Auschwitz-Befreiung

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Joachim Gauck setzte in seiner Ansprache vor dem Bundestag ein Zeichen. „Die Vernichtungslager im Osten wurden von den Sowjetsoldaten befreit. Vor ihnen, die allein bei der Befreiung von Auschwitz 231 Kameraden verloren, verneigen wir uns auch heute in Respekt und Dankbarkeit“, sagte das deutsche Staatsoberhaupt am Dienstag. Von den Plätzen aller Abgeordneten gab es dafür Applaus.

Max Mannheimer, Auschwitz-Überlebender, Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees, fordert in einem Brief an den ehemaligen polnischen Außenminister und Auschwitz-Häftling Wadysaw Bartoszweski: „Die Erinnerung an den Holocaust darf nicht instrumentalisiert und aktuellen politischen Konflikten untergeordnet werden.“

Mag man zum russischen Präsidenten stehen wie man will, Geschichtsklittung auf dem Rücken der Überlebenden der Opfer der Konzentrations- und Vernichtungslager darf es nicht geben. Es kann doch nicht sein, dass der polnische Außenminister Schetyna  die Befreiung des Konzentrationslagers ukrainischen und nicht sowjetischen Soldaten zuschreiben darf.

Es war erschütternd im Fernsehen zu sehen, wie die Überlebenden von ihren Schicksalen sprachen und wie groß die Bereitschaft ist, dem Volk der Täter die Hand zu reichen.

Da tut es mir in der Seele weh, wenn ich hören muss, dass der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung endlich einen „Schlussstrich“ fordert und zwanzig Prozent unserer unter Dreißigjährigen mit dem Begriff Auschwitz nichts anfangen können. Am meisten hat mich getroffen, dass es in meiner Heimatstadt München, aus der Stadt in welchem das verbrecherische System des Nationalsozialismus seinen Anfang genommen hat, am Vortrag die Bewegung „Bagida“ Fremdenhass ein Forum bietet.

Vor vielen Jahren hatte auch ich eine „Begegung“ mit einer Holocaust-Überlebenden, es ist mir ein Bedürfnis davon zu berichten.

Es ist Mittagszeit, an einem Tag Ende der 80er des vergangenen Jahrhunderts. Mein Freund Max Rubinstein hat seine guten Verbindungen zur Armee spielen lassen und ich darf mit der Polizeigruppe, die ich in Israel begleite, in die Kantine des Headquarters in Jerusalem zum Mittagessen kommen. In dem Areal gibt es einen Bereich, in welchem die Zivilangestellten einkehren. Wir sind relativ spät dran, der Speisesaal ist fast leer, nur einige Nachzügler leeren noch ihre Teller. An der Essenstheke laden wir uns die ausgewählten Gerichte auf das Tablett, stellen uns zum Zahlen an. Die Dame an der Kasse, sie wird so um die 60 Jahre alt sein, tippt den zu zahlenden Schekel-Betrag in die Tastatur ein. Sie tut dies mit der linken Hand, hält die Rechte verschämt über den Unterarm. Es dauert eine Weile, bis ich realisiere, was das bedeutet. Diese einfache Frau will uns nicht beschämen, sie hat erkannt, dass wir Deutsche sind, sprechen wir doch die Sprache der Täter, und verdeckt die KZ-Nummer, die ihr in Auschwitz in den Unterarm gebrannt wurde, wie einem Tier. Gesten wie diese sind es, welche mich immer wieder tief berühren, tief in meine Seele einbrennen, unvergesslich bleiben.

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