Die griechische Tragödie

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(c) Wolfgang Stoephasius

Seit Jahren verfolge ich die Diskussion in den öffentlichen Medien, insbesondere in den Talkshows von Illner, Will, Jauch und Plasberg und Co. um die Rettungspakete für Griechenland. Es sind immer die gleichen Rituale und ich habe das Gefühl, dass die Protagonisten durch die Bank Schwarz/Weiß-Denker sind. Mir fehlen die Nuancen. Es kann doch nicht sein, dass die eine Seite so gut wie ausschließlich  von den „faulen Griechen“ und die andere nur von den „armen Griechen“ spricht. Die sogenannten Hilfspakete, welche seit 2010 unentwegt geschnürt werden, einschließlich eines erheblichen Schuldenschnitts von über 100 Milliarden Euro im Jahr 2012, haben absolut nichts bewirkt. Ein großer Teil der Bevölkerung ist in dieser Zeit total verarmt, die Milliardäre sind noch reicher geworden.

Meines Erachtens geht die Ursache dieser griechischen Tragödie bis ins Jahr 1981 zurück. Damals wurde das Land in die EU aufgenommen und zwar aus rein geopolitischen Aspekten. Das Land war eine Art Brückenkopf im Bereich des „Warschauer Paktes“. Zwanzig Jahr später wurde das Land Mitglied im Euroraum, ohne real die Aufnahmebedingungen zu erfüllen. Die neue griechische Regierung unter Federführung von der Linkspartei   SYRIZA, an deren Spitze Ministerpräsident Alexis Tsipras steht, spielt diese geopolitische Karte geschickt indem er den Schulterschluss mit Putin sucht. Für 70 Prozent der Griechen ist der russische Präsident mittlerweile der beliebteste Politiker überhaupt.

Es heißt, dass nach der gestrigen Vertagung der Verhandlungen in der griechischen Schuldenkrise die EU-Staats- und Regierungschefs die Entscheidung über Griechenlands Zukunft beim morgigen Sondertreffen der Euro-Finanzminister erwarten. Der Eurogruppe am Samstag komme eine entscheidende Bedeutung zu. „Denn die Zeit drängt“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht auf dem laufenden EU-Gipfel in Brüssel. Die Staats- und Regierungschefs seien sich in dieser Einschätzung einig gewesen. „Wir setzen darauf, dass eine Einigung erreicht werden kann“, fügte Merkel hinzu.

Kommt es zu keiner Einigung, wäre Griechenland am kommenden Dienstag pleite.

Ich aber glaube, dass wieder eine neue Frist gesetzt wird, vielleicht ein halbes Jahr. Dann sind wir wieder genau so weit wie bisher, die notwendigen Strukturreformen in Griechenland werden nicht angepackt, die Armen werden noch ärmer werden, die Milliardäre noch reicher, die Politiker dort sich weiterhin die Taschen vollstopfen und die anderen europäischen Steuerzahler ihr Geld los.

Immer wieder wird die griechische Fahne nicht ganz untergehen – und Europa wird noch weiter auseinanderdriften.

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(c) Wolfgang Stoephasius

4 Gedanken zu „Die griechische Tragödie

  1. Ganz ohne jeden Zweifel wird es Prolongation über Prolongation geben: Ein Grexit ist juristisch nicht möglich. Jedenfalls zur Zeit. Bis an dieser Stellschraube gedreht wird, werden noch ein paar Jährchen vergehen. Aber derzeit haben sich die EU- und die Euro-Oberen verdammt weit aus dem Fenster gelehnt. Sie haben geschulmeistert, was das Zeug hielt, und Dinge verlangt, die Griechenland einfach nicht bewerkstelligen kann. Und wie kann man dieses Dilemma ohne Gesichtsverlust lösen? Richtig, durch Salamitaktik: Griechenland macht ein Zugeständnis, dann gibt es wieder – die EU- und Euro-Oberen sind längst nicht befriedigt! – ein paar Milliarden. Aber das eigentliche Problem ist noch immer nicht bereinigt, also wird es weitere Verhandlungen geben … ad perpetuum.

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