Strandtag

image

Der Freitag wird zum Strandtag. Wir sitzen unter dem Schirm am Sandstrand vor den Wellen, schauen dem bunten Treiben zu. Händler kommen mit bunten Textilien und Essenskarren vorbei und bieten alles Mögliche an. Man kann sich komplette Mahlzeiten zusammenstellen.  Auch wir lassen uns mit frittierten Scampis, Nüssen und einem Bohnen-Reisgericht, bestreut mit Manjokmehl, bedienen. Auch ein buntes Strandtuch geht in unseren Besitz über. Ein dunkelhäutiger junger Mann in den Zwanzigern mit einem lockigen Wuschelkopf spricht Deutsch. Er kommt eigentlich aus Recife, lebt aber mit seiner deutschen Frau in Hamburg, sie sind mit der eineinhalbjährigen Paulina hier auf Urlaub bei seiner Mutter. Sie waren einige Tag in Salvador und haben dort erlebt, wie ein städtischer Linienbus mit Waffengewalt überfallen worden ist, wieder mal ein Zeichen, dass Sicherheitsgefühl immer subjektiv ist, hatten wir doch in dieser Stadt nicht ein einziges Mal das Gefühl, bedroht zu werden. Zum Sundowner gibt es einen heftigen Caipirinia an einem Strandkiosk, bei dem einige Karaoke-Sänger ihren Spass haben. 

image

Das Städtchen Olinda

image

Ein Tagesausflug führt in das Städtchen Olinda. Der Ort liegt an einem Hügel am Atlantik und gehört zum Weltkulturerbe. Enge kopfsteingepflasterte Gassen, gesäumt von  bunten Häuschen, führen vorbei an barocken Kirchen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Der Ort zieht Künstler aus aller Herren Länder an, die hier ihre Handarbeiten, darunter wertvolle Schnitzereien, Bilder oder Skulpturen anbieten. Mittag sitzen wir auf der Terrasse der „Oficina do Sabor“, einem der angesagtesten Restaurants von Nordostbrasilien. Es gibt Fisch in Kokossoße, welcher in einem ganzen Kürbis serviert wird, das Essen ist ein Gedicht und verglichen mit Spitzenlokalitäten in Deutschland sensationell preiswert. Im Franziskanerkloster bewundern wir die blauen Azelejos, portugiesische Kacheln, mit Motiven aus der Bibel aber auch aus dem täglichen Leben während der Barockzeit. Bei der Busfahrt beobachten wir, wie auch schon in Salvador, die fliegenden Händler, durchwegs meist junge Männer, die in den Bus ein und aussteigen und alles Mögliche anbieten und anpreisen. Auch in die  offenen Lokale kommen immer wieder Trafikanten, die Gebrauchsgegenstände auf den Tisch legen, diese später wieder einsammeln, beziehungsweise von dem einen oder anderen vereinzelten Käufer bezahlt werden. Es sind durchweg Billigstartikel, die angeboten werden, und die Tageseinnahmen sind mit Sicherheit nicht sonderlich hoch. All diese Menschen leben ganz offensichtlich  am Rande des Existenzminimums, hängen doch ganze Familien von ihrem Einkommen ab. Bei diesen Beobachtungen fragen wir uns, ob die von der brasilianischen Regierung veröffentlichten ungewöhnlich niedrigen Arbeitslosenzahlen den Tatsachen entsprechen?

