“Meine” UN-Staaten – zum 16ten

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Bangladesch.

Bangladesch ist ein Staat in Südasien. Er grenzt im Süden an den Golf von Bengalen, im Südosten an Myanmar und wird sonst von den indischen Bundesstaaten Meghalaya, Tripura, Westbengalen, Mizoram und Assam umschlossen. Hauptstadt ist Dhaka, die Währung der Taka und Bengalisch die Landessprache. Mit 160 Millionen Einwohnern auf 147.570 km², einer Bevölkerungsdichte von 1.084,2 Menschen je Quadratkilometer, ist das Land einer der am dichtesten besiedelten Flächenstaaten der Welt. Quelle: Wikipedia

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Am Buringanga © Wolfgang Stoephasius

Im November 2002 komme ich vom Indischen Darjeeling her in der Hauptstadt eines der ärmsten Länder auf unserem Planeten an. Schon 1986 wollte ich von Kalkutta aus in das Land einreisen, wurde aber mangels Visum abgewiesen. Dhaka wird Rikscha-Hauptstadt der Welt genannt. Über 600 000 dieser Fahrzeuge sind in dieser smoggetränkten Metropole unterwegs. Ich bin auf dem Weg von Istanbul, wo ich knapp drei Monate vorher gestartet bin, in Richtung Vietnam unterwegs und werde deshalb nur einige Tage bleiben.

 

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© Wolfgang Stoephasius: Fahrradrikscha

2 Gedanken zu „“Meine” UN-Staaten – zum 16ten

  1. Offenbar hat Bangladesch keinen bleibenden Eindruck bei Ihnen hinterlassen…Also bitte, nochmal hin! Und möglichst nicht nur in Dhaka bleiben. Ich empfehle die ländlichen Gegenden, wie zum Beispiel Gaibandha im Norden von Bangladesch. Ich bin im März wieder dort, also wenn Sie sich beeilen…;-)

