Russland – Von der Ostsee an das Kaspische und Asowsche Meer (1).

Teil 1: St. Petersburg.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Die zwanzigtägige Reise mit dem Schiff führte uns von St. Petersburg bis Rostow am Don.

Zunächst einige Inspirationen aus dem ehemaligen Leningrad, der Metropole, welche durch ihre Nähe zur EU (Finnland und Estland), am meisten westlich geprägt ist. Renate und ich sind Anfang der 90er, also kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der Stadt gewesen und sind gespannt, was sich inzwischen so alles getan hat.

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Unser Führer Valery spricht exzellent Deutsch, auf Wunsch der Oma war er in der deutschen Schule. Wir haben einen quatschenden Nachbarn, der zum Beispiel nicht mehr in die Türkei fährt, weil angeblich andauernd Strohballen auf der Straße liegen. Auch Madame vor uns ist eine ganz Gscheide. Eigentlich interessiert uns das dumme Gequassel nicht, wir möchten lieber den Ausführungen des Führers folgen. Der Bus quält sich im Stau am Ufer der Neva Richtung Stadtzentrum. Bei dem Alexander-Newski-Kloster erreichen wir den Alexander-Newski- Prospekt mit seinen prächtigen Bauten vom Barock bis Jugendstil. Zu meiner Überraschung war Leningrad im Krieg kaum zerstört, aber nahezu 1 Millionen Menschen sind an der Hungerblockade der Wehrmacht zugrunde gegangen. Erster Stopp ist bei der ehemaligen Börse mit den opulenten Rostra-Säulen, einst Leuchttürme.

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Von weitem blicken wir auf die Peter und Paul Festung mit der dazugehörigen Kathedrale und dem spitzen goldenen Turm. Hier wurden 1998 die im Ural geborgenen Gebeine der letzten Zarenfamilie beigesetzt.

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Dem Leibeigenen, welcher eigenhändig den Engel auf der Turmspitze angebracht hatte, wurde die Freiheit geschenkt und er bekam eine Tätowierung am Hals, das bedeutete, dass er in allen Kneipen des Landes freie Getränke zu bekommen hatte. Davon rührt die Geste mit dem Finger zum Hals her, die in Russland zum Schnapstrinken animieren soll, also keiner will dir die Kehle durchschneiden. Wir halten bei einem Souvenirgeschäft mit viel Kitsch, davor liegt ein zum Restaurant umfunktionierter Segler.

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Wir fahren am Winterpalast vorbei und halten am Nevakanal bei der Isaak-Kathedrale mit dem viertgrößten Kuppelbau der Welt.

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Gegenüber liegt das Hotel Astoria, eines der Spitzenhotels der Stadt. Von weitem grüßt die Admiralität mit dem vergoldeten Turm, von hier aus wir die gesamte russisch Kriegsmarine befehligt.

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Am Griboedov-Kanal liegt die Erlöser-Blutkirche, errichtet Ende des 19. Jh. und der Basilius-Kathedrale in Moskau nachempfunden.

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Die Stadt macht, zumindest im Zentrum, einen recht ordentlichen Eindruck, Bettler sind keine zu sehen, bestohlen wird auch niemand von uns, obwohl es von Taschendieben wimmeln soll. Die teuren Geschäfte und Restaurants sind westlich orientiert. Barocke Bauten dominieren im Stadtzentrum.

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Petersburg ist und bleibt Russlands Tor zum Westen – und die Bürger bekommen ein vereinfachtes Visum nach Finnland und Estland und damit in den Schengenraum. Nach dem zeitigen Abendessen geht es wieder im Stau Richtung Zentrum. Die meisten Autos sind ganz anders als vor 20 Jahren nahezu ausschließlich westliche Fabrikate. Das Palais, in welchem der sogenannte „Zarenball“ stattfindet, wurde einst vom Urgroßvater von Alexander Puschkin gebaut. Er war ein sogenannter „Araber“, in Wirklichkeit ein Schwarzafrikaner, der von Peter dem Großen an den Hof geholt wurde, in Paris studieren durfte und es zu Wohlstand brachte.

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Wir erfahren während der Anfahrt, dass Nemec, der Deutsche, eigentlich der Stumme heißt, er redet zwar, aber man versteht ihn nicht. Ein Strafpokal ist, wenn der Russe bei einer Einladung zu spät kommt und je nach Verspätung eines oder etliche Gläser Wodka leeren muss. Sonst ist er eher unpünktlich meint die Führerin. Der Palast hatte in der Vergangenheit viele Besitzer und ist Anfang des Jahrtausends renoviert worden und beherbergt prächtige Säle, allerding so gut wie gar nicht eingerichtet. Es wird ein wirklich netter Abend. Begrüßt werden wir mit einer süßen Plempe von Krimsekt, das ist aber das einzige Negative.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Die Vorführungen beginnen mit Auszügen aus Balettszenen. Später wird der Vorführraum zum Ballsaal umfunktioniert und wir hören schöne Lieder, sehen wunderbare Tänze, später werden auch wir mit einbezogen. Der Abend endet mit einem bunten kleinen Folkloreprogramm. Ein gelungener Abend. Um 22 Uhr legt das Schiff ab. Wir fahren nachts die Neva aufwärts und erreichen in den Morgenstunden den Ladoga See.

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