image

Recife

image

Der Flug von Salavador nach dem nördlich gelegenen Recife im Airbus 320 war flott und problemlos. Trotz des günstigen Preises wurde sogar ein Getränk und ein kleiner Imbiss serviert. Das Gepäck war sensationell schnell da und mit dem Taxi waren wir in wenigen Minuten im reservierten Hotel.
Recife ist ungefähr so groß wie München, erstreckt sich aber über eine riesige Fläche. Das  Zentrum  der Hauptstadt der Provinz Pernabuco ist mit gesichtslosen Hochhäusern zugepflastert.  Unser Hotel liegt im Ortsteil Boa Viagem. Der  Sandstrand ist nur gut hundert Meter von unserem Hotel entfernt und erstreckt sich über viele Kilometer nordwärts. Vor kleinen Buden sind bunte Sonnenschirme und Plastikstühle und -tische aufgebaut. Getränke und kleine Gerichte werden angeboten. Neben unserem Hotel ist ein kleine Markt, Essensstände bieten preiswerte schmackhafte Gerichte an. Wir Europäer sind unter den Gästen, meist einfache Arbeiter, die absolute Ausnahme. Es macht Spass, gestenreich die richtige Speisenfolge zu wählen. In der Nähe ist ein riesiger Supermarkt, dort versorgen wir uns mit Getränken für den kleinen Kühlschrank im Zimmer. An den Kassen können wir beobachten, welch geringe Bedeutung dem Faktor Zeit beigemessen wird. Die Verkäuferinnen nutzen jede sich bietende Gelegenheit, mit ihren Kunden ein munteres Schwätzchen zu halten. In aller Ruhe wird nahezu jeder eingekaufte Gegenstand in eine Plastiktüte gepackt, nachdem schlussendlich der Kassenbeleg ausgedruckt wurde. Eine Dame muss zum wiederholten Male am Kartenlesegerät ihre PIN-Nummer eingeben. Kein Mensch regt sich auf, hier kann man lernen, was Entschleunigung bedeutet. An diesem Umgang miteinander sollten  wir europäischen Großstädter, die wir ständig das Gefühl haben etwas zu verpassen, ein Beispiel nehmen, an dem völlig gedankenlosen Umgang mit Plastik allerdings eher nicht.  

Stranderlebnisse und die Reise nach Recife

image

In dem hippen Morra sind wir mit Abstand die ältesten Touris. Die meisten Besucher sind in Partylaune und könnten unsere Enkel sein, sie kommen meistens aus Brasilien, Ausländer sind kaum darunter, interessanterweise etliche davon aus Israel. Es ist uns schon auf früheren Reisen aufgefallen, dass diese jungen Leute immer wieder von sich Reden machen. Sie waren ja durchwegs in der Armee, die Mädels zwei, die Burschen drei Jahre. Die Schule, durch die sie dort gegangen sind, hat aus ihnen Menschen gemacht, die sich einfach nichts gefallen lassen, auch wenn das nicht immer richtig ist. Das kommt manchmal nicht sonderlich gut an. Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, sie meist recht lieb und nett sind. In Israel nennt man die im Land Geborenen Sabres, das heißt Kaktus und soll bedeuten, außen stachlig und innen weich.
Ein Strandtag in Brasilien sieht in etwa wie folgt aus, ganz anders als bei uns: Wir kommen uns,  ausgestattet mit  Badetüchern und Renate im Badeanzug wie die reinsten Spießer vor, insbesondere, wenn wir dann auch noch wollen, dass die Liege unter dem Sonnenschirm aufgestellt werden soll. Dort steht normalerweise eine Plastikgarnitur und da sitzt man, trinkt ein Bierchen oder einen Fruchtsaft, bestellt sich später was zum Essen und legt sich ab und zu auf die Liege zum Sonnen, wenn man Brasilianer ist. Eigentlich ist das kostenlos, aber selbstverständlich muss man beim eifrigen Strandboy aus dem angegliederten Restaurant etwas bestellen. Junge Leute mit klammem Geldbeutel legen sich einfach in den Sand, die Damen im Bikini, der eigentlich nur das allerwenigste bedeckt, auch wenn die Figur nicht immer die idealste ist, und die Fettpolster überall heraushängen. Aber selbstverständlich gibt es auch Mädels, die sich durchaus sehen lassen können. Die sind dann häufig die reinsten Narzisten und ständig damit beschäftigt, sich mit ihren Smartphones selbst zu fotografieren. Wir Bleichgesichter kriegen im Schatten schon einen Sonnenbrand. Nach dem Stranderlebnis zieht der Brasilianer oder die Brasilianerin in der Badehose oder im Bikini von dannen, während wir mühselig unsere sieben Sachen zusammensuchen und in der Strandtasche verstauen.
Am Tag unserer Abreise haben wir an einem verschwiegenen kleinen Strand noch eine kleine Hippie-Kolonie entdeckt, lustige junge Menschen, die sich hier treffen, miteinander Musik machen, malen oder in Yoga üben und schließlich wieder weiter ziehen. Das tun wir auch. Wir haben in einem kleinen Reisebüro einen Transfer gebucht und sind in einer längeren Reise mit Boot und Bus zum Flughafen von Salvador gefahren. Von dort bringt uns der Flieger in das 700 km nördlich gelegene Recife, das zum Schnäppchenpreis von unter 50 Euro, das ist billiger als der Bus kosten würde. Hier haben wir uns über das Internet im Marriot eingebucht, eine Hotelkategorie, die normalerweise außerhalb unseres Kostenplanes liegt. Das Hotel wurde erst vergangenes Jahr eröffnet und hat deshalb verlockende Eröffnungspreise.