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    • Hi Yvonne,
      das war damals alles gar nicht so einfach. Ich wollte eigentlich von Darjeeling aus auf dem Landweg dorthin reisen, wurde aber von der unsicheren Situation im Grenzbereich gewarnt. 1988 wollt ich schon mal von Kalkutta aus in das Land, wurde aber an der Grenze wieder zurück geschickt. Irgendwie ist es mir nicht so richtig rausgegangen, obwohl ich eigentlich darum bemüht bin, ein Land intensiv kennen zu lernen. Dass Dhaka keinen bleibenden Einruck hinterlassen hat kann ich eigentlich nicht sagen. Bei meinem Länderrückblick kann ich leider nur kurz auf das jeweilige Land eingehen. Hier meine Tagebuchnotizen von damals: Weltrikschahauptstadt: Am Airport von Dakha tue ich mich mit einem französischen Pärchen zusammen und wir nehmen gemeinsam ein Taxi in die Stadt, bekommen nach zähem Handeln auch einen halbwegs günstigen Preis. Die Fahrt in die Stadt bei offenem Fenster ist wegen der ungeheuer schlechten Luft von den vielen Autos für meinen Husten, der mich seit einigen Tagen quält, gar nicht so toll. Die beiden haben ein Billighotel in der Altstadt im Auge. Ich möchte nach meinem kleinen Luxus in Kalkutta eigentlich was besseres, komme mit ihnen aber dann doch mit und bin überrascht, dass ich für den Preis von ca. 2,50 Euro ein ganz passables und sogar sehr sauberes Zimmer bekomme. Der Raum hat zwar kein Fenster nach außen, sondern nur nach einem Innenhof, dafür ist es in dieser lauten Stadt sogar relativ ruhig. Zu meiner Freude sind die Menschen in der Hauptstadt eines der ärmsten Länder der Welt sehr freundlich, aber ungeheuer neugierig. Wo immer ich stehen bleibe, bildet sich ein kleiner Auflauf und die Menschen starren mich mit großen Augen an. Nur ganz wenige sprechen Englisch, die Beschriftung ist auch meistens in Bangla, also für mich unleserlich. Ich lasse mich bei einem einfachen Frisör rasieren, auch Haarschneiden ist schon längst überfällig. Ungemein entspannend ist die Kopf- und Oberkörpermassage, eine kostenlose Dreingabe. Der Bader meint, von mir Westler einen völlig utopischen Preis verlangen zu können, nach längerem Feilschen zahle ich schließlich so um die 2,50 Euro, das ist für unsere Verhältnisse gar nichts, hier aber der Tagesverdienst von einem Lehrer. Ich schlendere über einen Markt, schaue mich nach Jeans um, es handelt sich natürlich durchwegs um Fälschungen. Ich sehe einen Stand mit einer Unmenge von Medikamenten, sozusagen eine mobile Apotheke und frage den jungen Verkäufer gestikulierende und mit Hilfe meines „Zeigebuches“, ob er etwas gegen trockenen Husten habe. Er sei nicht der Apotheker meint er, ich solle warten, bis dieser sein Mittagsschläfchen beendet habe. Der ältere Herr liegt auf einer Bank hinter seinem „Laden“ und träumt. Nach einer Weile wird er wach und gibt mir zehn Pillen, ich solle jeweils am Abend eine nehmen. Das Unmöglich geglaubte geschieht, nach zwei Tagen ist mein Husten weg. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Zaubermittel die Dritte Welt gegen alle möglichen Krankheiten bereit hält. So musste ich beispielsweise mit Renate in Tunesien mal wegen einer böse aussehenden Entzündung in der Kniekehle zu einer Hautärztin. Innerhalb weniger Tage war mit ihrem Wundermittel nicht nur Renates Entzündung weg, sondern auch ein Ekzem an der Fußsohle, welches bei verschiedenen Behandlungen in Deutschland nicht eliminiert werden konnte. Der Verkehr in dieser Stadt ist irre. Dhaka nennt sich Rikschahauptstadt der Welt. Ich glaube, dass die 600 000 Fahrradrikschas, welche hier registriert sind, alle gleichzeitig unterwegs sind und dazwischen jede Menge Träger, Lastkarren, Pferdekutschen, Busse, Motorrikschas, LKW, Taxis, Pkw und natürlich abertausende von Fußgängern. Das alles unter einer dichten Dunstglocke von Abgasen. Zu den Hauptverkehrszeiten sieht es wie ein dahinziehender farbenprächtiger Strom aus, wenn unzählige Rikschas dahingleiten. Die Fahrzeuge sind bunt bemalt, der ganze Stolz der Fahrer, welche die Räder gemietet haben und in der Regel in mehreren Schichten fahren. Die Kommunikation ist ziemlich schwierig und mein „Lonely-Planet“-Reiseführer ist total veraltet, kaum eine Adresse stimmt. Ich stürze mich todesmutig in das Getümmel und versuche mit Fahrradrikschas bestimmte Orte zu finden. Es wird jedes Mal die reinste Irrfahrt. Ich komme eigentlich nie da hin, wohin ich möchte. Es nutzt nichts, dass ich dem Walla das Ziel von Englischsprechenden erklären lasse, ich lande in der Regel im Irgendwo. Irgendwie ist es dennoch ungemein spannend durch das Gassen- und Marktgewirr geradelt aber meist geschoben zu werden. Zwischendrin steige ich ab, spaziere durch das Gewimmel. Als ich eine breitere Straße entlang gehe, versuche ich die Reklametafeln, welche an den Häuserwänden auf der Höhe des ersten Stockes hängen, zu entziffern und hoffe den Hinweis auf ein Cyber-Cafe zu finden. Zu meinem Amüsement stelle ich fest, dass alle, wirklich alle, Menschen, die auf der Straße sind auch nach oben starren, nach dem Motto, der Fremde muss doch dort irgendetwas Interessantes entdeckt haben. Mein Experiment glückt und ich finde tatsächlich ein Internetcafe und zu meinem Erstaunen komme ich schnell und problemlos ins Netz. Tatsächlich finde ich auch nach vielen Umwegen und dank ab und zu sozusagen aus dem Nichts auftauchender hilfsbereiter englischkundiger Geister auch noch Malaysian Airlines, um die Rückbestätigung für den Flug nach Kuala Lumpur vorzunehmen. Daneben ist gleich ein Levis-Laden, da kosten die Originale ungefähr das Doppelte wie bei uns. Völlig unverständlich, denn die Hosen werden ja hier