Kreativer Schreibkreis

0422

Einmal im Monat treffen sich einige Leute die gerne schreiben zu einer anregenden Runde. Unser „Guru“ Achim lässt sich aus diesem Anlass jedes Mal neue spannende „Hausaufgaben“  einfallen, aus denen wir eine Geschichte stricken und bei unserem Treffen vortragen. Gestern war es wieder so weit.

Hier ist die Aufgabe:

D A S T O D S C H I C K E  K L E I D

Caroline (39) ist eine geschiedene und wohlhabende Frau und hat sich in New York im Waldorf-Astoria in der Suite 02 für unbestimmte Zeit einquartiert.

Marisa (28) ist eine aufgeweckte gutaussehende Frau und arbeitet seit 2 Monaten als Zimmermädchen im Waldorf-Astoria.

Christoph (40) ist Politiker, hat Ähnlichkeit mit Richard Gere in jüngeren Jahren und bewohnt die Suite 06 im Waldorf-Astoria.

Eines Morgens betritt Marisa Caroline’s Suite, um sie zu reinigen.

Christoph verlässt seine Suite 06 und geht den Gang entlang. Er bemerkt, dass die Tür

zur Suite 02 etwas geöffnet ist und schaut hinein. Just in dem Moment sieht er, wie eine Frau ein todschickes Kleid anzieht.

Wie verhält sich Christoph?

Macht Christoph die Tür mit einer gemurmelten Entschuldigung zu?

Spricht er die Frau an, weil sie ihm in dem todschicken Kleid so gut gefällt?

Hält er die gutaussehende Frau für eine reiche Frau?

Hat Christoph den Wunsch, die Frau näher kennenzulernen?

Gelingt es Christoph, die Frau zu einem Rendezvous einzuladen?

Wie verhält sich Marisa?

Befürchtet Marisa, von irgendeiner Person im todschicken Kleid überrascht zu

werden?

Fühlt sich Marisa in dem todschicken Kleid wie Caroline?

Würde Marisa gern in dem todschicken Kleid mit dem Hotelgast aus Suite 06

ausgehen wollen, den sie so toll findet?

Würde sich Marisa in dem todschicken Kleid dem Hotelgast aus Suite 06 als reiche Frau ausgeben?

Oder befürchtet Marisa, das der Hotelgast aus Suite 06 ihre wahre gesellschaftliche Stellung herausfindet?

Meine Geschichte dazu lautet:

Caroline hält das schwarze aufregend kurze schwarze Cocktailkleid mit transparenten Einsätzen in den Händen. Die Neununddreißigjährige lebt gut von dem Unterhalt, welchem ihr der griechische Großreeder Andreas Odysseos nach der Scheidung gewährt. Die Miete für Suite 02 im Waldorf-Astoria, in welcher sie sich auf unbestimmte Zeit eingemietet hat, bezahlt sie mehr oder weniger aus der Portokasse.  Entschlossen wirft sie das Partykleid auf die wuchtige Ledercouch. Für einen Einkaufsbummel  bei Hermes ist sie besser mit dem Kostüm von Dior unterwegs, denkt sie sich und nimmt den dunkelbraunen Zweiteiler vom Bügel. Rasch schlüpft sie in den Rock und zieht den Blazer an, nimmt ihre Prada-Tasche und verschwindet auf dem Gang. Die gutaussehende achtundzwanzigjährige Marisa in ihrer Uniform, dem schwarzen Kleid mit der umgebundenen blütenweißen Schürze, öffnet bewaffnet mit dem Hoover-Staubsauger die Tür. Ihr Blick fällt auf den Hauch von einem Etwas auf dem Sofa. Innerer Widerstand zwecklos, dieses Kleid, welches sie sich niemals im Leben wird leisten können, muss ihr wenigstens für einige Minuten gehören. Rasch streift sie die Schürze ab, zieht ihr Uniformkleid über den Kopf und bückt sich nach der Trophäe. In dem Moment verlässt zwei Türen weiter der gutaussehende vierzigjährige aufstrebende Politiker Christoph die Suite 06. Auf dem Weg zum Aufzug bemerkt er, dass die Tür zur Suite 02 nur angelehnt ist. Neugierig tritt er in den Raum und blickt auf die dunkelhaarige junge Frau, deren praller Busen im lockeren BH schaukelt, als sie aus der gebückten Haltung zu ihm aufschaut. „Sorry, Madame“, murmelt Christoph, der eine verblüffenden Ähnlichkeit mit dem jungen Richard Gere hat. Marisa blickt ihn aus runden großen Augen an und stammelt „No Problem Mr. Gere“. Wie von allen guten Geistern verlassen, wirft sie sich an seine Brust. Als er die weiche Haut ihrer Brüste spürt, packt ihn das wilde Verlangen. Bereitwillig lässt sich Marisa auf die Couch fallen und zieht Christoph mit sich. In diesem Augenblick kommt Caroline ins Zimmer, sie hat ihr Portemonnaie von Gucci vergessen. Sie starrt auf den nackten Hintern eines Mannes, der gerade seine Hose heruntergelassen hat. „Hilfe, Hilfe“ brüllt das Zimmermädchen, „dieser Mann will mich vergewaltigen“. Verzweifelt wendet Christoph den Kopf in Richtung von Caroline. Diese rennt wütende aus dem Zimmer und ruft laut: „Alarm, in meine Suite  vergewaltigt Richard Gere gerade eine mir unbekannte junge Frau“.

Sollte der eine oder andere Leser Lust haben, bei unserer Runde dabei zu sein, ist sie oder er herzlich eingeladen sich bei mir zu melden.

Lesegruppe Dez 2014

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