Auf die Insel Fernando de Noronha

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Dienstag, 3. März: Zur Zeit habe ich keinen Zugriff aufs Internet, schreibe aber meinen Blog weiter und werde senden, sobald ich wieder im Netz bin. Meine Notizen beginnen am Sonntag, dem 1. März.

Am Sonntag sind wir mit dem bequemen Linienbus Richtung Norden in das 300 Kilometer entfernte Natal, die Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte, gefahren. Die Fahrt zum weit außerhalb liegenden Busbahnhof von Recife wurde aber erst mal ein Rennen gegen die Zeit. Wir sind mit dem Taxi zur nächsten Metrostation gefahren und von dort ging es 25 Kilometer zum Busbahnhof mit einer Art S-Bahn. Die Anfahrt  wurde zur Punktlandung, genau um 11 Uhr kamen wir an, sollten aber nochmals zurück zum weit entfernten Schalter, um unser online-Ticket gegen den Originalfahrschein umzutauschen. Schließlich ließ uns der hilfsbereite Fahrer doch einsteigen und am ersten Stop wurde das Ticket am Schalter umgetauscht. Die fünfstündige Fahrt im bequemen Reisebus mit einem Sitzkomfort, den man sich im Flieger nur wünschen könnte, ging es durch ebene, manchmal durch Hügel durchsetzte Landschaft mit Zuckerrohrfeldern so weit das Auge reicht, ab und zu passierten wir Palmölplantagen, Pferde und Rinder standen auf  Wiesen. Als Natal auftauchte, waren wir überrascht von den gepflegten neuen Hochhäusern, man merkt der Großstadt an, dass hier einiges voran geht. Seit der Präsidentschaft von Lula im Jahr 2002 wurde in der Gegend viel investiert. Wir passierten das hochmoderne silbern glänzende Stadion, welches für die WM 2014 gebaut wurde. Mit dem Taxi ging es zum makellosen Strand von Ponta Negra. Für die eine Nacht bis zu unserem  Weiterflug auf die Insel Fernando do Noronha haben wir uns zu einem sensationell günstigen Preis im „Manary Praia Hotel“ eingemietet, eine der charmantesten Anlagen im Nordosten des Landes mit viel Geschmack eingerichtet, Fotos und Sammelstücke aus aller Welt erzählen von der Reiseleidenschaft des verstorbenen Besitzers Eduardo Bagnoli. Im Restaurant am tropischen Pool haben wir uns ein Abendessen der Extraklasse geleistet, nämlich eine gigantische Meeresfrüchteplatte, darunter zwei große Hummerschwänze, ein Erlebnis, welches wir uns in einem gleichwertigen Lokal in Deutschland kaum leisten würden.
 
Am Montag Morgen bleibt uns leider nicht genügend Zeit, dass wir das opulente Frühstück so richtig genießen können. Ein junger müder Taxler bringt uns in rasanter Fahrt zum Flughafen, der 35 km westlich mitten in der Pampa liegt, er wurde extra für die WM gebaut. Auf der Fahrt dorthin wandelt sich das Stadtbild und wir kommen durch Straßen, die mit ihren Häusern eher an die dritte Welt erinnern.  Die Turboprop ATR 72 startet pünktlich um 11 Uhr in Richtung Fernando de Noronha. Dafür, dass der Flug für die 350 Kilometer sauteuer ist, wirken die servierten Softdrinks, Nüsse und Salzgebäck eher recht dürftig. Als der Pilot nach einer guten Stunde zur Landung ansetzen sollte, kommen mir Bedenken. Ich habe das Gefühl, dass die Maschine ständig im Kreis fliegt. Das Anschnallzeichen erlischt, der Kapitän macht eine Durchsage auf Portugiesisch. Unser Hintermann erklärt uns auf Englisch, dass wir wegen starkem Regen nicht landen können. Irgendwann geht es geradeaus und wir erfahren, dass es zurück zum Festland geht. Auf Nachfrage bei einer Stewardess kommt die englische Durchsage vom Piloten, dass die Landebahn in Fernando völlig unter Wasser steht und wir nicht landen können. Es geht zurück, und zwar nach Recife. Bewundernswert, mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Einheimischen mit dem Problem umgehen. Es steigen Passagiere zu, nun ist die Maschine gut besetzt, vorher war sie nur halb voll. So spart sich die Airline offensichtlich die extra Maschine für den Linienflug von Recife auf die Insel. Sicher ist dies auch der Grund, warum der Flieger nicht nach Natal zurückgeflogen ist. Nach einer guten Stunde am Boden geht es gegen 14:45 Uhr wieder los. Nochmals eineinhalb Stunden Flug hinaus in den Atlantik und wir sind am Ziel. Auf dem kleinen Flughafen müssen wir erst mal Formulare ausfüllen. Es ist eine ziemlich happige sogenannte Umweltgebühr zu entrichten, die wir aber nicht an Ort und Stelle zahlen können, weil kein Zugriff aufs Internet besteht. Wir sollen am Rückflugtag bezahlen. Ein klappriges Taxi bringt uns zu unserer Pension, der Pousada Oceano Atlantico, wo wir unser einfaches im Internet gebuchtes Zimmer bezahlen. Hier kosten die Unterkünfte im Schnitt das Doppelte, wie auf dem Festland. Es ist kaum etwas los in dem kleinen Ort ….Im Supermarkt holen wir uns erst mal ein Bier und essen später in einer gegenüberliegenden Kneipe, natürlich gibt es Fisch mit Beilagen, gar nicht schlecht für das einfache Lokal.
 
