An der polnischen Bernsteinküste

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Vergangene Woche haben wir uns an der polnischen Ostseeküste herumgetrieben, also im ehemaligen deutschen Pommern.

Hier sind einige Impressionen:

Einst wurden die Straßen als Alleen angelegt, um den Pferden, welche Gespanne zogen, Schatten zu spenden. Heute sind sie vielleicht nicht mehr zeitgemäß, strahlen aber einen ganz besonderen Flair aus.

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Der Leuchtturm von Kolberg wurde am Rande der Festung angelegt und war wie der Rest der Stadt nur noch eine Ruine. Nun ist er rekonstruiert und weist den Schiffern den Weg. Bei den schweren Kämpfen im März 1945 wurde die Stadt fast völlig zerstört. Die Festung war schon mehrmals umkämpft, u.a. in den napoleonischen Kriegen 1806/07 und diente den Nazis als Vorlage für den Durchhaltefilm „Kolberg“.

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Als wir 1990 in Danzig waren, war die Stadt bereits recht gut instand gesetzt. Heutzutage  hat man den Eindruck in einer alten Hansestadt unterwegs zu sein, die niemals zerstört war, tatsächlich war am Ende des Zweiten Weltkrieg 90 Prozent der Bausubstanz dem Bombardement zum Opfer gefallen. Hut ab vor den polnischen Restaurateuren. Hier ein Blick auf die Hafenzeile mit dem Krantor.

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Die Großstadt Köslin mit „sauberer Industrie“ ist nahezu eine reine Plattenbautenstadt, sie wurde im Krieg fast völlig zerstört. Wir schauen in die rekonstruierte Marienkathedrale. Vor der Kirche steht ein Mahnmal für die ermordeten Offiziere vor Katyn; das Massaker wurde von den Sowjets den Deutschen unterschoben.  Unter Putin gehe es nun wieder zurück zur ehemaligen Verschwörungstheorie – wer das Gegenteil behaupte gehe ins Gefängnis, behauptet die antirussische polnische Propaganda. Man mag dem Despoten Putin alles Mögliche unterstellen, zum Großteil zu Recht, aber bei der Wahrheit sollte man eigentlich schon bleiben.

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In der Ortschaft Rügenwalde spazieren wir durch das Schloss des unglücklichen skandinavischen Königs Erik XIII. und schauen in die Marienkirche mit dessen Grabstein und einer wunderschönen geschnitzten Holzkanzel. An der Kirchenmauer sind alte deutsche Grabtafeln und -Kreuze zu sehen, ein Ort der Erinnerung.

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Die Rügenwalder Teewurst kennen wir aus der Fernsehreklame, Firmensitz ist nun in 26160 Bad Zwischenahn in Ostfriesland. Einst stand die Metzgerei in Rügenwalde. Das Firmenlogo ist ein Windmühle mit zwei Würsten als Mühlenflügeln.

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Die ehemalige Hansestadt Stolp ist eine Plattenbaustadt mit einigen alten rekonstruierten Bauten in der Altstadt. Im neugotischen Rathaus regiert seit 2014 ein schwuler Bürgermeister von einer linksliberalen Partei. Er ist sehr beliebt – und das im erzkonservativen Polen.

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Mit einem Elektrogefährt fahren wir zu den Wanderdünen im Slowinski-Nationalpark bei Leba und laufen durch den Sand zum Meer. Die riesige Düne, die in der Sahara sein könnte, wandert ungehindert pro Jahr 10 Meter ostwärts.

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Es hat 30 Grad im Schatten, aber die Wassertemperatur der Ostsee liegt bei 15 Grad.

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In der Ortschaft Hoff stürzen an der Steilküste immer wieder Gebäude ins Meer, so auch die Kirche, eine Mauer erinnert noch an das ehemalige Gotteshaus.

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Im Städtchen Wollin auf der gleichnamigen Insel, einst die Perle der Ostsee, wurde 1627 erstmals ein Schiffer Stöwhase in der Nikolaikirche erwähnt, ein Ur-Ur-Ahne von mir.

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Der Strand von Mistroy auf Wollin ist auch Anfang September noch außergewöhnlich gut besucht.

