Ein Samstag in München

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Der Regen hat uns die gute Laune schon fast vergrault. Zum Glück hellt es am Nachmittag leicht auf. Meine „bessere Hälfte“ und ich machen uns auf den Weg. Der erste Stopp liegt fast vor unserer Haustür. Die Feinkostabteilung vom Karstadt am Nordbad feiert „10 Jahre Perfetto“. Die Dame im blauen Glitzerkleid, die Schampus ausschenkt ist eine alte Bekannte. Wir schlürfen je drei Austern FINE DE CLAIRE, dazu gibt es für jeden ein Glas Taittinger Brut. Der leichte Frust ist wie weggeblasen und wir marschieren in Richtung Theresienwiese. Dort steigt das  Frühlingsfest und uns ist nach einer Maß Bier und einem Hendl. Fehlanzeige. Das kleine Augustinerzelt ist voller Menschen, die nahezu alle auf den Tischen stehen und die Musik verlangt nach Ohrstöpseln. Vor dem Hippodrom bilden sich wartende Menschentrauben und auf  diese Schicki-Micki-Bude haben wir ohnehin keinen Bock. So setzen wir uns in die U-Bahn und fahren zum Odeonsplatz und streicheln die Löwenschnauzen vor der Residenz.

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Am Beginn der Maximiliansstraße ist vor dem Nobellokal KUFLER Trauerflor angebracht. Hier hat ein dreiundzwanzigjähriger Schüler mit einem 465-PS Auto mehrere Menschen verletzt und eine Frau, die hier beim Kaffee saß totgefahren. Angeblich hatte der Fahrer des Autos mit Starnberger Kennzeichen einen epileptischen Anfall. Da fragt sich der Normalbürger schon, wie krank müssen Eltern sein, die ihrem kranken Kind ein derart gefährliches Spielzeug kaufen?

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Wir verweilen kurz und streben schließlich dem Hofbräuhaus zu. Es geht zu wie auf dem Oktoberfest, verzweifelt halten wir nach einer Sitzgelegenheit Ausschau.

Zur Atmosphäre im Hofbräuhaus auf diesen Link klicken:

https://youtu.be/BfjwdwqAU7Q

Gegenüber der Küche in der sogenannten Schwemme nimmt uns ein italienisches Ehepaar aus Bozen mit zwei netten Buben auf. Von hier aus kann man besonders gut beobachten, wie hart Bedienungs- und Küchenpersonal arbeiten.  Menschen aus 110 Nationen sind hier beschäftigt, darunter ganz wenige Deutsche. Unseren Landsleuten ist dieser harte Job viel zu stressig.  Der erste Schluck Maibock schmeckt himmlisch und die Lust auf Hendl wird auch befriedigt.  Die Italiener gehen, sieben halbwüchsige brave Buben kommen. Sie wollen jeder eine Maß Bier und müssen ihre Ausweise zücken. „Kein Bier“ entscheidet unser kroatischer Kellner. Die Burschen wollen es nicht glauben, versuchen ihr Anliegen bei anderen Obern loszuwerden, zwecklos. Enttäuscht ziehen sie ab. Neue Gäste kommen, zwei liebenswerte Paare mittleren Alters, sie sind aus Hannover, Anknüpfungspunkte genug, bin ich doch einst in dieser Stadt zum Kriminalinspektor befördert worden.  Eine hübsche Chinesin setzt sich zu uns, sie spricht etwas Englisch und ich sorge dafür, dass sie eine Halbe bekommt, eine Maß ist ihr zu viel. Weißbier gibt es auch in Halblitergläsern. Mit dem Schweinsbraten kommt sie ohne Stäbchen ganz gut zurecht. Unsere Tischnachbarn ziehen ab, wir sind statisch, fast wie der Alois Hingerl. Ein Ehepaar aus Lörrach mit halbwüchsigen Kindern, Tochter und Sohn, setzt sich zu uns. Der Vater sieht aus wie ein junger Sylvester-Stallone-Verschnitt, seine Eltern sind einst aus Sizilien nach Deutschland gekommen. Die Mama erinnert stark an eine schwäbische Hausfrau, spricht auch so, kommt aber aus Tschechien. Die Runde wird komplett mit einem Ehepaar in unserem Alter aus Tirol. Essensbestellungen können nur noch in begrenztem Umfang entgegengenommen werden, nahezu alles ausverkauft. Allmählich leert sich der Saal, Zeit aufzustehen und den Heimweg anzutreten.

Und hier ist noch der Münchner im Himmel (auf den Link klicken):

https://youtu.be/FW6P_crgp8M

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