München kann stolz sein!

Im Laufe des gestrigen Tages kamen nahezu 3000 Flüchtlinge in München an, die meisten über Österreich aus Ungarn, nachdem dort nach einem verheerenden Wirrwar den Menschen die Reise gestattet worden war. Es ist ein kleines Wunder, wie problemlos Ordnungskräfte und eine riesige Zahl freiwilliger Helfer den Ankommenden einen würdigen Empfang bereiteten. In kürzester Zeit waren so viele Spenden abgegeben worden, dass die Polizei bitten musste, vorläufig nichts mehr vorbei zu bringen. München vermittelt manchmal den Eindruck, eine Schicki-Micki- und Mir-San-Mir-Stadt zu sein. Gestern wurde eindrucksvoll bewiesen, wieviele Menschen hier leben, die sich in die Situation jedes Einzelnen der nach langer Flucht hier Ankommenden hineinversetzen können und dabei nicht zu fragen, ob die Menschen wegen Armut oder als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen. Meine Gedanken gehen zurück in meine eigene Kindheit und Jugend. Als knapp Sechsjähriger war auch ich ein Flüchtling, ein  Heimatvertriebener. „Ganz arm kamen wir am 29. Juni 1947 in Passau an“ schrieb meine Mutter in ihr Tagebuch. Etliche Wochen vorher hatten wir im schlesischen Landeshut den Güterzug besteigen müssen, der uns aus der verlorenen Heimat wegbrachte. Im Jahr 1956 kümmerte ich mich mit vielen anderen Helfern als Pfadfinder um die vielen Ungarn, die nach dem Einmarsch der Roten Armee ihre Heimat verlassen mussten. Sie warteten in der Passauer Nibelungenhalle auf ihren Weitertransport.  Was wir nun hier am Münchner Hauptbahnhof und überall in unserem Land erleben, das  ist das wahre Deutschland. Lassen wir uns dieses unser Land nicht von den Brandstiftern und Nazi-Schlägern kaputt machen. Nicht das Pöbelgesindel von Heidenau ist das Volk, sondern die überwältigende Mehrheit  der Deutschen, die mit tiefer Empathie das Leiden der aus ihrer Heimat Fliehenden begleitet.
Foto: (c) Wolfgang Stoephasius

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