Meine Reise nach Afghanistan im Jahre 2010

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Meine letzte Station in Usbekistan war Termez, von dort organisiert die Bundeswehr ihren Einsatz in Afghanistan. Nach der schikanösen Grenkontrolle bei den Usbeken marschiere ich flott  über die lange „Brücke der Freundschaft“, so wurde sie einst von den Sowjets genannt. Ironischer Weise war es diese Brücke über welche die sowjetische Armee 1979 in das Nachbarland einmarschierte und das Land im Jahre  1988 demoralisiert wieder verließ. Neben mir rattert ein langer Güterzug vorbei und schließlich bin ich bei den afghanischen Grenzbeamten. Die sind  sehr freundlich und es geht alles ruck zuck. Aus Versehen laufe ich nach der Passkontrolle statt zum Zoll zur Ausreise und der Beamte merkt zunächst  nicht, dass ich eigentlich nach Mazar-e-Sharif will. So drückt er mir gleich den Ausreisestempel in den Pass. Vielleicht denkt er, ich wäre einer von denen, die nur mal des Stempels willen kurz über die Grenze wollen.

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Ich stehe vor dem blauen Grabmal von Ali. Die Sunniten verehren ihn als den vierten und letzten Kalifen, bei den Schiiten ist er der rechtmäßige Nachfolger Mohameds. Nach einer anderen Version soll das Grab in Nadschaf/Iran liegen. Ganz gleich, ob hier Ali liegt oder nicht, mit Sicherheit ist es eine der schönsten Moscheen der Welt, ein Gedicht aus blauen Fliesen. Es gibt übrigens auch Vermutungen, dass hier das Grab Zaratustras liegt.

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Um das Gelände schwirren hunderte von weißen Tauben. Jede siebente soll angeblich ein Geist sein. Verirrt sich eine graue Taube hier her, kommt sie unweigerlich 40 Tage später als weiße Taube zurück.

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Dank meines saudischen runden weißen Gebets-Käppis schaffe ich es sogar ins Allerheiligste, dort wo Nicht-Muslime eigentlich gar nicht hin dürfen. Der Sarg des Heiligen ist von einem goldenen Gitterkäfig umspannt, der von den Pilgern eifrig geküsst wird.

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Am 9. September 2001 wurde in Takhar, Afghanistan, der gefeierte Führer der Nordallianz, Ahmad Shah Massoud, von zwei arabischen Selbstmordattentätern, getarnt als Journalisten, ermordet. Bis heute ranken sich um Massoud, auch »Löwe von Panjshir« genannt, zahlreiche Legenden, die ihn als »charismatischen Krieger« und »gottesfürchtigen Muslim« beschreiben.

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Die Fahrt nach Balkh geht vorbei an lehmmauergeschützten Dörfern und Bauernhöfen. Die Gegend ist Zentrum des Marihuana-Anbaus. Balkh, „die Mutter aller Städte“, ist urkundlich die älteste Stadt Afghanistans und war einst neben Buchara die bedeutendste Stadt an der Seidenstraße. Hier wurde Zaratustra geboren und auch Rumi, der berühmte Sufi-Philosoph. Alexander der Große heiratete hier seine zentralasiatische Frau Roxana. Nun ist es nur noch ein quirliger Markflecken. An ruhmreiche Zeiten erinnert noch der Rest der mächtigen Stadtmauer und der Schrein für einen muslimischen Heiligen. Ein freundlicher junger Mann, ein Tadschike, begleitet mich in dieser historischen Stadt.

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Die Männer in den Dörfern sind fremdartig gekleidet, alle tragen ein langes Hemden, den Kamiz, die Kopfbedeckung ist häufig der Turban.

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Es ist ein Traum zu erleben, wie die Sonne hinter dem prächtigen Bau-Ensemble der Blauen Moschee verschwindet und vom Minarett der Gebetsruf des Muezzins erschallt.

Einige Monate später: Nachdem ein radikaler US-Pfarrer einen Koran verbrannt hatte, kam es in Mazare-e-Sharif zu Protesten mit vielen Toten.

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