Russland – Von der Ostsee an das Kaspische und Asowsche Meer (6)

Teil 6: „Stalingrad“: Bittere Erinnerungen an den „Großen Vaterländischen Krieg“.

Bei wunderschönem Wetter laufen wir in Wolgograd ein. Der Bus bringt uns zum Platz der gefallenen Helden.

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Wolgograd: Heldenplatz © Wolfgang Stoephasius

Hier halten Schüler in historischen Uniformen die Ehrenwache.

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Wolgograd: Heldenplatz © Wolfgang Stoephasius

Als Jelzin 1991 die militärische Einheit abzog, übernahmen Schüler diese Funktion.

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Wolgograd: Heldenplatz © Wolfgang Stoephasius

Beim Angriff der Wehrmacht am 23. August 1942 lebten 700 000 Zivilisten in der Stadt, auf Stalins Befehl durften sie nicht evakuiert werden, das sollte die Moral der Truppe stärken. Etwa 200000 Zivilisten kamen um, sie sind erfroren, verhungert, sind im Kugelhagel gefallen. Zwei Millionen Soldaten nahmen an der Schlacht teil, 25 000 Geschütze, mehrere tausend Kampfflugzeuge und 2000 Panzer. Am 30. Januar 1943 als die Schlacht für die Deutschen endgültig verloren war, ernannte Hitler den kommandierenden General Paulus zum Generalfeldmarschall, die unverblümte Aufforderung Selbstmord zu begehen, an die sich der Kommandant allerdings nicht hielt.

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Portrait General Paulus

Paulus kapitulierte am 31. Januar im Keller eines Kaufhauses. Zuletzt betrug die Tagesration eines Soldaten zwei Scheiben Brot und das bei eisigen Temperaturen. 300 000 Soldaten hatte die 6. Armee, zwei Drittel wurden während der Kämpfe getötet, 90 000 gerieten in Gefangenschaft, nur rund 5000 von ihnen kehrten heim. 700 000 sowjetische Soldaten sind bei der Schlacht um Stalingrad gefallen. Ein Wahnsinn! Die Stadt war völlig zerstört. 1961 wurde Stalingrad zu Wolgograd und heute leben wieder über 1 Millionen Menschen hier. Von den historischen Gebäuden war nur das Dramatheater erhalten.

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Wolgograd: Dramatheater © Wolfgang Stoephasius

Wir fahren weiter zur alten Mühle, eine Ruine, die an die Vernichtung der Stadt erinnern soll.

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Wolgograd: Ruinendenkmal © Wolfgang Stoephasius

Ein Brunnen, dessen Original einst vor dem Hauptbahnhof stand, zeigt tanzende Kinder um ein Krokodil (Symbol für den Sieg über das Böse). Ein Pressefoto von 1943 von dem Brunnen vor dem zerstörten Bahnhof ging um die Welt. Heute steht übrigens auch dort wieder einer Kopie, die Putin 2013 eingeweiht hat.

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Wolgograd: Brunnen © Wolfgang Stoephasius

Schließlich geht es hinauf zum Mamaev-Hügel, den Berg der während der Schlacht heiß umkämpft war. An den Hängen wurden zehntausende von Soldaten getötet, die Eroberer wechselten ständig, oft mehrmals am Tag. Im Februar 1943 war der Hügel so dicht mit Metall übersät, dass kein Gras mehr wuchs. 200 Stufen – für die 200 Tage an welchen die Schlacht tobte – führen hinauf zur „Mutter Heimat“. Am Fuß des Berges steht die mächtige Plastik „Andenken der Generationen“, einen Menschenzug welcher den Dank der Nation symbolisiert.

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Wolgograd: Andenken der Generationen © Wolfgang Stoephasius

Die mächtige Figur, welche sich schützend vor „Mutter Heimat “ aufbaut, steht unter dem Motto „Bis zum Tode stehen“.

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Wolgograd: Bis zum Tode stehen © Wolfgang Stoephasius

Ruinenmauern erinnern an die Schlacht, es erklingen Kriegslieder und Frontberichte.

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Wolgograd: Symbolische Ruinenmauern © Wolfgang Stoephasius

Ein  Teich am Heldenplatz symbolisiert die Wolga, Skulpturen sind den „Helden“ gewidmet. Eine Reliefwand zeigt das Ende der Schlacht mit Siegern und Besiegten, gefangengenommenen deutschen Soldaten:  „Ihr wolltet die Wolga sehen, wir haben euch die Gelegenheit gegeben“.

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Wolgograd: Ihr wolltet die Wolga sehen…. © Wolfgang Stoephasius

In der Ruhmeshalle sind die Namen gefallener Soldaten eingraviert, eine Hand hält die ewige Flamme, Ehrenwachen stehen stramm, es erklingt die Musik aus Schuhmanns „Träumerei“.

