Ein Stück Vorstadtidylle verschwindet für immer

Vor zwei Jahren hatte ich für die  Abendzeitung diesen Artikel geschrieben. Wer hätte gedacht, dass es fast auf den Tag zwei Jahre später vorbei sein wird mit dieser kleinen Oase am Rande von Schwabing. Heute wird die Enissa das letzte Mal das preiswerte Essen und das Bier welches unter drei Euro kostet an den Tisch bringen. Nächste Woche wird die Gaststätte unter neuer Leitung mit einem neuen Team und unter einer anderen Philosophie wieder eröffnet.

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(c) Wolfgang Stoephasius

„Hier treffen sich Arzt und Hausmeister

Schwabing – Der ältere Herr am Tisch nebenan spricht zu mir herüber: „Sie da mit Ihren blauen Augen, ich glaube Sie sind ein richtig netter Mensch und ausschaun tuns wie der Kronzprinz Rupprecht“.

Es ist ein warmer Sommertag im Jahre 2006 und wir sitzen im Kreis der Familie in der Gartenwirtschaft zum Mittagessen. So beginnt ein unvergessliches Gespräch.

Der Mann mit der blauen Prinz-Heinrich-Mütze ist Carlomaria Grassinger, er und seine Frau Ingrid betreiben eine kleine Druckerei in der Hans-Sachs-Straße. Dort werden meine Frau und ich die beiden einige Tage später besuchen und tauchen ein in ein Leben, so wie es symptomatisch ist für viele kleine Gewerbetreibende.

Die Grassingers sind begnadete Graphiker, Auszeichnungen für meisterhafte Arbeit bis hin vom schwedischen Königshaus hängen an der Wand. Aber der Zeitgeist, der meint es nicht gut mit Leuten wie den Grassingers.

Wer will heute noch kunstvoll gefertigte Einladungen oder Visitenkarten, ist es doch so einfach, sich irgendwelches mehr oder weniger Geschmackloses am Computer zurechtzubasteln?

Solche Menschen trifft man bei der Wirtin Wilma, aber auch andere. Angestellte und Beamte aus den in der Nähe gelegenen Behörden, Ärzte und Lehrer trinken hier ihr Bier, bestellen sich ein Schnitzel.

Bei der Wilma ist vieles anders als in anderen Biergärten und Gartenwirtschafen. Hier scrollt niemand auf seinem Tablet, hier schaut keiner in sein Smartphone oder unterhält die Umgebung mit seinen Handy-Gesprächen, hier wird mit dem noch Fremden am Nachbartisch geplaudert.

Ja, bei der Wilma ist vieles anders, die Halbe Fassbier kostet 2,70 Euro und am Mittwoch gibt es ab 17 Uhr den Schweinsbraten für 4,80 Euro. Die eigene Brotzeit darf man nicht mitbringen, das ist auch nicht nötig, denn die Essensauswahl ist riesig und die Preise sind genau das Gegenteil.

Beim Carlo haben wir noch einige Male in der Werkstatt vorbeigeschaut, immer öfter war er nicht da, seine Ingrid hat uns erzählt, dass er gar nicht mehr so gut beieinander ist. Bei der Wilma haben wir ihn dann auch nicht mehr gesehen. Am 21. Dezember 2011 las ich in der Abendzeitung, dass die Aktion „Münchner helfen“ dem Carlo eine ordentliche Urnenbestattung ausrichten will. Am 11. Januar 2012 stehe ich mit wenigen Trauergästen an seinem Grab am Westfriedhof. Seine Ingrid konnte es finanziell nicht mehr stemmen, ihm eine angemessene Beerdigung zu ermöglichen, Handwerkerschicksal. Der Druckerladen war lange Zeit geschlossen, nun zieht ein sogenanntes Männerlabel dort ein.

Der Carlo sitzt nicht mehr bei der Wilma im Garten, der Zeitgeist muss weiterhin draußen bleiben.“

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(c) Wolfgang Stoephasius

Nun wird wohl der Zeitgeist auch hier einziehen, wieder ist ein kleines Stück Münchner Idylle für immer gestorben. Wilma, du und dein Team, ihr werdet uns fehlen!

Ein Sonntag am Viktualienmarkt

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(c) Wolfgang Stoephasius

Hier ist erst mal die Lösung des kleinen Rätsels von gestern.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Rotkäppchen und der böse Wolf stehen vor der Haunerschen Kinderklinik in der Lindwurmstraße 4.

