Die Wanderung von München nach Venedig (Rückblick)

Tag 9: Von Patsch nach Steinach

DSCF2868

(c) Wolfgang Stoephasius

Das Frühstück steht in der Stubn auf dem Tisch und ist ziemlich dürftig, es besteht aus alten Semmeln, etwas Marmelade und zerlaufender Butter, dazu gibt es dünnen Kaffee. Als wir das Haus verlassen ist der alte Bauer im Stall. Wir sprechen ihn auf das magere Frühstück an und fangen uns dafür einen Schwall von Flüchen ein, er meint wir sollen uns zum Teufel scheren. Den Gefallen tun wir ihm nicht, sondern machen uns flott vom Acker. Als wir in das Dorf kommen, öffnet gerade die Touristen-Information. Dort ist die Pension schon mehrmals negativ aufgefallen, sagt uns die nette junge Frau als wir sie auf unsere Erfahrungen ansprechen. Über offene Hügellandschaft wandern wir in ständigem Auf und Ab flott südwärts. Im Dorf St. Peter mit einer netten kleinen Kirche legen wir die erste Rast ein. Der Mesner tritt heraus und drückt uns eine kleine Holzscheibe mit der eingebrannten Inschrift „Liebe muss wachsen“ in die Hand, ob er damit die Beziehung zu unserem Übernachtungsbauern meint?  Wieder einmal fehlen die Wegweiser  häufig, aber wir bleiben ganz offensichtlich auf dem richtigen Weg und kommen in das Dörfchen Pfons. Die Küche in der Dorfwirtschaft hat bereits geschlossen, es ist 14 Uhr, aber die freundliche Bedienung macht uns eine Gulaschsuppe warm. Es ist nicht mehr sehr weit nach Matrei an der Brennerstraße und wir kehren nochmals auf einen Marillenkuchen und Kaffee ein. Parallel zur Straße kommen wir am Flüsschen Sill flott voran. Am Ortsrand von Steinach kommt uns unser Freund Charlie im Auto entgegen, er will noch etwas einkaufen. Karl Rassinger war einst als Zöllner am Brenner stationiert und hat uns bei unseren vielen Fahrten in Richtung Süden immer wieder mit einem Gläschen Schnaps  begrüßt: „Du wirst Oma und Opa vergessen, Charlies Schnaps aber nie“. Wir wurden mit ihm so eng befreundet, dass er unser Trauzeuge wurde.  Er und seine Gattin Monika haben uns eingeladen, diese Nacht bei ihnen zu verbringen. Es wird ein langer Abend mit viel Rotwein und einigen Schnäpsen. Gegen Mitternacht fallen wir in unsere Betten.

An diesem Tag sind wir 20 Kilometer gegangen.

DSCF2870

(c) Wolfgang Stoephasius

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s