrundfahrt, sozusagen „Rostov by Night“. Die Stadt war im Krieg durch die Deutschen zweimal okkupiert worden und völlig zerstört. Es ist eine moderne Stadt mit breiten Boulevards und vielen Parks geworden. Im Armenischen Viertel steht eine Skulptur von Karl Marx an der Stelle, welche vor der Sowjetzeit von Katharina der Großen belegt war. Nach der Wende ist ein Streit entstanden, ob die Katharina wieder aufgestellt werden soll. Sie hatte 10 000 Armenier von der Krim hierher geholt. Von den 1.1 Millionen Einwohnern haben immer noch an die 50 000 armenische Wurzeln. Sie haben das Modell der Kaiserin gießen lassen und hätten diese gerne wieder hier. Die Mehrheit der Bevölkerung möchte aber den Marx behalten. Die Aufstellung beider Figuren kommt für keine der Konfliktparteien in Frage, eine Posse. Bei einem kurzen Halt sehen wir ein schön beleuchtetes Kaufhaus und schauen in ein malerisches Cafe.

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Rostov: Kaufhaus © Wolfgang Stoephasius

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Rostov: Cafe © Wolfgang Stoephasius

Bei einer lustigen Figur werden wir von jungen Russen freundlich begrüßt. Sie halten die Gruppe erst für Spanier, als ich ihnen „Germania“ zurufe, sind sie ganz aus dem Häuschen und wir werden freundlich umarmt, einer sagt „Stille Nacht“.

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Rostov: Kosakenkaufmann © Wolfgang Stoephasius

Zurück auf dem Schiff gehen wir noch kurz in den Supermarkt am Anleger und holen uns ein Bier als Schlummertrunk, richten in der Kabine unsere Koffer. Nach 4894 Kilometern sind wir am Ziel. Über Moskau fliegen wir am nächsten Morgen zurück nach München, es ist der 12. Oktober 2015.

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Flug über die Weiten Russlands © Wolfgang Stoephasius

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