Russland – Von der Ostsee an das Kaspische und Asowsche Meer (5)

Teil 5: Wahrzeichen der ehemaligen Sowjetunion.

Am nächsten Morgen kommen wir in das ehemalige Simbirsk, welches von Lenin in Uljanowsk umbenannte. Hier hat er als Wladimir Iljitsch Uljanowsk als Sohn eines hochgebildeten Lehrers der aus einfachen Verhältnissen kam seine Kindheit und Jugend verbracht. Wir besuchen im strömenden Regen das Haus, in welchem er aufgewachsen ist, das Haus einer gutbürgerlichen Familie.

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Haus in der Lenin seine Jugend verbrachte © Wolfgang Stoephasius

Als sein geliebter Bruder Alexander wegen eines Attentats auf den Zaren hingerichtet wurde, entwickelte er sich zum Widerstandskämpfer und aus dem gläubigen Christen wurde ein Atheist.

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Alexanders Schreibtisch © Wolfgang Stoephasius

Im Lenin-Memorial-Komplex, errichtet um das Geburtshaus, in welchem er nur kurz gelebt hat, wurde das riesige Gebäude errichtet, in welchem die Geschichte rund um Lenin und die UdSSR in Dioramen und Ausstellungsstücken dargestellt wird.

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Lenin-Memorial-Komplex © Wolfgang Stoephasius

Am nächsten Morgen legt das Schiff am Kai von Samara an, die Stadt wurde im Jahre 1935 in Kujbysevs unbenannt, weil der Kommunist Valerian Kujbysevs hier im Jahr 1917 die Sowjetmacht ausgerufen hat. Heute hat die Stadt wieder ihren ursprünglichen Namen. Es ist windig als wir von Bord gehen. Im Herbst 1941 wurden die sowjetische Regierung, ausländische Botschaften und wichtige Institutionen wie z.B. das Bolschoi-Theater in die 1000 km von Moskau entfernte Stadt verlegt, weil befürchtet wurde, dass die Wehrmacht Moskau erobern könnte.

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Hier residierte das Bolschoi-Theater während des Krieges © Wolfgang Stoephasius

In wenigen Monaten wurde in einer geheimen Aktion der Stalinbunker errichtet, der 37 m unter die Erde eingelassen wurde.

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Im Stalinbunker © Wolfgang Stoephasius

Stalin blieb allerdings in Moskau und war wahrscheinlich nie in diesem Bunker.

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Eigentlich für Stalin reserviert © Wolfgang Stoephasius

Die Stadt war bis 1991 eine verbotene Stadt, hier wurden die russischen Weltraumraketen gebaut und eine rege Kriegswaffen- und Flugzeugindustrie war angesiedelt.

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Raketendenkmal © Wolfgang Stoephasius

Die Stadt macht zum Teil einen Eindruck, der noch stark an die Sowjetunion erinnert. Allerdings soll bis 2018 viel gebaut und renoviert werden, Samara ist eine der Städte in welchen die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen werden soll. Wir sehen die Brauerei, die einst von Alfred von Wokano, dem Österreicher, gegründet wurde und heute noch besteht, einige renovierungsbedürftige Häuser, die katholische und evangelische Kirche, Denkmäler für die gefallenen Soldaten und  die Raumfahrindustrie sowie etliche Gotteshäuser.

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Brauerei, einst von einem Österreicher gegründet © Wolfgang Stoephasius

Zum Abschluss trinke ich  mit Valery, unserem russischen Begleiter, in einer einfachen Kneipe gutes lokales Bier aus dem Plastikbecher. Aus hygienischen Gründen wäre der Ausschank in Gläsern aufwändiger und bedürfte größerer Investitionen.

Über uns ist strahlend blauer Himmel. Aber es ist kühl als wir am nächsten Morgen in Saratrov von Bord gehen. Unsere örtliche Führerin ist wieder mehr eine von dem Typ Leiertante. Saratov ist auch eine der großen Industriestädte an der Wolga und hat nahezu eine Millionen Einwohner, eine sogenannte geschlossene Stadt während der Sowjetzeit. Hier wird viele Technik produziert, insbesondere Raumfahrtechnik und Flugzeugbau ist vertreten. Wir halten am Platz mit dem Cernysewskij-Denkmal, einem berühmten Schriftsteller, der am Ende der Zarenzeit von einer besseren Welt geschrieben hat.

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Cernysewskij-Denkmal © Wolfgang Stoephasius

Das Konservatorium ist eine große Jugendstilvilla und die Kirche „Lindere meinen Kummer“ erinnert an die Basiliuskathedrale in Moskau.

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Kirche „Lindere meinen Kummer“ © Wolfgang Stoephasius

Juri Gagarin hat in der Stadt studiert und gelebt und ist nicht weit von hier in der Steppe mit seiner Raumfahrkapsel gelandet, der 1968 bei einem Testflug tödlich verunglückte Held der Sowjetunion ist in einem Relief dargestellt,

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Juri Gagarin © Wolfgang Stoephasius

Die ehemalige Deutsche Straße heißt nun Kirov-Prospekt. Hier und in der Umgebung war einst die Heimat der Wolgadeutschen, bis sie nach Sibirien und Zentralasien deportiert wurden. Wir fahren hinauf zum Kranichhügel. Hier wird der gefallenen sowjetischen Soldaten gedacht in einer monumentalen Anlage. Kraniche symbolisieren die gefallenen Rotarmisten. Mir kommt der wundervoll sensible sowjetische Film „Wenn die Kraniche ziehen“ in den Sinn.

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Kraniche – gewidmet den gefallenen Rotarmisten © Wolfgang Stoephasius

Auf Treppenabsätzen wird der Kriegsverlauf nach dem Überfall der Nazis ab 1941 bis 1945 dargestellt. Im Jahre 1943 erinnert das Wort Kursk an die Aktion „Zitadelle“, den letzten verzweifelten Angriff der Wehrmacht, bei welchem mein Vater bei Orel schwer verwundet wurde.

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Das Kriegsjahr 1943 © Wolfgang Stoephasius

Kriegsgerät aus dem „Großen Vaterländischen Krieg“ erinnert an die Verteidigung der Heimat.

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Die berüchtigte „Stalinorgel“ © Wolfgang Stoephasius

Von hier hat man einen einmaligen Blick auf die Stadt und die drei Kilometer lange Brücke, welche nach Engel’s hinüberführt, einst Hauptstadt der autonomen deutschen Wolgarepublik.

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Die Bücke nach Engel’s © Wolfgang Stoephasius

Wir stoppen beim Zirkus und kaufen in der gut aufgemachten und sortierten Markhalle mit freundlichen Händlern Trockenobst und laufen die Kirovstraße hinunter. Polizisten nehmen einen Bettler mit zu ihrem Wagen, Betteln scheint nicht erwünscht zu sein.

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