unter unsäglich schlechten Arbeitsbedingungen gefertigt. Dank der Hilfe eines Agenten der Airline, der für mich einen Rikschafahrer sucht und sich mehrmals rückbestätigen lässt, dass er verstanden wurde, komme ich trotz gegenteiliger Bedenken gut ins Hotel zurück. Ein echtes Problem sind in der Tat die Sprachschwierigkeiten und die völlig andere Denkweise der Menschen. So gibt mir in einem Lokal der Junge, der mich bedient, eine Speisekarte in Englisch, daneben die für mich unerklärlichen Zeichen in Bangla. Ich bestelle ein Gericht und zeige dabei parallel auf die Banglazeichen. Nach einer Stunde Warten werde ich ungeduldig, mache mich immer wieder mit Zeichen bemerkbar, welche mit beschwichtigenden Gesten beantwortet werden. Menschen, die nach mir gekommen sind, haben längst gegessen und bezahlt, sind gegangen. Nach einer weiteren halben Stunde kommt ein neuer Gast, des Englischen mächtig, der mich anspricht und wissen will, wo ich herkomme. Ich bitte ihn zu fragen, was mit meinem Essen sei. Daraufhin bringt man mir erneut die Speisekarte. Mit Unterstützung meines Helfers bestelle ich erneut. Meine ursprüngliche Bestellung ist gar nicht registriert worden, weil der Bub mich ganz einfach nicht verstanden hat. Er spricht selbstverständlich kein Englisch und kann mit Sicherheit auch nicht lesen. Ich hätte es mir gleich denken können, da er mir die Speisekarte kopfseitig hingelegt hatte. Aber die Leute können ja nicht nein sagen und so machen sie lieber gar nichts. Und nun kommt der Hammer. In wenigen Minuten steht das Gericht vor mir auf dem Tisch. Ich muss aber kurz auf die Toilette nach der langen Warterei und wie von Zauberhand ist meine Mahlzeit verschwunden, als ich zurück komme. Die Kellner hier haben die gleiche Angewohnheit wie viele Inder, nämlich das Geschirr so schnell wie möglich abzuräumen. Mit Hilfe meines freundlichen Nachbarn bekomme ich schlussendlich doch noch was zu essen. Eines Morgens lasse ich mich von einem Ruderboot für eine gute Stunde auf dem Burganga, dem Fluss, welcher die Stadt durchquert, herum schippern. Dort herrscht ein reges Leben. Ruderboote transportieren Passagiere, vollgeladene Dschunken gleiten vorwärts, in ärmlich aussehenden Hausbooten leben Menschen unter unglaublichen hygienischen Bedingungen. Frachtschiffe vertreiben alles was ihnen im Wege ist mit Sirenengeheul. Den Weg dorthin finde ich alleine und gehe zu Fuß, nachdem mir ein netter Herr die Richtung gewiesen hat und die hat tatsächlich gestimmt. Ich bummle ein wenig im Gassengewirr der Altstadt herum, verliere mich und beschließe mit einer Rikscha zurück zum Hotel zu fahren. Ein neues Abenteuer. Einer der immer wieder hilfsbereiten vereinzelt auftauchenden Englischsprechenden erklärt dem Walla den Weg und dieser strampelt los. Ich bin mir nicht im Klaren, ob mein englischsprachiger Helfer tatsächlich eine ordentliche Zielansprache gegeben hat, oder das getan hat, was Asiaten gerne tun, nämlich uns irgendwo hin zu schicken, um nur nicht durch Nichtwissen sein Gesicht zu verlieren. Ganz Asien läge nämlich sonst voll von Gesichtern, die verloren gegangen sind. Nachdem ich eineinhalb Stunden unterwegs bin und mir allmählich klar wird, dass der Kamerad keine Ahnung hat und im Prinzip immer im Kreis fährt, nehme ich das Heft in die Hand. Die Sonne spitzt nämlich kurz aus der Abgaswolke heraus und ich kann die Himmelsrichtung bestimmen und tatsächlich komme ich an eine Stelle, die ich kenne, verdammt weit weg vom Ziel. Per Handzeichen dirigiere ich meinen Radler mit den dünnen Beinchen aber der Kraft und Ausdauer eines Bullen bis mir ein Polizist einen Strich durch die Rechnung macht und unser Fahrzeug partout nicht in die Richtung fahren lässt, in die wir wollen. Entnervt gebe ich dem Walla einen recht ordentlichen Betrag und latsche zu Fuß zurück in die Unterkunft. Irgendwann komme ich mit einem Lehrer ins Gespräch, der sich in seiner Stadt sehr gut auskennt. Mit ihm vereinbare ich, dass er sich für einen Tag eine Rikscha ausleiht und so bekomme ich einen Tag lang eine völlig entspannte Stadtrundfahrt mit vielen interessanten Informationen. Und da ist noch das bereits angesprochene Phänomen in dieser Stadt. Ich werde permanent angestarrt, als käme ich vom Mond. Ich hatte ja bei der Reisevorbereitung schon gelesen, dass das Starren hier zum Alltag gehört, dass sich aber ganze Menschentrauben bilden, um mich anzuglotzen, hätte ich mir nicht träumen lassen. Andererseits sind die Leute keinesfalls unfreundlich, einfach nur unvorstellbar neugierig.
      Der Tag der Abreise naht und ich breche bereits viereinhalb Stunden vor der Check-in-Zeit zum gar nicht so weit entfernten Flughafen vom Hotel auf. Dennoch kommt das große Zittern auf. Der Rezeptionist hatte zwar versprochen, für 9 Uhr telefonisch ein Taxi zu bestellen. In Wirklichkeit schickt er aber einen Boy mit mir auf die Straße, der verzweifelt versucht, eines der ganz selten vorbeikommenden Taxis anzuhalten, und der Verkehr läuft im Schnecken-Schritttempo. Nach 30 Minuten, einer gefühlten Unendlichkeit, fährt er schließlich mit mir in einer Rikscha zu einem Taxistand, für die paar Hundert Meter sind wir über eine halbe Stunde unterwegs. Das hätten wir zu Fuß mit Sicherheit schneller geschafft, aber ein Westler geht hier ganz einfach nicht zu Fuß, basta. Wie durch ein Wunder findet das Taxi schnell aus dem Gewühl heraus und ich komme gerade noch rechtzeitig zum Check In. In Kuala Lumpur werde ich Renate wieder treffen. Sie kommt mit einer Gruppe und wir werden unseren Mitreisenden viel von Malaysia und später von Vietnam zeigen.

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