Ein Abschied in Würde

0206 (21)

Am Freitag bin ich aus einem traurigen Anlass nach Brüssel geflogen und mit dem Zug weiter nach Antwerpen gefahren. Dort habe ich Andreas getroffen der den Eurostar aus London genommen hat. Am vergangenen Montag ist mein lieber Schwiegersohn Jan gestorben. Wenige Wochen nach seinem fünfzigsten Geburtstag im Juli des vergangenen Jahres hat er erfahren, dass er unheilbar krank ist.

Die beeindruckende Trauerfeier fand in der  Dreifaltigkeitskirche von Berchem, einem Stadtteil von Antwerpen statt. Meine Tochter Jutta war überwältigt vom  Schmerz als ich in die Kirche kam und wollte mich gar nicht mehr los lassen. Jans Bruder Philip war aus Brasilien gekommen und eine wirklich große Trauergemeinde gab Jan die letzte Ehre. Wir wurden von einem Herrn im Frack zu unseren Plätzen gebracht nachdem wir am Sarg von Jan Abschied genommen hatten. Vor dem Altar war ein Tisch aufgebaut mit Bildern von Jan als jungen Wilden, so wie ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, und kurz vor seinem Tod. Daneben Dinge, die ihm wichtig waren, unter anderem ein Flasche Bordeaux. Der Sarg wurde davor geschoben und mit einem weißen Überzug  bedeckt. Die beiden Priester Philip, der seit 25 Jahren Geistlicher in Brasilien ist  und der Pfarrer der Jan und Jutta getraut hat, führten würdevoll durch den Gottesdienst. Eine Freundin sprach für Jans Schwester Brigitte bewegende Wort und für Jans Tochter Evelin sagte eine Freundin unter anderem: „Morgen wirst du wieder aufwachen, keine Schmerzen mehr haben und alle die du liebst werden bei dir sein“. Es erklang Jans Lieblingslied „Comfortably Numb“ von Pink Floyd.

Zum Schluss stand der Sarg am Eingang und es wurden hunderte von Kerzen angezündet. Es war ein derart würdevoller katholischer Gottesdienst wie ich ihn im konservativen Bayern nie erlebt habe. Wir verließen als letzte die Kirche und Philip brachte Jutta, Andreas  und mich in den Vorort Heide. Der Sarg stand auf dem kleinen Friedhof in einem Rondell und der engste Freundes- und Familienkreis legte weiße Rosen auf den Sarg, stellte sich Hand in Hand darum auf. In einem guten chinesischen Restaurant gab es das Abschiedsessen, eine üppige Reistafel und viel Rotwein, Jans Lieblingsgetränk. Im kleinen Kreis gingen  wir schließlich nochmals zum Friedhof, der Sarg war bereits versenkt und das Grab war  mit Kränzen bedeckt. Jutta und Philip begleiten uns zum Zug. Andreas  und ich konnten gemeinsam fahren, der Zug nach Brüssel hielt am Flughafen.

0206 (16)

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