Thaipusam in Malaysia (1990)

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Zu Ehren des Gottes Muruga wird das tamilische Thaipusam-Fest gefeiert. In Töpfen werden auf Kopf oder Schulter die Opfergaben, Blumen, Zitrusfrüchte, Kokosnüsse  und Milch getragen. Aus dem ganzen Land sind Gruppen unterwegs, um am wichtigsten tamilischen Ereignis teilzunehmen. Das Fest wird zum Vollmond im Monat „Thai“ begangen. Interessanterweise wird dieses südindische Fest auf der malayischen Halbinsel intensiver gefeiert, als im südindischen Tamil Nadu, wo es seine Wurzeln hat. An diesem Tag soll einst Shivas Gattin Parvathi ihrem Sohn Muruga die Lanze der Unbesiegbarkeit, „Vel“, übergeben haben, um gegen die bösen Dämonen ins Feld zu ziehen.Ich dränge mich am Morgen in einen der vielen völlig überladenen Busse zu den Batu Caves in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur. Treppen führen zu den Höhlen hinauf. Im unbeschreiblichen Gedränge suche ich mir einen halbwegs festen Platz und beobachte, wie Gruppe um Gruppe eintrifft und die Stufen bergan steigt. Teilweise sind die Menschen seit Tagen unterwegs. Bereits vor 45 Tagen haben die aktiven Teilnehmer begonnen unter einem spirituellen Mentor zu fasten, das heißt sich ausschließlich von Milch zu ernähren, asketisch zu leben und sich ritueller Waschungen zu unterziehen. Der Zweck der aktiven Teilnahme an diesem Fest kann vielschichtig sein, von der Erfüllung eines Gelübdes bis hin zur Reinigung von Sünden, aber auch der Bitte um Gesundheit und Glück, also eine Art hinduistisches Altötting. Viele Teilnehmer befinden sich in Trance. Gruppen bilden sich jeweils um einen Mann, der das Kavadi, ein auf Eisenstangen befestigtes Holzgestell mit Götterabbildungen auf seinen Schultern, trägt, Schnüre und Ketten hängen herab und bohren sich mit Metallhaken in das Fleisch der Träger.  An den Ketten ziehen Burschen mit nacktem Oberkörper so fest sie nur können. Pfeile (Symbol für die Lanze „Vel“) sind durch Backen oder Zunge gebohrt. „Vel Vel“ wird gebrüllt. Die Pilger drehen sich in Trance. Es ist unfassbar, dass kein Blut fließt und die Menschen nach den Strapazen des Anmarsches noch den beschwerlichen Weg die 272 Treppenstufen hinauf zu den Höhlen ertragen, den sie zum Teil sogar tanzend zurücklegen. Dort werden sie nach Zerschlagen einer Kokosnuss und einem Akkupunkturdruck auf eine Stelle zwischen den Augenbrauen  aus der Trance geholt; so mancher bricht anschließend zusammen und kommt nur allmählich wieder zu sich. Keinerlei Narben sind erkennbar.

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