Ein Sonntag am Viktualienmarkt

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(c) Wolfgang Stoephasius

Hier ist erst mal die Lösung des kleinen Rätsels von gestern.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Rotkäppchen und der böse Wolf stehen vor der Haunerschen Kinderklinik in der Lindwurmstraße 4.

Nachdem ich mit meiner Frau gestern in der Gartenwirtschaft „Zum Olympiaturm“, die in der jetzigen  Form ab 1. Juli Geschichte sein wird, zu Mittag gegessen hatte, beschloss ich, mal wieder auf dem Viktualienmarkt vorbeizuschauen.

Am Liesl-Karlstadt-Brunnen herrschte gähnende Leere. Der Michael Watschinger mit seinem geselligen Getränkeangebot  hat am „heiligen“ Sonntag Ruhetag, wie es sich für ein Marktoriginal eben so gehört. Einige Fotografen waren fleißig damit beschäftigt, die steinerne einsame Liesl zu fotografieren. Ich bat einen Herrn mit grauem Bart ein Foto mit meiner Schnackerlkamera von mir zu machen, um die Einsamkeit zu dokumentieren. Der gute Mann raunzte mich auf Preußisch an, „wie komme ich dazu, Sie zu fotografieren, ich bin Berufsfotograf und verdiene mein Geld damit“. Eine freundliche Dame erklärte mir, dass hier ein Fotokurs auf Exkursion sei. Ich startete noch einen Versuch und meinte „gegen ein Foto, erzähle  ich Ihnen und Ihren Kursteilnehmern einige amüsante Episoden über den Brunnen“. „Ich lebe lange genug in München und weiß alles“ oder so ähnlich kam die schnoddrige Antwort. Die nette junge Frau machte dennoch zwei Fotos von mir, sie durfte das glaube ich. Beide sind gut geworden, wie man oben sehen kann, das andere habe ich auf Facebook gestellt.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Eigentlich bin ich ja zum Markt gegangen, weil Freunde vom Weiß Ferdl anlässlich des 132. Geburtstags des Volkssängers seinen Brunnen aufwändig geschmückt hatten. Denen würde ich ganz gerne ins Stammbuch schreiben, dass sie einen bekennenden Nazi und Antisemiten ehren. Ja, und warum er die „Linie 8“ geschrieben hat. Dazu hat der Bayerische Rundfunk einen interessanten Beitrag gesendet (hier ein Auszug):

Seine Lieder waren stets amüsant, oft zeitkritisch. Sie kultivierten die Sehnsucht der Bayern nach einem eigenen Staat und hielten die kulturelle Eigenständigkeit des Landes in höchsten Ehren. Dafür wurde er von den Münchnern geliebt und als erfolgreicher Autor, Filmschauspieler und Musikbühnenbetreiber zu einem reichen Mann.

Kurz vor seinem Tod hatte der einstige Millionär nur mehr ein Auto und auch das war vorübergehend konfisziert. Da er nun mit der Trambahn in die Stadt fahren musste, beobachtete er, was in ihr vorging und verfasste darauf die Hymne auf München schlechthin: „Die Straßenbahn der Linie 8“. Der Verfasser Ferdinand Weisheitinger, genannt der Weiß Ferdl, war ein begnadeter Textdichter, Musiker und Komödiant. In München hat er die Volksbühne des „Platzl“ berühmt gemacht, in dem er – immer am Puls der Zeit – aktuelle gesellschaftliche Ereignisse komödiantisch interpretierte, bayerische Weisen anbot und seine Kabaretteinlagen dazwischenstreute.

Seit Beginn der Nazibewegung war er Anhänger Hitlers. Er wurde nach der Machtergreifung eine Art von Hofnarr der Nazis, da er Dinge sagen konnte, die wegen ihres kritischen Tons für andere gefährlich gewesen wären. Dennoch war er stets linientreu, wurde aber dennoch nach dem Krieg nur als Mitläufer eingestuft.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Der Roider Jackl hatte am 17. Juni seinen 109ten Geburtstag. Auch sein Brunnen war geschmückt worden, aber bei weitem nicht so aufwändig wie der vom Weiß Ferdl. Obwohl er oberflächlich betrachtet ein kracherter Niederbayer war, hat er seinen Bayern und sich selbst einiges um die Ohren gehauen, das macht ihn vielleicht nicht ganz so populär.

Den „Ewiggestrigen“, von denen es auch heute noch eine ganze Menge gibt, hat er ins Stammbuch geschrieben: „Hoffentlich geht’s bei uns ruhig weida und kimmt net wieder a Gefreida der de Leit damisch macht daß hernach wieder ois zammakracht“

Über Berufsbayern sagte er:

„Unsere weißblaua Krampfsepperln san für mi a routs Duach wenn jetzat oana Oachkatzlschwoaf song ko schreibt a scho über Bayern a Buach.“

Über sich selbst sinnierte er:

„Jetzt muaß i aufhern zum Singa sonst wer i berühmt und kriag a r’a so a Denkmalda wo’s Wasser rausrinnt.“

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