Nachdem ich mit meiner Frau gestern in der Gartenwirtschaft „Zum Olympiaturm“, die in der jetzigen  Form ab 1. Juli Geschichte sein wird, zu Mittag gegessen hatte, beschloss ich, mal wieder auf dem Viktualienmarkt vorbeizuschauen.

Am Liesl-Karlstadt-Brunnen herrschte gähnende Leere. Der Michael Watschinger mit seinem geselligen Getränkeangebot  hat am „heiligen“ Sonntag Ruhetag, wie es sich für ein Marktoriginal eben so gehört. Einige Fotografen waren fleißig damit beschäftigt, die steinerne einsame Liesl zu fotografieren. Ich bat einen Herrn mit grauem Bart ein Foto mit meiner Schnackerlkamera von mir zu machen, um die Einsamkeit zu dokumentieren. Der gute Mann raunzte mich auf Preußisch an, „wie komme ich dazu, Sie zu fotografieren, ich bin Berufsfotograf und verdiene mein Geld damit“. Eine freundliche Dame erklärte mir, dass hier ein Fotokurs auf Exkursion sei. Ich startete noch einen Versuch und meinte „gegen ein Foto, erzähle  ich Ihnen und Ihren Kursteilnehmern einige amüsante Episoden über den Brunnen“. „Ich lebe lange genug in München und weiß alles“ oder so ähnlich kam die schnoddrige Antwort. Die nette junge Frau machte dennoch zwei Fotos von mir, sie durfte das glaube ich. Beide sind gut geworden, wie man oben sehen kann, das andere habe ich auf Facebook gestellt.

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Eigentlich bin ich ja zum Markt gegangen, weil Freunde vom Weiß Ferdl anlässlich des 132. Geburtstags des Volkssängers seinen Brunnen aufwändig geschmückt hatten. Denen würde ich ganz gerne ins Stammbuch schreiben, dass sie einen bekennenden Nazi und Antisemiten ehren. Ja, und warum er die „Linie 8“ geschrieben hat. Dazu hat der Bayerische Rundfunk einen interessanten Beitrag gesendet (hier ein Auszug):

Seine Lieder waren stets amüsant, oft zeitkritisch. Sie kultivierten die Sehnsucht der Bayern nach einem eigenen Staat und hielten die kulturelle Eigenständigkeit des Landes in höchsten Ehren. Dafür wurde er von den Münchnern geliebt und als erfolgreicher Autor, Filmschauspieler und Musikbühnenbetreiber zu einem reichen Mann.

Kurz vor seinem Tod hatte der einstige Millionär nur mehr ein Auto und auch das war vorübergehend konfisziert. Da er nun mit der Trambahn in die Stadt fahren musste, beobachtete er, was in ihr vorging und verfasste darauf die Hymne auf München schlechthin: „Die Straßenbahn der Linie 8“. Der Verfasser Ferdinand Weisheitinger, genannt der Weiß Ferdl, war ein begnadeter Textdichter, Musiker und Komödiant. In München hat er die Volksbühne des „Platzl“ berühmt gemacht, in dem er – immer am Puls der Zeit – aktuelle gesellschaftliche Ereignisse komödiantisch interpretierte, bayerische Weisen anbot und seine Kabaretteinlagen dazwischenstreute.

Seit Beginn der Nazibewegung war er Anhänger Hitlers. Er wurde nach der Machtergreifung eine Art von Hofnarr der Nazis, da er Dinge sagen konnte, die wegen ihres kritischen Tons für andere gefährlich gewesen wären. Dennoch war er stets linientreu, wurde aber dennoch nach dem Krieg nur als Mitläufer eingestuft.

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(c) Wolfgang Stoephasius

Der Roider Jackl hatte am 17. Juni seinen 109ten Geburtstag. Auch sein Brunnen war geschmückt worden, aber bei weitem nicht so aufwändig wie der vom Weiß Ferdl. Obwohl er oberflächlich betrachtet ein kracherter Niederbayer war, hat er seinen Bayern und sich selbst einiges um die Ohren gehauen, das macht ihn vielleicht nicht ganz so populär.

