Friedenskette

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Iman Benjamin Idriz beim Gebet

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, hier Auszüge aus dem Artikel:

„15 000 Münchner nehmen an der Lichterkette durch die Innenstadt teil, die fünf Gottehäuser miteinander verbindet. Sie wollen damit ein Zeichen für Frieden und Toleranz setzen.

Nach knapp einer Stunde ist die Lichterkette geschlossen. Sie bleibt es knapp eine Viertelstunde lang.

Der Jakobsplatz vor der Synagoge füllt sich bereits um kurz nach sieben Uhr rasch, noch bevor die Aktion beginnt. An St. Michael in der Fußgängerzone sind die Einkaufsflaneure um diese Zeit bereits in der Minderheit. An der Sendlinger Straße stehen sie quasi an, um teilnehmen zu können. In der Hotterstraße – dort sitzt das Münchner Forum für Islam – stehen sie in drei Reihen. Gleich neben dem Gebetsraum trifft sich ein Pärchen, er ist vom Sendlinger Tor gekommen, sie von der Michaelskirche. Nirgendwo war noch Platz in der Kette, so berichten sie sich gegenseitig. Muslime recken Wunderkerzen in die Höhe und wünschen sich Frieden. Dann sagt Iman Benjamin Idriz, er interpretiere nun das Vater Unser auf Arabisch. Als er den Gesang anstimmt, hört man keine einzige Stimme mehr in der Hotterstraße.

Ein gutes Stück weg von der Altstadt, wo in diesem Moment Tausende Lichter brennen. Die Polizei spricht von 350 Teilnehmern am Bagida-Aufmarsch und etwa 1000 Gegendemonstranten. Gekommen sind offenbar auch wieder einige der Polizei bekannte Neonazis. Am Goetheplatz werden professionell hergestellte Plakate verteilt. Auf einem ist zu lesen: „Wir, nur wir sind das Volk, und geben nun den Takt an. Ihr dort oben – Heuchler, Lügner, Vaterlandsbetrüger – unser Anfang mit Pegida läutet euer Ende ein.“ Die Polizei konfisziert es wegen des Verdachts auf Verunglimpfung des Staates. Der Islam-Hasser Michael Stürzenberger verliest am Ende eine Liste mit den Adressen von Asyl-Unterkünften. Nach jedem Eintrag ruft er: „Wollt Ihr das?“ Die Bagida-Demonstranten antworten: „Nein!“

Die Menschen von der Friedenskette sind da bereits auseinander gegangen. Manch einer hat gesagt, ihm sei in der Kälte das Herz gewärmt geworden von so vielen Menschen.“

Renate und ich sind die gesamte Lichterkette abgegangen. Zu Beginn stellten  wir uns vor der griechische-orthodoxen Kirche am Salvatorplatz auf. Dort hatten wir gleich eine Begegnung der anderen Art. Hinter uns stand eine ältere Dame, die meinte um „uns Heimatvertriebene hat sich niemand gekümmert“. Ich drehte mich zu ihr um und sagte: „Ich bin auch ein Heimatvertriebener“. „Dann wissen Sie ja, dass wir im Gegensatz zu den heutigen Flüchtlingen, denen es so gut geht, überhaupt keine Entschädigung erhalten haben, mein Vater hat schließlich zwei Stadthäuser gehabt und nichts dafür bekommen“. Ob sie vielleicht auf der falschen Veranstaltung sei, habe ich sie gefragt.

Wir kamen beim Forum für Islam gerade rechtzeitig an, um das Gebet des Imam zu hören, „unser Vater Unser“, wie er erklärte. Eine junge Glaubensgefährtin  stand neben ihm mit einer Kerze, auf welcher die Glaubenssymbole der drei Buchreligionen abgebildet waren.

Als wir zuhause die Tür öffneten, klingelte das Telefon. Es war eine traurige Nachricht.

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Oberbürgermeister Reiter mit Gattin

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Muslima mit Kerze der drei Buchreligionen

Iman Benjamin Idriz

Iman Benjamin Idriz

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