Im Norden Brasiliens

image

Ein paar Takte zu Brasilien. Das größte Land Südamerikas und das einzige, in welchem nicht spanisch sondern portugiesisch gesprochen wird, hat über 200 Millionen Einwohner deren Bevölkerung sich allerdings in und um die großen Städte konzentriert. Nach der schweren Wirtschaftskrise Anfang der 90er des vergangenen Jahrhunderts mit einer galoppierenden Inflation hat sich das Land erstaunlich gut entwickelt. Die Arbeitslosenqoute ist bemerkenswert gering, liegt sogar unter der von Deutschland. Dilma Rousseff, eine ehemalige Untergrundkämpferin, seit 2010 im Amt und die erste Frau als Präsident des Landes, hat der Korruption den Kampf angesagt und sie hat bewiesen, dass das Land in der Lage war, die Fussball-Weltmeisterschaft, vorheriger Unkenrufen zum Trotz, zu einem wunderbaren Ereignis werden zu lassen. Mit 24 Einwohnern pro qkm ist es eines der am wenigsten bevölkerten Länder dieser Erde. In der Amazonasregion gibt es immer noch Ureinwohner, die noch nie Kontakt zur Außenwelt hatten. Wie Deutschland ist Brasilien ein föderales Staatsgebilde welches sich über die verschiedensten Klimazonen erstreckt.
In Bahia im Norden des Landes sind wir nicht so arg weit vom Äquator entfernt, erleben also tropisches Klima. Das macht sich auch dadurch bemerkbar, dass es immer wieder heftige Regenfälle gibt. Hier auf der Insel Morra ist es nicht ganz so heiß, wie auf dem Festland und abends ist es angenehm draußen zu sitzen. Wir freuen uns mit den beschwingten Menschen, die hier ihre Ferien verbringen und genießen die Freundlichkeit des Servicepersonals. Niemand, auch nicht die vielen fliegenden Händler mit ihrem Tand, ist aufdringlich. Fremde schenken dir ein freundliches Lächeln, ein fröhliches Bom Dia oder Ola. In einer kleinen Kneipe haben wir ein Detail entdeckt, welches ich noch nie auf meinen Reisen gesehen habe. Am Eingang einer kleinen Kneipe hängt eine Streichholzschachtel an einer Schnur, da kann sich jeder Raucher, von denen es im Land erstaunlich wenig gibt, bedienen. Das absolute Highlight ist das unglaubliche Angebot verschiedenster tropischer Früchte, welche man so, als Saft, als Milchmixgetränk oder als Cocktail genießen kann.

Die Insel Morro de Sao Paulo

image

Am 21.2. ging es mit dem Schnellboot den breiten mangrovenumsäumten Rio Uno hinunter zum Atlantik. Am nördlichen Eck der Insel Tinharé liegt dort auf einem steilen Hügel der malerische Ort Morro de Sao Paolo. Gepäckträger transportieren auf gummibereiften Schubkarren das Gepäck steil hinauf in den Ort. Dort wohnen wir in einer kleinen gemütlichen Pension mit einer winzigen Terrasse vor tropischen immergrünen Pflanzen. Morro erinnert mit seinen engen Gassen an ein mediterranes Hafenstädtchen, allerdings in tropischer Umgebung. Sechs Strände warten auf die Sonnenhungrigen. Wir sind hier unter vielen Brasilianern in Partylaune, Ausländer wie wir gibt es wenige.  Auf den Terrassen der Lokale kann man die Seele baumeln lassen und dem bunten Treiben zusehen.