Den „Ewiggestrigen“, von denen es auch heute noch eine ganze Menge gibt, hat er ins Stammbuch geschrieben: „Hoffentlich geht’s bei uns ruhig weida und kimmt net wieder a Gefreida der de Leit damisch macht daß hernach wieder ois zammakracht“

Über Berufsbayern sagte er:

„Unsere weißblaua Krampfsepperln san für mi a routs Duach wenn jetzat oana Oachkatzlschwoaf song ko schreibt a scho über Bayern a Buach.“

Über sich selbst sinnierte er:

„Jetzt muaß i aufhern zum Singa sonst wer i berühmt und kriag a r’a so a Denkmalda wo’s Wasser rausrinnt.“

Das ist die Lösung und hier ist ein neues kleines Rätsel

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(c) Wolfgang Stoephasius

Diese Befreiungshalle ist das Männerpissoir im Augustiner Biergarten in der Arnulfstraße. Besser ist dieses Örtchen  nicht zu beschreiben. Der Biergarten ist ein guter Tipp für die kommenden heißen Tage, liegt er doch stadtnah unter schattigen Kastanienbäumen und der Augustiner Edelstoff wird aus dem Holzfass ausgeschenkt.

Hier wäre eine neue Aufgabe für die Münchenkenner. Es geht um Grimms Märchen und die Geschichte vom Rotkäppchen.

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Wo steht diese Skulpturengruppe?

Wo steht diese Befreiungshalle?

Wir wissen ja seit unserer Schulzeit dass die Befreiungshalle ein Denkmal auf dem Michelsberg oberhalb des niederbayerischen Kelheim ist.

Befrhalle

König Ludwig I. lies sie als Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813-1815 errichten. Der Bau wurde von Friedrich Gärtner begonnen und 1863 von Leo von Klenze vollendet. Der mächtig wirkende Rundbau aus Kelheimer Kalkstein ruht auf einem dreistufigen Sockel. Die Strebepfeiler der Außenfassade bekrönen 18 Kolossalstatuen als Allegorien der deutschen Volksstämme. Die Zahl 18 versinnbildlicht auch das Datum der Völkerschlacht bei Leipzig (18.10.1813), an dem die Truppen Napoleons von der Koalition vernichtend geschlagen wurden. Im Innenraum reichen sich34 Siegesgöttinnen aus weißem Carrara-Marmor, entworfen von Ludwig Schwanthaler, die Hände zu einem feierlichen Reigen. Sie stützen17 vergoldete Schilde aus der Bronze eingeschmolzener Geschütze.(Quelle: Bayerische Schlösserverwaltung)

Dieses monumentale Bauwerk ist aber nicht die einzige Befreiungshalle. Es gibt mindestens noch eine – und das ist diese hier. Wo steht sie und was ist die Geschichte dazu?

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Die griechische Tragödie

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(c) Wolfgang Stoephasius

Seit Jahren verfolge ich die Diskussion in den öffentlichen Medien, insbesondere in den Talkshows von Illner, Will, Jauch und Plasberg und Co. um die Rettungspakete für Griechenland. Es sind immer die gleichen Rituale und ich habe das Gefühl, dass die Protagonisten durch die Bank Schwarz/Weiß-Denker sind. Mir fehlen die Nuancen. Es kann doch nicht sein, dass die eine Seite so gut wie ausschließlich  von den „faulen Griechen“ und die andere nur von den „armen Griechen“ spricht. Die sogenannten Hilfspakete, welche seit 2010 unentwegt geschnürt werden, einschließlich eines erheblichen Schuldenschnitts von über 100 Milliarden Euro im Jahr 2012, haben absolut nichts bewirkt. Ein großer Teil der Bevölkerung ist in dieser Zeit total verarmt, die Milliardäre sind noch reicher geworden.

Meines Erachtens geht die Ursache dieser griechischen Tragödie bis ins Jahr 1981 zurück. Damals wurde das Land in die EU aufgenommen und zwar aus rein geopolitischen Aspekten. Das Land war eine Art Brückenkopf im Bereich des „Warschauer Paktes“. Zwanzig Jahr später wurde das Land Mitglied im Euroraum, ohne real die Aufnahmebedingungen zu erfüllen. Die neue griechische Regierung unter Federführung von der Linkspartei   SYRIZA, an deren Spitze Ministerpräsident Alexis Tsipras steht, spielt diese geopolitische Karte geschickt indem er den Schulterschluss mit Putin sucht. Für 70 Prozent der Griechen ist der russische Präsident mittlerweile der beliebteste Politiker überhaupt.

