Sierra Leone und die Pinakothek der Moderne in München

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Was hat wohl die Pinakothek der Moderne in München mit Sierra Leone zu tun? Eigentlich gar nichts – und dennoch gibt es eine Story dazu, hier ist sie:

Auf meiner großen Reise durch Westafrika im Jahr 2007 mache ich mich in der Stadt Bo in Sierra Leone auf den Weg in die Hauptstadt, nach Freetown. Nach kurzer Fahrt mit dem Motorradtaxi  bin ich in stockdunkler Nacht kurz vor 5 Uhr am Busbahnhof. Der Platz in der letzten Reihe des Minibusses ist gerade noch zum Ertragen. Bereits um 5:10 Uhr geht es los – und die Straße ist im Wesentlichen recht ordentlich. Zu meiner Überraschung bin ich schon um 10:30 Uhr am Ziel. Ich habe mir den Stadtplan aus meinem Reiseführer  herauskopiert – und kann mich so leicht orientieren. Als wir in der Nähe des im Führer empfohlenen „Place Guesthouse“ sind, bitte ich den Fahrer zu halten. Ein Junge mit Schubkarren verlädt  mein Gepäck und bringt mich dort hin. Für gut 8 Euro habe ich eine recht ordentliche Unterkunft mit eigenem Bad – allerdings gibt  es kein fließendes Wasser, dafür einen großen gefüllten Eimer. Auf dem Gang  begegnet mir ein Tscheche, der in Tasmanien lebt. Er ist auf einem Turbotrip mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Richtung Südafrika und vor unglaublich kurzer Zeit in Marokko gestartet. Der sympathische Siebzigjährige muss ein verdammt gutes Sitzfleisch haben. Wir sitzen am Abend bei einigen Gläsern kühlen lokalen Bieres lange zusammen  und er erzählt  mir einen Teil seiner Lebensgeschichte. Vor dreißig Jahren ist er nach Australien ausgewandert, aber nicht etwa mit Schiff oder Flugzeug. Nein, er ist auf dem Landweg und später natürlich mit einigen Seepassagen dort hin gereist. Er wollte unbedingt die Reise von zwei seiner Landsleute nachvollziehen. Hanzelka & Zikmund unternahmen 1947  mit dem Tatra T87 eine spektakuläre Weltreise. Der schnittige Tatra  war technisch seiner Zeit  um Jahre  voraus. Sie konnten ihre Träume allerdings nicht alle verwirklichen, weil die Tschechoslowakei während ihrer Reise  kommunistisch geworden war und den Weltreisenden in vielen Ländern das Visum verweigert wurde. In Australien hat Jan in seinem Beruf als Textilingenieur gearbeitet. Nach seiner Pensionierung begann er die Route der beiden Abenteurer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nachzufahren, aber auch die Teile zu bereisen, welche von ihnen geplant waren, aber nicht durchgeführt werden konnten.  Jan hatte als Bub die Reiseberichte der beiden Abenteurer fasziniert im Radio verfolgt.

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Genau ein solcher Tatra steht in der Designer-Abteilung der Pinakothek der Moderne. In einer Sonderausstellung wurde vor einigen Jahren in Zusammenhang mit dieser Limousine die Geschichte der abenteuerlichen Reise erzählt, die hatte ich mir damals angesehen – und so schließt sich der Kreis.

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