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Wolgograd: Ewig Flamme© Wolfgang Stoephasius

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Wolgograd: Ehrenwache © Wolfgang Stoephasius

Darüber ist der Heldenplatz mit der Skulptur „Trauernde Mutter“.

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Wolgograd: Trauernde Mutter © Wolfgang Stoephasius

Alles überragt die 86 Meter hohe Frauengestalt „Mutter Heimat ruft“, Nike die Göttin des Sieges. Allein das Schwert ist 33 Meter lang und wiegt 14 Tonnen, es ist aus Stahl und dem Schwert von Alexander Newski nachempfunden, dem tapferen Verteidiger Russlands. Ich habe es eigentlich nicht so mit Monumentalskulpturen, aber was hier von 1959 bis 1967 geschaffen wurde würdigt in ungeahnter Symbolik die 25 Millionen Toten des Sowjetvolkes, die im „Großen Vaterländischen Krieg“ gestorben sind.

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Wolgograd: Mutter Heimat ruft © Wolfgang Stoephasius

Das Schiff fährt zunächst wolgaabwärts bis Astrachan an die Mündung zum Kaspischen Meer. Die Schilderung dieses Streckenabschnittes erfolgt im Teil 7. Wir fahren  nochmals wolgaaufwärts und kommen wieder nach Wolgograd. Vom Anleger geht es mit dem Bus ostwärts hinaus aus der stark befahrenen Stadt in die umliegende Steppenlandschaft. In den Weiten um die Ortschaft Rossoschka sind bei der Schlacht um Stalingrad bis zu einer Millionen Soldaten gestorben. Am 15. Mai 1999 wurde vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge in der Nähe des Dorfes der erste deutsche Soldatenfriedhof auf russischem Boden errichtet. Inzwischen sind hier 173055 Namen verzeichnet, ungefähr die Hälfte davon sind Vermisste. Wir besuchen zunächst den kleinen russischen Friedhof.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: russischer Friedhof © Wolfgang Stoephasius

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Soldatenfriedhof Rossoschka: russisches Grab © Wolfgang Stoephasius

Dahinter haben Frauen aus dem Dorf eine kleine Gedenkstätte errichtet, berührend ist, dass ein Mahnmal von einem deutschen und einem russischen Helm umrandet wird.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: Denkmal der Frauen aus dem Dorf © Wolfgang Stoephasius

Auch den rumänischen Soldaten ist ein Feld mit einem Stein gewidmet.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: rumänischer Friedhof © Wolfgang Stoephasius

Im Gegensatz zu den russischen Soldaten, die keine Blechmarken trugen, konnte bisher ungefähr die Hälfte der gestorbenen Deutschen identifiziert werden. Ihrer und den Vermissten wird auf Steinblöcken mit Namen gedacht.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: Erinnerungsblock © Wolfgang Stoephasius

Steinerne Kreuze stehen auf einem von einer Mauer umgebenen ringförmigen Platz.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: steinerne Kreuze © Wolfgang Stoephasius

Auf eine Initiative aus Bayern soll eine Versöhnungskapelle errichtet werden, im Moment steht nur der Grundstein vor einem römisch-katholischen und einem russisch-orthodoxen Kreuz. Die momentane politische Situation lässt fraglich erscheinen, wann weiter gebaut wird.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: Grundstein Versöhnungskapelle © Wolfgang Stoephasius

An diesem kühlen Tag (morgens hatte es -1 Grad) können wir vielleicht ein ganz klein wenig nachvollziehen, was die Soldaten in dieser Steppe bei Temperaturen unter -30 Grad und stürmischen Winden erlebt haben. Es ist kein Wunder, dass von den 90 000 gefangenen deutschen Soldaten nur 5000 überlebt haben. Sie waren am Ende der Schlacht durch die fürchterlichen Entbehrungen bereits vom Tode gezeichnet.

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Erfrorener Soldat

Als wir zurück fahren gehen uns die einzelnen Schicksale, die hinter den Namen der oft erst 19 oder 20 Jahre alten Jungen nicht aus dem Kopf.

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Soldatenfriedhof Rossoschka: Erinnerungsstein © Wolfgang Stoephasius

Wir steigen in der Stadt aus und gehen in den Keller des Kaufhauses in welchem sich Paulus am 31. Januar 1943 ergab. Es ist hier ein kleines Museum eingerichtet. Bilder und Modelle lassen erahnen, in welchen Verhältnissen die Soldaten und Offiziere hier leben mussten.

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Wolgograd: Im Kapitulationskeller

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