Es heißt, dass nach der gestrigen Vertagung der Verhandlungen in der griechischen Schuldenkrise die EU-Staats- und Regierungschefs die Entscheidung über Griechenlands Zukunft beim morgigen Sondertreffen der Euro-Finanzminister erwarten. Der Eurogruppe am Samstag komme eine entscheidende Bedeutung zu. „Denn die Zeit drängt“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nacht auf dem laufenden EU-Gipfel in Brüssel. Die Staats- und Regierungschefs seien sich in dieser Einschätzung einig gewesen. „Wir setzen darauf, dass eine Einigung erreicht werden kann“, fügte Merkel hinzu.

Kommt es zu keiner Einigung, wäre Griechenland am kommenden Dienstag pleite.

Ich aber glaube, dass wieder eine neue Frist gesetzt wird, vielleicht ein halbes Jahr. Dann sind wir wieder genau so weit wie bisher, die notwendigen Strukturreformen in Griechenland werden nicht angepackt, die Armen werden noch ärmer werden, die Milliardäre noch reicher, die Politiker dort sich weiterhin die Taschen vollstopfen und die anderen europäischen Steuerzahler ihr Geld los.

Immer wieder wird die griechische Fahne nicht ganz untergehen – und Europa wird noch weiter auseinanderdriften.

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Die Queen in Deutschland

Wieder einmal ist Königin Elizabeth II. in Deutschland, das erste Mal kam sie vor 50 Jahren in die damalige Bundesrepublik.

Beim Besuch der britischen Königin kommen bei mir ganz persönliche Erinnerungen von ihrer ersten Deutschlandreise vor 50 Jahren auf. Damals war ich junger Polizeihauptwachtmeister und Gruppenführer bei der Bereitschaftspolizei. Mit meinen Männern stand ich vor der Oper und wir hatten nicht nur alle Hände voll zu tun, sondern mussten auch die Schultern massiv einsetzen, um die Schaulustigen, die in einer Art Monarchierausch versuchten mit der Queen auf Tuchfühlung zu kommen, davon abzuhalten, dass sie das hohe Paar an die Säulen drückten.

Das Nationaltheater war bei einem Bombenangriff am 3. Oktober 1943 zerstört worden. 20 Jahre später, also zwei Jahre vor dem Besuch von Königin Elizabeth, wurde das Münchner Opernhaus wieder eröffnet. Zu ihren Ehren wurde „Der Rosenkavalier“ Richard Strauss gegeben.

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Nordlandreise, Teil 4: Grönland

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Der Flug von Island nach Südgrönland in die Stadt Narsarsuaq dauerte zwei Stunden. Der Blick auf die Berge und Teile der Gletscherwelt war umwerfend.

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Mit dem Flieger ging es weiter in die Landeshauptstadt Nuuk.  Die Gegend ist mittlerweile fast völlig eisfrei, die Erderwärmung macht sich gerade auf Grönland besonders bemerkbar.

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Der Höhepunkt einer Grönlandreise ist der Besuch von  Ilulissat, dem ehemaligen Jakobshavn und Umgebung.

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Der Flieger brachte mich schließlich noch in das  westgrönländischen Kangerlussuaq mit relativ viel Vegetation.

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Von dort trat ich nach spannenden Wochen im Norden über Kopenhagen die Heimreise an.

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Nordlandreise, Teil 3: Stoppover in Island

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Auslaufen unter grauem Himmel

Das Fährschiff lief unter grauem Himmel aus, aber der Nordatlantik zeigte sich von seiner ruhigen Seite. Am nächsten Morgen kam das Schiff im ostisländischen Seydisfjordur an.

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Von dort nahm ich den Flieger nach Reykjavik. Die Krone war gerade massiv abgewertet worden und der Flug von gut 600 Kilometern kostete gerade mal 28 Euro. In Reykjavik nahm ich mir ein gutes Hotel, aß im besten Restaurant der Stadt ohne meinen Geldbeutel sonderlich zu belasten. Der Flug nach Grönland ging vom Inlandflughafen ab, dorthin konnte ich zu Fuß laufen.

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Hallgrims Church in Reykjavik

Nordlandreise, Teil 2: Färöer-Inseln

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So gut auf halber Strecke hat das Fährschiff Norroena die Shetland-Insel passiert und ich hatte einen gigantischen Blick auf die Inselkette.