Am Dienstag müssen wir uns erst mal orientieren. Ein Bus fährt regelmäßig für wenig Geld die gesamte lang gestreckte Insel ab. Erst nimmt uns aber mal ein freundlicher Fahrer eines Reiseunternehmens mit zum Hafen. Dort ist die Touristeninformation und wir hoffen, nähere Informationen zu erhalten. Fehlanzeige. Die Tussi spricht kein Wort Englisch und ist eine Ausnahmebrasilianerin. Sonst sind die Leute im Land außerordentlich freundlich und hilfsbereit und irgendwie kommt man gestikulierend zurecht. Bei dieser eingebildeten Tante nicht! In einem Reisebüro treffen wir auf eine liebenswerte junge Frau, die ganz passabel Englisch spricht und von ihr erfahren wir alles was wir wissen müssen. Zurück in der Unterkunft packen wir unsere Badesachen und machen uns auf in Richtung Strand. Zunächst müssen wir aber die „Eintrittsgebühr“ für den Meeres-Nationalpark bezahlen. An dieser Stelle ist es wohl angebracht, etwas über „Fernando“ zu erzählen.
Fernando de Noronha gehört zum Weltnaturerbe und soll sich angeblich durch besonderes ökologisches Bewusstsein auszeichnen. Dafür ist eine saftige Umweltabgabe fällig, diese beträgt für unseren viertägigen Aufenthalt 205 Real, also etwa 60 Euro, pro Person und steigert sich dann erheblich. Zunächst ist uns nicht ganz klar, wo der besonders pflegliche Umgang mit der Umwelt begründet sein soll. Buggys, also so eine Art kleine Jeeps mit riesigen Reifen und röhrenden Motoren ohne Katalysatoren rasen durch die Gegend. Obwohl der Sprit erheblich teurer als auf dem Festland ist, laufen die Motoren bei wartenden Fahrzeugen unentwegt weiter. Für den Nationalpark wird dann nochmals eine Gebühr in Höhe von 162 Real, also gut 50 Euro fällig. Brasilianer zahlen die Hälfte und über sechzigjährige Landsleute gar nichts. Das Archipel besteht aus 21 Inseln, bewohnt ist aber nur „Fernando“, schmal und etwa zehn Kilometer lang, überragt von 323 Meter hohen „Finger“ des Morro do Pico, der aber mehr als 4300 Meter über dem Meeresboden liegt.
Unser erstes Stranderlebnis fällt allerdings buchstäblich ins Wasser, es beginnt wie aus Eimern zu schütten und wir können uns nur auf die Terrasse eines Lokals retten. Am späteren Nachmittag scheint aber wieder die Sonne und wir wandern hinunter  zu zwei Stränden an welche meterhohe Wellen brechen. Von  der Burgruine Forte dos Remédios haben wir einen unvergleichlichen Blick, allmählich beginnt uns zu dämmern, dass wir wirklich in einem kleinen Paradies sind. Als die rote Sonne hinter dem Pico dann im Meer versinkt, sind wir kurz vor dem Ausflippen. Für Brasilianer kommen diese Inseln sogar noch vor dem Paradies.

Für den Mittwoch haben wir einen Ausflug gebucht. Ein Landcruiser bringt uns zu den schönsten Stellen der Insel. Wir sind elf Gäste, die anderen neun aus den verschiedensten Gegenden Brasiliens, der Fahrer und Guide spricht natürlich so gut wie überhaupt kein Englisch. Das führt dazu, dass wir beim Schnorcheln die Instruktionen nicht verstehen und beim ersten Wassergang nahezu verzweifeln und fast vergeblich gegen die herandonnernden Brecher ankämpfen, bis wir schließlich im ruhigen Wasser sind. Um an diesen Strand mit dem Namen Baia do Sancho, einer der drei Fünf-Sterne-Strände auf der Insel zu kommen mussten wir erst auf Eisenleitern einen senkrechten Kamin die Klippe hinuntersteigen. In ganz Brasilien gibt es insgesamt fünf Strände der Fünf-Sterne-Kategorie, drei davon hat Fernando zu bieten. Während der Rundfahrt haben wir unvergleichliche Ausblicke auf makellose Strände, steile Felsen und schwimmen und schnorcheln in lauwarmem Wasser. Natürlich kommen wir an diesem Tag auch noch zu den anderen beiden Traumstränden, Praia do Leao und Baia dos Porcos. Die kleine Insel hat nicht weniger als 17 Stände zu bieten, von denen welche nur bei Ebbe oder vom Boot aus zu erreichen sind. Bei der letzten Schnorcheltour auf der äußersten Südostseite der Insel beachten wir beim Ablegen unserer Klamotten die Gezeiten nicht. Als wir zum Strand zurückkommen fehlt ein Flip Flop von Renate, ich kann ihn gerade noch retten, es hat ihn zwischen Felsen am Strand gespült. Eine Mitreisende hat gerade noch das Schlimmste verhindert und unsere Badesachen  an einer höheren Stelle in Sicherheit gebracht. Meine Hose ist dennoch völlig durchnässt, zum Glück ist die darin steckende Kamera noch funktionsfähig. Den Sonnenuntergang erleben wir von den übrig gebliebenen Grundmauern der ehemaligen Festung Boldro mit prächtigem Blick auf zwei  kegelförmigen Felsformationen, die Ilhas Dois Iraos (Inseln der zwi Brüder).  Nach dem Vollmond scheint der große Regen vorbei zu sein, denn es hat an diesem Tag nicht ein einziges Mal geregnet.

