Bei den Nachfahren der Meuterer von der Bounty (2011)

F (48)

Gemächlich sucht die alte Dame „Albatros“ ihren Weg, die Osterinsel liegt weit hinter uns. Wir Passagiere werden den ganzen Morgen mit Landgangs-Infos versorgt, die See ist ruhig, aber ob wir ausbooten können steht dennoch unter einem großen Fragezeichen. Vor uns liegt ein großer Felsen, die Insel Pitcairn, weit weg von allem, nach Neuseeland sind es 5000 km, nach Südamerika 5700.  Die „Prinzess“, ein amerikanischer Kreuzfahrer, dem wir während unserer Reise immer wieder begegnen,  liegt auch in der Bounty-Bay, die Passagiere durften nicht an Land. Eines unser Tenderboote wird herabgelassen, nimmt Fahrt auf und  versucht eine Landung, kehrt unverrichteter Dinge zurück. Von der Insel löst sich ein Boot, kommt zu uns herüber. Der Kahn scheint aus Aluminium zu sein, einige braungebrannte Gestalten winken uns zu. Der Kapitän gibt grünes Licht, wir sollen mit dem Boot der Einheimischen an Land gebracht werden. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass das Ausschiffen auf eigene Gefahr erfolgt und nur völlig gesunde Passagiere von Bord gehen sollen. Gerade das Ausbooten ist eine verdammte Schaukelei. Matrosen halten jeden Passagier der von Bord geht fest. Das Boot hebt sich, senkt sich, der Hub beträgt trotz augenscheinlich ruhiger See mindestens sechs Meter, drei Meter nach unten drei nach oben. Auf Befehl ein Sprung und ich bin im Boot, setzte mich zu den anderen Passagieren auf den Boden des Kahns. In wenigen Minuten sind wir am Ufer, das Aussteigen ist   erheblich einfacher. Ich laufe schon mal den steilen Weg nach Adamstown hinauf und hole später Renate  ab, sie kommt mit der dritten Gruppe. Auf der Insel leben die Nachkommen der Meuterer von der legendären Bounty, sieben von ihnen sind unter dem Kommando von Fletcher Christian 1790  zusammen mit sechs Männern, zwölf Frauen aus Tahiti und einem Kind hier gelandet. Als die Insel 18 Jahre später von einem amerikanischen Walfänger wieder entdeckt wurde, lebte nur noch einer der Meuterer, nämlich John Adams, alle anderen waren umgebracht oder in den Selbstmord getrieben worden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die gesamte Inselbevölkerung, die mittlerweile auf über 200 Personen angewachsen war, auf die 6200 km entfernte Insel Norfolk umgesiedelt. Vier Familien kehrten zurück nach Pitcairn und deren Nachfahren leben noch heute auf der letzten britischen Kolonie im Pazifik, im Moment 56 Personen,. Wir sehen uns im Dorf ein wenig um, schauen zum Friedhof, bewundern die tropische Landschaft und kaufen Schnitzarbeiten. Die meisten Inselbewohner sind auf der „Albatros“ und treiben dort Handel mit den zurückgebliebenen Passagieren und der Besatzung. Renate und ich kehren gemeinsam zurück auf das Schiff. Einige Mitreisende stellen sich beim Ein- und Ausschiffen dermaßen doof an, dass es unglaublich ist. Viele hätten die Reise gar nicht mitmachen dürfen. Zum Glück bleibt es bei einigen wenigen Blessuren. Es ist nach vielen Jahren das erste Mal, dass Passagiere eines Kreuzfahrschiffes hier an Land gehen. Fast ein Wunder, wir sind dabei!

F (41) F (45) F (47) F (59) F (64)

F (61)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s