Nach 30 Stunden Fahrtzeit sollten wir in Toershavn auf den Färöern einlaufen. Bedingt durch starken Wellengang ging das aber nicht – und wir sind zu einem anderen ruhigeren Hafen geschippert. Von dort ging es mit Bussen nach Toershavn und ich war froh, dass ich dort bald eines der raren Taxis ergattern konnte, welches mich zum Hostel gebracht hat. Dort fand ich ein geräumiges pico bello sauberes Mehrbettzimmer vor, welches ich mir zum Glück nur mit einem netten Engländer teilen musste.

Eine kleine Wanderung führte auf den höchsten Berg der Färöer auf 850 Metern Meereshöhe. Es war eine phantastische  Tour bei schönem Wetter, immer wieder heftigem Wind und einmaligen Ausblicken auf grüne Landschaft (es gibt keine Bäume, alle werden vom Wind weggeblasen) und bizarren Felsformationen über glitzernden Meeresarmen. Wasserfälle stürzen herab. Ich bin dann ans Meer hinunter gelaufen und habe eines dieser niedlichen Fischerdörfer mit den bunten Häuschen besucht. An den folgenden Tagen habe ich die „Hauptstadt“ und die nähere Umgebung erkundet. Thornshavn hat so um die 19 000 Einwohner, hier lebt fast die Hälfte der Bevölkerung des Atolls. Die Stadt liegt ziemlich weit verstreut über eine weite Hügellandschaft über dem Meer. Die Randgebiete habe ich mit den kostenlosen öffentlichen Bussen erkundet. Die Gegend um den Hafen ist recht malerisch mit den vielen bunten und grasbewachsenen Häusern und den ankernden Schiffen.

Die Färöer liegen im Nordatlantik so zwischen Norwegen und Island. Sie bestehen aus 18 Inseln, auf denen gerade mal knapp 50000 Menschen leben. Die Bewohner kamen vor ungefähr 1000 Jahren von Norwegen hierher, weil sie vor einem blutrünstigen Fürsten abgehauen sind. Sie sprechen Alt-Norwegisch, also so, wie einst die Wikinger geredet haben. Das Atoll war zunächst dänische Kolonie, ist nun aber quasi selbstständig. Es werden sogar eigene Geldscheine gedruckt. Nur Außen- und Verteidigungspolitik ist Sache der dänischen Regierung, allerdings haben die Färöer ein Mitspracherecht. Folgerichtig gehören sie auch nicht zur EG. 97 Prozent des Inlandproduktes wird durch Fischerei erwirtschaftet. Dazu gehört bedauerlicherweise auch der allgemein geächtete Walfang. Interessant ist, dass nach einer Recherche von „National Geographie Traveller“ aus dem Jahre 2007, in welcher 107 Atolle geprüft wurden (darunter so Traumziele wie Hawaii, Bermudas etc.) die Färöer auf Nummer EINS!!! landeten.

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Fortsetzung folgt – Nächstes Ziel: Island

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Nordlandreise,Teil I: Norddänemark

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Im Sommer 2009 bin ich zu einer großen Reise Richtung Norden aufgebrochen. In einer vierteiligen Reihe will ich darüber berichten.

Mit dem Zug reiste ich über das südjütländischen Kolding nach Thisted im Norden und weiter mit dem Bus nach Hanstholm. Die kleine Stadt liegt auf einer riesigen Düne über dem mächtigen Hafen. Das Seemannsheim, in welchem ich ein Einzelzimmer hatte, liegt direkt gegenüber von der Fährabfahrt. Übrigens gab es hier, wie wohl auch in Norddeutschland, eine Unmenge von Marienkäfern, die überall an einem herumkrabbelten. Hanstholm war die mächtigste Befestigungsanlage von Hitlers Atlantikwall mit riesigen Geschützen in Bunkern. Der Hafen war Ausgangspunkt für meine Fahrt mit dem Fährschiff Norroena auf die Faroer Inseln.

Zu meiner Überraschung hatte ich auf dem Schiff einen Platz in einer so genannten Couchette, also einer Innenkabine mit mehreren dreistöckigen Betten. Ich konnte dort recht gut schlafen und habe auf Mittel gegen Reisekrankheit verzichtet. Und es ist mir gut gegangen, obwohl ich später gehört habe, dass einigen doch schlecht geworden ist. An Bord war eine riesen Stimmung, denn viele Bewohner der Faroer nutzen die Schifffahrt für einen Wochenendausflug, um an Bord zu feiern und zu trinken.

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Das Städtchen Kolding

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Die Hafenstadt Hanstholm

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Fährschiff Norroena

Im nächsten Teil will ich von den Faroer Inseln berichten.