Am Donnerstag nehmen wir an einer Bootstour teil, welche uns die Schönheit der Insel noch einmal vom Wasser her zeigt. Das Schnorcheln vom Schiff aus ist viel bequemer, als das Überwinden der Brandung am gestrigen Tag. Wir haben das Glück, Delphine zu beobachten, die sich zeitweise um unser Schiff tummeln. Am Schluss der Tour lassen sich etliche junge Ausflugsteilnehmer an Seilen auf einer Art kleinem Surfbrett hinter dem Boot herziehen. Mit einigen Wenigen bleiben wir noch an Bord und bekommen ein ansprechendes spätes Mittagessen serviert, natürlich mit köstlichem Fisch in einer wohlschmeckenden Soße.
Was uns auf unserer Reise immer mehr auffällt, ist die Selbsverliebtheit der Brasilianer. Ständig fotografieren sie sich selbst und sind dazu bestens mit dem neuesten Selfi-Equipment ausgestattet. Viele junge Leute, auch die Mädels, haben sich zum Teil großflächige Tätowierungen auftragen lassen.
Die Insel Fernando ist wirklich ein tropisches Paradies, welches weltweit seinesgleichen sucht. Die hohe Gebühr für den Meeresnaturpark scheint auch angemessen, denn an den Stränden und im Wasser wird Umweltschutz groß geschrieben. Ganz anders sieht es aber an Land aus. Hier wird von den Touristen eine exorbidante hohe  Umweltabgabe verlangt (in unserem Falle für fünf Tage 205 Real pro Person, also ca. 65 Euro (die Gebühr steigt übrigens nicht linear sondern progressiv) und man fragt sich für was. Die Infrastruktur ist schlechter als in den meisten Drittweltländern unserer Erde (während unseres Aufenthaltes hatten wir keine Chance ins Internet zu kommen, die Nebenstraßen sind in einem erbärmlichen Zustand und von ökologischem Bewusstsein ist wirklich nichts zu spüren). Von den Dreckschleudern, die als Autos unterwegs sind, habe ich ja schon berichtet. Mülltrennung findet nicht statt und Plastik ist allgegenwärtig. Es wäre interessant zu wissen, in welch obskure Hände die Einnahmen aus der Umweltsteuer wandern.  Dessen ungeachtet bleibt Fernando de Noronha immer noch so eine Art Ersatzparadies.

Den Freitag Vormittag verbringen wir am Strand des kleinen Hafens unter einem großen Sonnenschirm vor einer Kneipe. Dort stelle ich ein Flasche Bier vom Giesinger Bräu in Position, um ein Foto für die dortige Webside zu machen. Die leere Flasche schenke ich der freundlichen Wirtin als Souvenir aus München und dieses Andenken findet gleich einen Ehrenplatz in dem winzigen Strandlokal. Als kleine Geste bekommen wir gleich die doppelte Portion vom bestellten Fisch.
Am Nachmittag bringt uns ein Wagen der Agentur über welche wir die Ausflüge gebucht haben zum kleinen Flughafen. Dort warten wir eine ganze Weile bis wir erfahren, dass der Flug nicht stattfindet – und zwar wegen Regen, wie beim Hinflug. Wir werden in eine Pension gebracht. Hier scheint das Internet zu gehen -Inshallah- und ich versuche nun zu senden. Da war mal der Wunsch größer, als die Wirklichkeit. Die Leistung im Netz ist zu schwach, um den Blog zu veröffentlichen. So stapfen wir durch die Straße, die mittlerweile ein kleiner reißender Fluss ist, zu einem Lokal. Für dort haben wir einen Gutschein für das Abendessen. Wir unterhalten uns mit einem netten Paar – wieder eines auf Hochzeitsreise, sie kommen aus dem Süden, nämlich aus Florionopolis. Völlig verdreckt landen wir schließlich in unserem Zimmer. Am Morgen schüttet es immer noch. Ob wir heute hier wegkommen? Beim Frühstück werden wir einen neuen Versuch starten, diesen Blog auf den Weg zu bringen.
 

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