Friedensfest im Hochland von Papua Neuguinea

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In den nächsten Wochen und Monaten will ich von Zeit zu Zeit aus meinem Reiseleben rund um unseren Erdball berichten. Heute geht es um eine Reise nach Papua Neu Guinea im Jahre 1990.

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Renate und ich sind im Hochland von Papua Neuguinea unterwegs. In dem Dorf Minj erzählt uns eine pralle dunkle Einheimische  in  ausgezeichnetem Englisch, dass es wegen ungeklärter Landrechte einen blutigen Stammeskrieg zwischen dem Konobuka- und dem Kondika-Stamm gegeben habe. Neben unzähligen Verletzten habe es mindestens 16 Tote, hunderte verbrannte Häuser und eine große Anzahl vergewaltigter Frauen gegeben. Durch die Vermittlung von  Missionaren soll heute Friede zwischen den verfeindeten Stämmen geschlossen werden. Es dauert nicht lange und  von allen Seiten treffen Dorfgemeinschaften ein, meist in geschlossenen Formationen, vorn die Krieger mit Speeren und Schildern, gefolgt von kräftigen Kämpfern die Knüppel und Äxte schwingen, manche halten einfache Gewehre in den Händen. Die Gesichter sind furchterregend bemalt, manche tragen bunten Federschmuck. Dahinter folgen die halbwüchsigen Burschen und den Schluss bilden die Frauen, Mädchen und kleinen Kinder.

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Wir laufen zum riesigen  freien Platz auf welchem ein hölzernes Podest mit grob behauenen Holzbänken aufgebaut ist. In der Mitte der Fläche ist ein Seil gespannt. Männer schleppen riesige Stücke Schweine- und Rindfleisch heran und platzieren diese vor der provisorischen Tribüne. Ein freundlicher Herr, ein Weißer im schlecht sitzenden Anzug, stellt sich uns vor. Er ist Missionar und maßgeblich an den Friedensverhandlungen beteiligt. Er bittet uns auf die Ehrentribüne. Dort sitzt bereits seine Frau im einfachen grauen Baumwollkleid neben zwei Ureinwohnern, uralte Männer. Einige Weiße in Anzügen kommen hinzu. Alle reichen uns  freundlich die Hände. Es ist unserer Aufmerksamkeit entgangen, dass schlagartig keine Krieger mit ihren Angehörigen mehr zu sehen sind und bald wissen wir warum. Sie haben sich hinter  die Hügel zurück gezogen. Urplötzlich beginnt ein markerschütterndes Kriegsgeschrei. Von zwei Seiten rücken die Krieger schubweise heran, schwingen ihre Waffen. Immer neue Gruppen kommen von den Anhöhen herunter, die Schilder vor dem Körper, die Speere abwurfbereit, das Blut könnte einem im Körper gerinnen. Der Platz füllt sich mit gruseligen Gestalten, es sind einige Tausend. Die feindlichen Stämme werden von dem Tau in der Mitte des Platzes  voneinander getrennt, selbstverständlich nur eine symbolische Grenze. Die Gegner brüllen aufeinander ein, die Spannung ist den Männern ins Gesicht geschrieben, unterstrichen durch die kriegerische Bemalung der Gesichter, schließlich haben sie bis gestern noch gegeneinander gekämpft.  Allmählich tritt Ruhe ein und sie lassen sich auf dem Boden nieder, blicken grimmig in die gegnerische Richtung.

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Auf jeder Seite löst sich je eine stattliche Gestalt und die beiden Männer kommen mit ihren Speeren zum Podest auf welchem wir mit den anderen Ehrengästen sitzen. Sie nehmen neben dem Missionar Platz, die Speere haben sie zwischen die Knie geklemmt, es sind die Anführer der beiden Clans. Nun beginnt ein endlos scheinendes Palaver, jeder der Männer auf dem Podium redet, brüllt in einer Sprache, die wir nicht verstehen. Schließlich reichen sich die beiden Häuptlinge die Hände. Das ist das Zeichen für die Krieger auf dem Platz. Sie gehen auf der jeweiligen Seite zu einer Stelle, an welcher sie ihre Waffen auf einen Haufen werfen. Dort stehen jeweils alte Männer, welche die Geräte anschauen, die Gewehre herausnehmen und auf die Seite legen. Es entsteht im Laufe der Zeit eine mächtige Ansammlung von Speeren, Lanzen, Schildern und anderem Kriegswerkzeug. Als alle Kämpfer  unbewaffnet wieder auf dem Boden sitzen, zünden die alten Männer die Stapel an, einige junge Männer klemmen sich die Gewehre unter die Arme und ziehen ab. Aus den Büschen nahen die Frauen und bekommen die Fleischstücke in die Hände gedrückt, diese werden sie in ihre Dörfer bringen.

Am nächsten Morgen brechen wir auf und fahren mit einem PMV (einem Minibus, öffentliches Verkehrsmittel  in Richtung  Goroka auf.  Dabei passieren wir das Kampfgebiet mit den verkohlten Resten abgebrannter Häuser, zerstörter Felder und vernichteter Bananenplantagen.

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