Abschied von Salvador

Am 20.2. heißt es von unserer liebenswerten Gastgeberin Abschied nehmen. Sie kann es gar nicht fassen, dass wir schon weiter wollen, am liebsten wäre es ihr, wenn wir während des gesamten Brasilienaufenthaltes in ihrem Haus bleiben würden. Hier bestätigt sich einmal wieder die Erfahrung, die wir bereits bei unseren früheren Brasilienreisen gemacht haben, dass die Menschen in diesem Land ungemein freundlich und hilfsbereit sind. Hier im „schwarzen“ Norden des riesigen Landes wird die afrikanische Tradition noch heute gepflegt. Fröhliche Menschen, Trommler in den Straßen der alten Kolonialstadt Salvador, einst Hauptstadt der portugiesischen Kolonie, schweißgebadete junge Männer, die Capoeira, den akrobatischen traditionellen Kampfsport aufführen vor ehrwürdigen Kolonialkirchen neben Kopfsteinpflaster begeistern uns Reisende immer wieder aufs Neue. Joalice begleitet uns zum Stadtbus. Wir steigen entgegen der Regel mit unserem Gepäck vorne ein und ich gehen nach hinten zum Schaffner, um zu bezahlen. Normalerweise sind die Busse von hinten zu besteigen, man muss dort aber durch ein unwahrscheinlich enges Drehkreuz, ein Rätsel, wie das so manch massiger Mensch schafft, von denen gibt es einige, Brasilien ist auf diesem Gebiet wohl ein gleichwertiger Konkurent mit den USA. Mit der Fähre geht es schließlich auf die Halbinsel Itaparica und dort nehmen wir den Linienbus. Nach zweistündiger Fahrt kommen wir in dem Städtchen Valenca am Rio Una an. Von dort wird es nach einer Nacht in einer einfachen Herberge weiter gehen auf die Insel Morro de Sao Paulo.

image

Mutter und Schwester unserer Schwiegertochter

Nochmals in Salvadors Altstadt

image

Gestern  kam  unsere liebenswerte Gastgeberin mit in die Stadt. Sie kann es kaum fassen, wie wir uns zurecht finden. Wir müssen nicht lange auf den Bus warten, aber es geht um viele Ecken und durch Viertel in denen wir noch nie waren. Nach gut eineinhalb Stunden rasanter Fahrt mit vielen Stopps sind wir endlich an der Praca da Se. Wir laufen zunächst zum Terreiro de Jesus, dem zentralen Platz in der Altstadt. Ich gehe in das Reisebüro, welches wir schon von unserer Reise vor knapp elf Jahren kennen. Monika aus Kleve, mit der wir uns damals prächtig unterhalten haben, ist dort immer noch bekannt, sie hat inzwischen geheiratet und lebt auf einer großen Farm im Inland. Die freundliche Agentin sucht einen super günstigen Flug nach Recife heraus.  Am Pelourinho, dem malerischen Teil der Altstadt,  essen wir im uns schon bekannten Senac, der Kochschule, vom erstklassigen Buffet. Anschließen geht es zum Aufzug in die Unterstadt. Am quirligen Mercado Modelo schauen wir einer geschickten Zopfflechterin über die Schulter. Das Thermometer zeigt 37 Grad an.

Ruhetag in Itapua

Bobby

                              Bobby

Am Aschermittwoch  schauen wir uns in aller Ruhe in der näheren Umgebung in dem Vorort von Salvador um. Im kleinen Supermarkt wollen wir zwei große Flaschen Bier kaufen. Wieder einmal gibt es Sprachprobleme, es dauert eine Weile bis uns klar wird, dass der Kauf nur dann in Ordnung geht, wenn man im Tausch sozusagen leere Flaschen mitbringt, mit Flascheneinsatz geht hier nichts. Wieder eine neue Erfahrung. Mittags tischt unsere liebe Gastgeberin wieder mächtig auf, an das Bahia-Essen könnte man sich gewöhnen. Wir haben unsere Freude mit dem winzigen Etwas von Hund namens Bobby, der wie ein wilder im Haus herumrennt und uns als seine Freunde akzepiert. Am Nachmittag kommt Zipora, die jüngere Schwester von unserer Schwiegertochter von einem Ausflug zurück. Nun wird die Kommunikation im Haus leichter, sie spricht ein vernünftiges Englisch, hat sie doch einige Jahre in London gelebt. Von dort kennen wir sie bereits.