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Bitte seht es mir nach, aber der Einfachheit halber habe ich die ehemaligen deutschen Ortsbezeichnungen gewählt.

Der finale Akt im Fall Dilma Rousseff

Ein hochinteressanter Beitrag – Brasilien intern – hinter den Kulissen von Olympia!

A vida louca

Der 31. August 2016 ist ein schwarzer Tag für die brasilianische Demokratie. Denn nach monatelangen Kräftemessen wurde die ehemalige Präsidentin Dilma Rousseff in einem mehr als zweifelhaften Impeachment-Verfahren ihrem Amt enthoben. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent stimmte der Bundessenat, der Senado Federal, für einen politischen Machtwechsel – und beendete damit die 13 Jahre andauernde Vorherrschaft der Partido dos Trabalhadores (PT). Nun ist die Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) unter der Führung von Michel Temer am Zuge. Jene Partei, die mit ihren Gaunereien und Palastrevolten bereits seit Jahren am Thron der Präsidentin sägen. Ihre mehr grotesken als politisch motivierten Aktionen brachten ihn nicht nur innerhalb der Grenzen und unter den Rousseff-Befürwortern zahlreiche Lacher ein. Vielmehr mutiert das Land, das noch vor Jahren als aufstrebender BRICS-Staat gefeiert wurde, mittlerweile zu einer Bananenrepublik mit politischer Real-Life-Satire.

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Lediglich die Olympischen Spiele brachten dem politischen Krimi eine kurze Verschnaufpause ein. So rückte…

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Schluss mit Nena

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Am gestrigen Abend (29.8.) waren sie noch mal alle gekommen, die Stammgäste vom Feldmann, um mit ihr Abschied zu feiern.

Vor 16 Jahren hatte die hübsche Nena mit bosnischen Wurzeln die Weinkneipe in der Münchner Elvirastraße übernommen und das bodenständige Lokal zu einer angesagten Künstlerkneipe umgestaltet.

Als ich vor 45 Jahre endgültig nach München zog, wurde das Lokal noch vom Namensgeber selbst, dem Bruno Feldmann, betrieben und es wurde mein Stammlokal. Ende der 90er folgte eine Zeit des Umbruchs mit wechselnden Pächtern und dann kam Nena. Sie wird uns fehlen mit ihrer Tasse Kaffee in der Hand und immer zu einem guten Gespräch zu haben.

Am 1. September wird sie noch eine kleine Feier ausrichten, für Bizzi, dem vorläufig letzten Stammgast, der uns für immer verlassen hat. So hat sie es immer getan, wenn einer von uns gegangen ist.

Dann wird der Feldmann umgebaut und wahrscheinlich am 1. November im neuen Gewand mit dem neuen Wirt Alex wieder eröffnet. Nena wird nicht mehr hinter dem Tresen stehen, sie wird uns fehlen!

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Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

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Reden wir mal nicht von Trump, sondern von einem Land in Paranoia:

Das Böse lauert überall

 

 

Ist Erinnerung wirklich genug?

Etwas zum Nachdenken!

fireredfriederike.com

Srebrenica_massacre_memorial_wall_of_names_2009_2 (c) Michael Büker | Auflistung der Namen von Opfern in der Gedenkstätte Potočari

Jedes Jahr am 11. Juli findet der Gedenktag in Erinnerung an das Massaker an über 8000 getöteten muslimischen Bosniern – überwiegend Buben und Männer – in und um Srebrenica statt. 21 Jahre ist es nun her: Das Töten, das von der UN als Genozid eingestuft wurde. Und die Wunden sind nach wie vor tief. Die Versöhnungsversuche ähneln dem Stein, den Sysiphos versucht einen steilen Hang hinauf zu rollen: Schmerzhaft, leidvoll, anstrengend und bisweilen sinnlos. Die Forderung, man möge damit abschließen oder sich „gefälligst endlich die Hand zur Versöhnung reichen“ kann nur von jenen kommen, die noch nie mit diesem tief sitzenden Schmerz konfrontiert waren. Nichts desto trotz gibt es Menschen, die Frieden, Aussöhnung und Dialog suchen und im Gedenken an den Genozid mehr sehen als das reine „Daran-Erinnern“: BosnierInnen und SerbInnen, die einander die Hand reichen und miteinander…

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